Mobilitätstraining

Die Vestische macht Senioren fit für Fahrten im Bus

Praktikantin Silvia Richter-Mosler schiebt Hildegard Tkocz im Rollstuhl in den Bus.

Praktikantin Silvia Richter-Mosler schiebt Hildegard Tkocz im Rollstuhl in den Bus.

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Bus der Vestischen macht Halt am Awo-Seniorenzentrum Schattige Buche. Teilnehmer üben das Ein- und Aussteigen mit Rollator und Rollstuhl.

Wie der geölte Blitz springt die ältere Dame noch schnell in den Bus, bevor die Tür sich ganz schließt. Instinktiv. Sie hat sich erschrocken. Eigentlich sollte sie gerade lernen, dass sie keine Angst vor der Tür haben muss. „Lernort“ ist ein Bus der Vestischen, der an der Haltestelle „Schattige Buche“ vor dem gleichnamigen Awo-Altenheim an der Rheinbabenstraße einen längeren Halt eingelegt hat.

Michael Scheunemann hat den Bus mit Angie Kreutz von der Pressestelle der Vestischen an Bord zu einem kostenlosen Mobilitätstraining für Senioren auf den Eigen nach Bottrop kutschiert. Den hatte Linda Voss vom Sozialen Dienst der Schattigen Buche organisiert und war gleich selber mitgekommen mit einigen der mobilen Bewohner des Seniorenzentrums, zwei Praktikanten und Senioren aus dem Stadtteil sowie deren Angehörigen.

Tickets gibt es nur vorne

Keine Angst vor der Tür zu haben, ist das erste, was alle vor Ort lernen. „Sie bleiben nicht mit dem Arm hängen und flattern draußen hinterher“, versichert Angie Kreutz fröhlich und demonstriert auch gleich, dass die Türen sich bei Widerstand nicht schließen. Der Bus kann nicht los fahren, wenn nicht alle Türen zu sind. „Wir haben eine recht moderne Busflotte.“ Es sind Niederflurbusse, die sich zur Seite neigen, sie haben eine Rampe, die der Busfahrer bedient, und in der Mitte viel Platz für Rollstühle, Rollatoren, Kinderwagen.

Dann zeigt sie, wie man mit seinem Rollator am besten in den Bus kommt, empfiehlt, sich am Haltegriff festzuhalten, die Bremsen seines Gefährts anzuziehen und sich im Bus niemals drauf zu setzen. Nächste Hürde sind die Tickets, die es nur vorne beim Fahrer gibt, oder – falls man schon eins hat – der Entwerter, der ebenfalls vorne hängt. Da heißt es, so lange der Bus noch steht, nach vorne zu laufen und sich immer schön festzuhalten oder einen anderen Fahrgast um Hilfe zu bitten.

Besser zu ruhigeren Zeiten fahren

„Man erlebt es oft, dass der Busfahrer nicht ganz am Bürgersteig hält. Mit einem Rollator kommt man dann schlecht raus“, schildert eine Teilnehmerin des Mobilitätstrainings ein ganz besonderes Problem. Dann könne man den Fahrer bitten, etwas näher ran zu fahren, sagt Angie Kreutz. „Manchmal hat der Busfahrer nicht so viel Geduld“, wendet eine ältere Dame ein. Und eine andere sagt: „Die haben ja auch ihren Fahrplan.“

Ja, er hat seinen Fahrplan, sagt Busfahrer Scheunemann aber: „Man muss es in Ruhe machen. Wichtig ist, dass keiner zu Fall kommt. Ich will keinen Kranken wagen rufen müssen.“ Wie schon Angie Kreutz empfiehlt auch Michael Scheunemann den Senioren, nicht unbedingt Bus zu fahren, wenn alle Schüler unterwegs sind oder wenn es an Markttagen besonders voll ist. Denn dann ist im Bus sowieso kaum ein Durchkommen und auch der Platz für Rollatoren und Rollstühle auf der Sondernutzungsfläche in der Mitte ist begrenzt.

Dickes Lob für die Busfahrer

„Ein dickes Lob“, spendet Uschi Zobel den Busfahrern. „Die kommen immer sofort.“ Sie ist mit ihrem Lebensgefährten Klaus Middendorf da, der für längere Strecken einen E-Rollstuhl braucht. Ein paar Mal übt er das Hinein- und Hinausfahren und das Wenden im Bus. Klappt gut, auch wenn seine Begleiterin sich immer sorgt, er könnte umkippen.

Dann ist auch noch Waltraud Kolasinski mit ihrem Rollator dran, den sie eigenhändig in den Bus wuchtet. „Nur Kleinigkeiten“ kauft sie noch selber ein. Bei dem Rest hilft die Tochter. Sonst würde auch der Rollator zum Heben zu schwer.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben