Bergbau

Eickhoff übergibt der RAG in Bochum den letzten Walzenlader

Noch steht der Walzenlader vom Typ Eickhoff SL 750 in der Montagehalle der Eickhoff Bergbautechnik GmbH. In den kommenden Tagen wird er demontiert und nach Bottrop gebracht.

Foto: Ingo Otto

Noch steht der Walzenlader vom Typ Eickhoff SL 750 in der Montagehalle der Eickhoff Bergbautechnik GmbH. In den kommenden Tagen wird er demontiert und nach Bottrop gebracht. Foto: Ingo Otto

Bottrop / Bochum.   Das Abbaugerät kommt im Flöz Zollverein auf dem Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop zum Einsatz. 2018 wird das Bergwerk geschlossen.

Die Krawatte muss zum Anlass passen. Weil der imposante Walzenlader, den die Bochumer Eickhoff Bergbautechnik an die RAG übergibt, gelb ist - honiggelb sagen die Eickhoff-Leute - und die Farbe der Sparte der Eickhoff-Gruppe die gleiche ist, tragen die meisten Menschen zu diesem besonderen Anlass eine (honig-)gelbe Krawatte, ein blaues Hemd und einem dunklem Anzug. Für diese Kleiderordnung gibt einen Anlass. Es ist ein Abschied, eine letzte Auslieferung.

154 Jahre gemeinsame Wegstrecke

„Finale“, sagt Dr. Ralf Wittor, Geschäftsführer der Eickhoff-Gruppe. „Das ist die letzte Maschine, die auf diese Weise Kohle fördern wird.“ Zumindest in Deutschland. Das Ende der Betriebszeit dieses Walzenladers wird auch das Ende einer gemeinsamen Wegstrecke von Eickhoff und der RAG. Der letzte in Deutschland eingesetzte Walzenlader soll die Kumpel im Flöz Zollverein auf Prosper Haniel bis zur politisch beschlossenen Schließung des Bergwerks Ende 2018 unterstützen.

154 Jahre gemeinsame Wegstrecke werden es dann gewesen sein. „Danke an Deutsche Steinkohle für 153 Jahre Verbundenheit“ steht deshalb auf dem Banner, das die Maschine schmückt.

Der (honig-)gelbe Gigant vom Typ Eickhoff SL 750 ist so schwer wie 50 Mittelklassewagen (96 Tonnen) und glänzt mit Superlativen – obwohl er gar nicht fabrikneu, sondern bereits elf Jahre alt ist. Er kann ein Flöz mit einer Höhe von zwei Stockwerken (fünf Meter) abtragen und besitzt eine installierte Gesamtleistung wie sieben der stärksten jemals gebauten Unimogs zusammen (1535 Kilowatt). Damit ist er in der Lage, täglich 1500 Lkw-Ladungen (40 000 Tonnen) Steinkohle aus dem Berg zu schneiden und zu laden.

„Wir können stolz auf dieses Moped sein“, sagt dann auch Elmar Wiejack Symann, Prokurist bei der RAG. Und auch er lobt die „jahrzehntelange enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Eickhoff war immer ein zuverlässiger Partner, der termingerecht geliefert hat“. Jürgen Kroker, Leiter des Bottroper Bergwerks ergänzt: „Heute ist ein denkwürdiger Tag.“

Runderneuerte Maschine

Erstmals zum Einsatz kam der Walzenlader 2006. Wie er so in der Eickhoff-Montage-Halle steht, sieht man ihm seine Jahre und die Tatsache gar nicht an, dass er größtenteils aus aufgearbeiteten und instandgesetzten Komponenten besteht, nicht an. Dass Eickhoff aber eben keine neue, sondern nur eine runderneuerte Maschine übergibt, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Kohlebergbau in Deutschland. Eine Zukunftsbranche ist er nicht.

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