Ausstellung

Ein Maler der feinen Linie

Rahim Roohnikan in seinem Atelier: Links einer seiner Engel, rechts ein abstrakter Frauentorso.

Rahim Roohnikan in seinem Atelier: Links einer seiner Engel, rechts ein abstrakter Frauentorso.

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.  Rahim Roohnikan stellt demnächst seine Bilder in der Kulturkirche Heilig Kreuz aus. Der Wahl-Bottroper aus Persien zeigt dann nur seine Engel.

Eine handgeschriebene Karte, auf der Joseph Beuys ihm einst seine Adresse notierte, bewahrt Rahim Roohnikan bis heute auf. Sie erinnert an die Zeit, als der gebürtige Perser und langjährige Wahl-Bottroper in der Essener und Düsseldorfer Kunstszene unterwegs war. Dort traf er auch Joseph Beuys, den er bis heute als einen der wichtigen wie wegweisenden Künstler der letzten Jahrzehnte betrachtet.

Kunst und Bilder waren immer Teil seines Lebens

Dabei hat der 1947 in Shiraz („der Stadt der Rosen und der Nachtigallen“) Geborene nicht erst während seines Studiums des Designs und der Kunstpädagogik an der Essener Folkwanghochschule begonnen, zu malen und sich für Kunst zu interessieren. „Kunst und Bilder gehörten immer schon zu meinem Leben, auch im Iran, wo mein Vater eine Bilderrahmenfabrik hatte“, sagt Roohnikan, der seit 52 Jahren in Deutschland lebt und an der Kirchhellener Straße nicht nur ein Atelier hat, sondern auch eine Rahmenhandlung betreibt.

Ende März zeigt er seine Bilder in der Kulturkirche Heilig Kreuz. Nicht alle. Die passten selbst nicht in diese große Kirche. Rahim Roohnikan beschränkt sich auf ein Thema, das ihm seit vielen Jahren am Herzen liegt: Engel.

Nein, es gehe ihm nicht um kleine pausbäckige Kinder, denen Flügelchen aus dem Rücken wachsen. Seine Engel sind eher abstrakt - und stehen zugleich für ein Verständnis dieser Wesen, das sich eher an der Philosophie als an konkreten Vorstellungen der Weltreligionen orientiert. Mit 17 davon habe er sich lange auseinandergesetzt. Mit den drei großen monotheistischen wie Judentum, Christentum und Islam natürlich besonders. „Meine Mutter war eine eifrige Muslima, mein Vater hatte eher eine Beziehung zur alt-persischen Religion und der Philosophie des Zarathustra.

Engel greifen nicht ins Leben ein

Dass Engel in das Leben eingreifen, glaubt er nicht unbedingt. „Wären die dann nur in Mitteleuropa schützend tätig? Was ist mit den Menschen in Kriegsgebieten?“ Roohnikan sieht den Menschen eher vor der ständigen Entscheidung zwischen Gut und Böse. Der kann sich also für das Gute, den Engel, oder das Böse entscheiden, ganz im Sinne des italienischen Renaissance-Philosophen Pico della Mirandola, dessen Schriften für ihn, der einst der Liebe wegen nach Bottrop zog, zum wichtigen Leitfaden wurden.

Seine Kunst ist eher abstrakt. Flächen, Linien, zum Teil an orientalischer oder fernöstlicher Kalligrafie orientiert, geben seinen Engeln kaum Körperhaftes. Zarte Bleistiftzeichnungen, mit ebenso feinen Linien, Pastellkreide oder ganz profane Baumarktfarbe sind seine Materialien. Manches erinnert an Picasso. „Ich mag vor allem seine Zeichnungen“, so Roohnikan. Sein Credo: Kunst ist gut für den Menschen. „Einfach, weil jeder etwas davon in sich trägt, wie man schon bei kleinen Kindern sehen kann.“

Eröffnung mit Musik

Unter dem Titel „Engel wohnen nicht im Himmel“ sind die Bilder von Rahim Roohnikan vom 28. März bis 15. April in der Kulturkirche Heilig Kreuz an der Scharnhölzstraße zu sehen. Sa, 12-15, So, 14-17 Uhr sowie Karfreitag bis Ostersonntag 14 bis 17 Uhr. Die Ausstellung wird eröffnet am Mittwoch, 28. März um 19 Uhr durch Oberbürgermeister Bernd Tischler. Für Musik sorgen dann das Duo Coco mit Annika Kron und Dirk Homscheid. Außerdem spricht Rahim Roohnikan über seine Bilder und Philosophie.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben