Tourismus

Ein Linienbus war Franz-Ludwig Conradys erstes Reisebüro

Franz-Ludwig Conrady mit einem Holzmodell seines legendären ersten „Reisebüros“ in Bottrop. Mit einem umgebauten Linienbus in einer gelb-orangenen Lackierung war er einst im Jahr 1981 in der Stadt unterwegs.

Franz-Ludwig Conrady mit einem Holzmodell seines legendären ersten „Reisebüros“ in Bottrop. Mit einem umgebauten Linienbus in einer gelb-orangenen Lackierung war er einst im Jahr 1981 in der Stadt unterwegs.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Der Bottroper war vierzig Jahre als Reiseveranstalter tätig. Ein gelb-orangener Linienbus spielt eine wichtige Rolle. Nun geht er in Ruhestand.

Wenn sich jemand mit Reisen auskennt, dann Franz-Ludwig Conrady. Tourismus ist sein Leben. Aber zum 31. Oktober dieses Jahres hört der Namensgeber von „FLC Reisen“ auf. Den ersten Berufsabschied feiert er bereits 2016, als er sein Reise- und Lotto-Geschäft nach 35 Jahren an der Gladbecker Straße 185 an einen Nachfolger übergibt. Seitdem organisiert er Reiseveranstaltungen in Eigenregie in seinem heimischen Büro auf dem Eigen. Mit 70 Jahren soll nun endgültig Schluss sein. Ab dem 1. November will er kürzer treten. „Aber ich werde nicht auf der faulen Haut liegen“, versichert Conrady.

Seine berufliche Laufbahn beginnt mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann. Nebenbei arbeitet er in der Tourismusbranche, unter anderem bei Urban-Reisen in Gladbeck und als Prokurist bei einem Essener Reisebüro und Reiseveranstalter. 1981 wagt er den Sprung in die Selbstständigkeit. Er fühlt sich heimisch auf dem Eigen und will dort bleiben, findet aber kein geeignetes Ladenlokal. Die Not macht erfinderisch. Stattdessen lässt er einen Linienbus umbauen. Mit allem drum und dran: Telefon, Schreibtisch, Gasheizung, Regale und Prospekte.

Der Bus steht in der Woche vor seinem Haus, am Wochenende irgendwo in Bottrop

Die gelb-orangene Lackierung fällt auf. In diesem mobilen Büro auf vier Rädern wird er in Bottrop bekannt. In der Woche steht der Bus in der Einfahrt vor seinem Haus. Am Wochenende parkt er ihn an verschiedenen Plätzen im Stadtgebiet. Ein Jahr später eröffnet er das Ladenlokal an der Gladbecker Straße .

Bei anderen fängt mit 66 Jahren das Leben an. Sie legen sich aufs berühmte Altenteil oder genießen ihren Lebensabend. Conrady macht nach der Geschäftsübergabe einfach weiter, weil er so viel Spaß an seiner Arbeit hat. Er ist gut vernetzt, hat viele Stammkunden. In der Folge führt er Kreuzfahrten für Gruppen, Flugreisen ins Ausland und viele Busreisen in Deutschland durch.

Der 70-jährige Bottroper hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Stillstand, auch im reifen Alter, scheint er nicht zu kennen. Seine Leidenschaft gilt der Touristik. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der 70-Jährige. Langeweile kommt bei ihm nicht auf. Mit gängigen Vorurteilen, die Rentnern gerne zugeschrieben werden, kann er nicht dienen. „Ich habe keine Eisenbahn. Ich habe auch keinen Rasen zu mähen und keine Goldfische.“

Aber im Frühjahr kommt Corona. Eine ganze Branche liegt am Boden. Auch er ist davon betroffen. „Was wir angeboten haben, mussten wir absagen, weil es nicht durchführbar war.“ Conrady sieht für die Tourismus- und Reisebranche wenig Licht am Ende des Tunnels. Er zeichnet eine düstere Prognose: „Ich sehe für 2021 keine merkliche Erholung.“ Er glaubt, dass nur jene Reisebüros die Corona-Krise überleben werden, die in der Vergangenheit etwas Geld zur Seite gelegt haben.

Franz-Ludwig Conrady will der Tourismus-Branche in anderer Funktion treu bleiben

Während des Lockdowns im Frühjahr erlebt er dagegen eine für ihn völlig ungewohnte Situation. Conrady verbringt viel Zeit auf dem Balkon. Und er habe so viele Bücher gelesen wie gefühlt noch nie in seinem Leben. Der 70-Jährige geht, wie er es selbst nennt, in den „Unruhestand“. In anderer Funktion wird er der Touristik-Branche treu bleiben. Was er genau machen wird, lässt er offen. Aber die Selbstständigkeit ist Geschichte.

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