200 Jahre mit der Kohle

Die lange Suche nach dem schwarzen Gold in Bottrop

As Bottrop noch ein Dorf war: Um 1800 lebten hier rund 2000 Menschen. Schon bald danach begann die Suche nach der Kohle.

Foto: Winfried Labus

As Bottrop noch ein Dorf war: Um 1800 lebten hier rund 2000 Menschen. Schon bald danach begann die Suche nach der Kohle.

Bottrop.   Vor 200 Jahren war in Bottrop die Geburtsstunde des Bergbaus. Der erste Fund im Jahr 1854 löste dann ein wahres „Schürf-Fieber“ aus

Das Jahr 1856, als die damals noch zu Borbeck gehörige Zeche Prosper I abgeteuft wurde, wird als Geburtsjahr des Bergbaus in Bottrop bezeichnet. Doch schon lange vor dieser Zeit hat man hier nach Kohle gesucht.

Hier die Geschichte des Bergbaus:

1818: Buddeln auf Verdacht

Bottrop war Jahrhunderte lang ein kleines Dorf an der Grenze zum Münsterland, in dem die vor 200 Jahren etwas mehr als 2000 Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten.

Aber nebenbei versuchten einige ihr Glück noch auf andere Art und Weise. Der erste schriftliche Hinweis auf die Suche nach Steinkohle durch hiesige Bauern im Bereich des Donnerbergs und Vonderort stammt aus dieser Zeit.

1818 schrieb der damalige Bottroper Bürgermeister Josef Ernst, der ganz in der Nähe auf der Burg Vondern wohnte, an den Bürgermeister von Borbeck: „Die Ackersleute Scheppmann, Kollberg und Beyhoff haben in dem allhier gelegenen Unterbergschen Busche 2 Kohlenschächte abgeteufet und ob ich wohl den Ersteren schon mehrmals zu Verzäunung beider Löcher erinnerte, solche doch ohne die mindeste Verwehr offen liegen lassen. Täglich ist für die Kinder, die Heydelbeeren suchen und für das Vieh, was in jener Gegend weydet Unglück zu befürchten, wie ich denn jüngst noch in diese Löcher herabsteigen lassen müssen um darinnen ein verloren Kind aufzusuchen.”

1839: Der Bürgermeister sucht

Diesen sicherlich primitiven Versuchen folgten bald professionellere Bestrebungen Steinkohle zu finden.

Denn es herrschte die feste Überzeugung, dass man auch hier, so wie andernorts in der Emscherzone, tief im Boden auf das schwarze Gold stoßen müsste. So wusste auch Ernsts Nachfolger, Bürgermeister Wilhelm Tourneau, in seiner Chronik von der alten Sage zu berichten, nach der „die Kohlenflötze aus dem benachbarten Essendischen in diesen Höhen ihre Fortsetzung finden und es sollen sich bei frühern Schürfversuchen Anzeichen von dem Dasein derselben gefunden haben.” Wilhelm Tourneau stellte selbst zahlreiche Bohrversuche an. Er beantragte ab 1839 - allein aber auch, da die Kosten sehr hoch waren, gemeinsam mit anderen Einwohnern - bei der „Herzoglichen General Domainen Inspection zu Recklinghausen” Schürfscheine nicht nur für den Bottroper Raum, etwa in den Bauerschaften Lehmkuhle, Vonderort und Fuhlenbrock sowie im Wald Bischofssondern, sondern auch für Kirchhellen, dessen Amtsverwalter Tourneau ja auch war.

Im Vest Recklinghausen galt die Kurkölnische Bergordnung von 1669. Herzog Prosper Ludwig von Arenberg war als Standesherr des Vestes Recklinghausen, das ihm bereits 1803 zugesprochen worden war, Inhaber des Bergregals. Er gab die Bewilligung von Schürfscheinen aus, die zum Suchen nach Steinkohlen in einem bestimmten Gebiet berechtigten und - nach erfolgreicher Schürfarbeit - die Annahme von Mutungen, also den Anträgen auf Verleihung des Bergwerkseigentums in dem betreffenden Grubenfeld mit dem Recht auf Kohlenabbau.

Dies alles verwaltete die herzogliche Generaldomäneninspektion in Recklinghausen, die ihren Sitz auf der dortigen Engelsburg hatte. Beim Preußischen Bergamt bzw. Oberbergamt lag jedoch die Bergverwaltung.

1840: Erster Bergbauverein

In der Chronik des Kirchspiels Kirchhellen berichtete Tourneau 1840, dass die erwähnte Sage „den Bürgermeister in Verbindung mit dem Freiherrlich von Wengischen Rentmeister Borgwerth und den Holzhändlern Cl. Bremer aus Bottropp und Henrich Stenckhof daselbst” veranlasst hätte, „die Schürfberechtigung zu erwirken.

Als diese ertheilt worden, traten 71 Personen zusammen, welche sich zu einem Verein für Bohrversuche konstituirten und mit dem Unternehmen am 18. August begannen.“ Man gelangte bis zu einer, wie er es ausdrückte, „enormen Tiefe“ von 594 Fuß, was etwa 184 Metern entspricht.

Auch Tourneaus ältester Sohn Friedrich war nicht erfolgreicher. 33 Schürfscheine auf Steinkohlen sind allein 1847 und 1848 auf seinen Namen belegt. Ob die Suche nach Kohle zu kostspielig wurde oder andere Gründe die Familie Tourneau zur Aufgabe ihres Vorhabens zwang, ist nicht bekannt.

Böllerschüsse begleiten den ersten Fund

Erst nach Wilhelm Tourneaus Amtszeit wurde 1854 im Bezirk der Bürgermeisterei Bottrop und damit erstmals im Vest Recklinghausen ein Steinkohlevorkommen vom Essener Kaufmann Julius Waldthausen in der Nähe des Hauses Vondern in einer Tiefe von 84,5 Lachtern (ca. 176 Meter) gefunden.

1854: Waldthausen wird fündig

Das „Wochenblatt für den Kreis Recklinghausen” berichtete in der Ausgabe vom 26. August: „Die Fundgrube liegt hart am rechten Emscher-Ufer, etwas oberhalb der Vonder-Mühle auf einer dem Grafen v. Droste Nesselrode gehörigen Weide.”

Die Qualität der Kohle des 28 Zoll (etwa 72 cm) mächtigen Flözes wurde für gut befunden. Daraufhin, so das Blatt, „donnerten in üblicher Weise die Böller und gleich darauf flatterten auf dem Bohrgerüste unter der Herzoglich Arenbergischen Fahne die Preußische und Vestische bunt durcheinander.” Man schätzte, dass zur Erschließung ca. 350 000 Taler (heute rund 750 000 Euro) aufzuwenden sein würden. Der Herzog von Arenberg verlieh Julius Waldthausen das Bergeigentum an seiner Mutung, der sie nach dem Vornamen des Herzogs „Prosper” nannte.

Es herrschte zu dieser Zeit ein regelrechter Wettlauf auf der Suche nach dem „schwarzen Gold”. Zahlreiche Pioniere versuchten, den begehrten Rohstoff hier aufzuspüren. „Es ist augenblicklich hier ein wahres Schürf- und Muthfieber. Seit dem 1. Januar 1855 sind über 100 Schürfscheine erteilt,” berichtete der herzogliche Generaldomäneninspektor Landschütz 1855 Herzog Prosper Ludwig von Arenberg in einem Brief. „Die Bergwerkssache hat eine goldne Zukunft“; prophezeite er.

1856: Arenberg gegründet

Am 12. Januar 1856 erfolgte die Gründung der „Arenberg’schen Actiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb”. ”Die Gesellschaft soll nach den Statuten ihren Wohnsitz in Essen haben und sich zunächst mit der Inbetriebsetzung und Ausbeutung von neun Steinkohlenfeldern befassen, welche südlich und nördlich der Emscher in der Bürgermeisterei Borbeck und dem Veste Recklinghausen liegen und unter dem Kollektivnamen Prosper bekannt sind,” so formulierte es der damalige Verwaltungsvorstand, dem neben Ernst und Friedrich Wilhelm Waldthausen, Ludwig Huyssen und Karl Sölling aus Essen, Daniel Morian aus Neumühl, der Mülheimer Friedrich Hammacher und Julius Haniel aus Ruhrort angehörten.

Prosper startet mit 60.000 Tonnen

Julius Waldthausen hatte neben der Mutung Prosper I im Jahr 1855 die Felder Prosper II und III erworben, die in der Welheimer Mark in der Nähe der Karnaper Grenze lagen. Erst später wurden die Schächte zu Schachtanlagen zusammengefasst, die dann durchnummeriert wurden. Zur Schachtanlage Prosper I etwa gehörten die später in arabischen Ziffern bezeichneten Schächte 1,4 und 5, Prosper II bestand aus den Schächten 2 und 3 und Prosper III aus den Schächten 6 und 7.

1856: Auch Huyssen schürft jetzt

Im gleichen Jahr erbohrte der Essener Kaufmann Ludwig Huyssen die Schächte Prosper IV, V und VI. Links der Emscher, im heutigen Bottroper Stadtteil Ebel waren die Felder Constantinopel, Gottfried und Maximilian 1854 gemutet und von der preußischen Regierung verliehen worden.

Die Steinkohlenmutungen Constantinopel, Gottfried, Maximilian und Prosper I bis VI, die zusammen einen Komplex von 8 Millionen Quadratmeter bedeckten, wurden für die Arenberg’sche Gesellschaft 1856 erworben bzw. ihr gesichert. Die Felder Engelbert I bis VI hatte sich die Gesellschaft im gleichen Jahr von Ludwig Huyssen gesichert und besaß so bereits das Bergeigentum über den größten Teil der Gemeinde Bottrop, das in den folgenden Jahrzehnten noch weiter ausgedehnt wurde. Der Kohlenförderung gewährte die Gesellschaft oberste Priorität, wogegen die ursprünglich ebenfalls vorgesehene Verhüttung von Eisen zurückgestellt werden sollte.

August 1856: Teufarbeiten

In der am 22. Juli 1856 tagenden Verwaltungsratssitzung in der Bottroper Gastwirtschaft Demond (heute etwa an der Ecke Hochstraße/ Peterstraße) fiel der Beschluss zur Bestimmung des Ansatzpunktes für die Abteufung des ersten Schachtes, der später „Prosper” genannt werden sollte. Bereits im August 1856 begannen die Teufarbeiten im Feld Maximilian, so war zunächst auch die Bezeichnung für den Schacht, im ersten Jahr mit 55 Arbeitern. Der Schacht lag in der Gemeinde Borbeck an der Grenze zu Bottrop. 1861 wurde die erste Tiefbausohle bei 141 ½ Lachter (etwa . 295 Meter Tiefe) angesetzt, die Wettersohle war im Jahr zuvor bei 113 Lachter angesetzt worden.

1863: Die erste Kohle wird gefördert

Die Kohlenförderung konnte Anfang 1863 beginnen und erreichte in diesem Jahr 60 000 Tonnen, im Jahr darauf 108 000 Tonnen. Bottrop hatte in dieser Zeit rund 4000 Einwohner und sollte sich in den nächsten Jahrzehnten nach dem Bau weiterer Schachtanlagen in rasantem Tempo entwickeln.

  • Info: Autorin Heike Biskup ist Leiterin des Stadtarchivs Bottrop und regelmäßige Gastautorin der WAZ-Ausgabe Bottrop mit ihrer Kolummne „Schätze aus dem Stadtarchiv“
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