Ausstellung

Ein Kilometer Klarsichtfolie für die Kunst

Joel Roters mit seiner großen Raumskulptur im „jungen museum" in Bottrop. In seinen Arbeiten geht es um Licht, Farbe und die Sichtbeziehungen im Raum.

Foto: Michael Korte

Joel Roters mit seiner großen Raumskulptur im „jungen museum" in Bottrop. In seinen Arbeiten geht es um Licht, Farbe und die Sichtbeziehungen im Raum. Foto: Michael Korte

Bottrop.  Joel Roters zeigt im „jungen museum“ Arbeiten auf der Grenze von Grafik, Objekt und Skulptur. Das größte Werk benötigte einen Kilometer Folie.

Blickbezüge, Licht und Farbe, Reflexionen: das sind Themen, die Joel Roters in seinen Arbeiten aufnimmt, die ab heute im „jungen museum“ zu sehen sind. Dort müssen Besucher erst zwei Mal hinschauen. Licht gibt es reichlich. Aber Farbe entdeckt man in den monochromen Arbeiten des 32-Jährigen erst allmählich.

Das fängt bei den beiden kleinen Autospiegeln an, die Roters auf gegenüberliegenden Wänden im ersten Raum angebracht hat. Farbe leuchtet in diese r Arbeit „Drivers - Passenger“ immer nur flüchtig auf, wenn sich etwas im Raum verändert, sich das Grün der Bäume durch das Fenster oder die Kleidung der Besucher in den kleinen Flächen spiegeln.

Materialien aus dem Alltag

Neugierig macht auch eine weitere kleinformatige Arbeit, die am Ende eines schmalen Durchgangs hängt Sind es grafische Elemente, Glas hinter einer Art Gitter, ein Bild? Wieder spielt Roters mit Erwartungen und bricht zugleich Grenzen auf zwischen Bild, Grafik oder Skulptur.

Mal formt er weiß beschichtete Teile, die er zu breiten Streifen aus der alten Rückwand eines Kleiderschranks schnitt, zu einer Art geflochtenem Gittermuster, dann wiederum umhüllt er einen Spiegel mit mehreren Schichten von Klarsichtfolie. Die Oberfläche changiert, Licht bricht sich, zunächst scheint alles wie geritztes, zerkratztes Glas daher zu kommen.

Das gilt auch für das größte Objekt im „jungen museum“, eine fast raumfüllende Skulptur. Auch dort „verkleidet“ Roters ein Holzgerüst mit unzähligen Folienbahnen. Etwa ein Kilometer Material mag es schon sein, vermutet der ehemalige Meisterschüler von Erwin Gross an der Kunstakademie Karlsruhe, der heute im Kunsthaus Essen ein Atelier hat. Entstanden ist die Arbeit eigens für diese Ausstellung.

Die Skulptur ist zugleich ein Kontrast zu einem Wandobjekt aus alten Keilrahmen, das ebenso wie eine kleine Ritzarbeit auf einem Stück Rigipsplatte mit geometrischen Formen und perspektive spielt. Reduzierte Arbeiten, auf die man sich in Ruhe einlassen sollte.

Konzert zum Abschluss

Die Eröffnung beginnt am Donnerstag, 14. Juni um 18 Uhr im „jungen museum“, Böckenhoffstraße 30, 46236 Bottrop. Zur Finissage am 12. Juli um 18 Uhr ist Joel Roters mit seiner Band „Müde“ aktiv zu erleben. Nach der Veranstaltung im „jungen museum“ gibt die Band ein Konzert im Filmforum an der Blumenstraße 12-14, 46236 Bottrop.

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