Geschichte

Die Jugendarrestanstalt Bottrop wird dieses Jahr 40

Bei der Übergabe der Jugendarrestanstalt am 6. April 1978 in Bottrop waren die Herren noch unter sich. Die Arrestanstalt hatte damals 29 Plätze und galt als die moderneste im ganzen Land.

Foto: Gerhard Koschnitzke

Bei der Übergabe der Jugendarrestanstalt am 6. April 1978 in Bottrop waren die Herren noch unter sich. Die Arrestanstalt hatte damals 29 Plätze und galt als die moderneste im ganzen Land. Foto: Gerhard Koschnitzke

Bottrop.   Bei ihrer Eröffnung im April 1978 galt sie als die modernste im Land. Heute gibt es viel Erneuerungsbedarf. Platz für bis zu 36 Jugendliche.

Eine kleine Gruppe Mädchen und Jungen steht vor der Tür und wartet darauf eingelassen zu werden. Rein kommt nicht jeder, zumindest nicht ohne Grund und ohne seinen Ausweis vorgezeigt zu haben. In dem Fall aber hat alles seine Richtigkeit: Es handelt sich um eine Schülergruppe, die wissen will, was in der Jugendarrestanstalt so passiert. „Wir machen nämlich auch Prävention für Schulklassen“, erklärt Felizitas Hense-Neumann. Sie ist seit dem 1. April die neue Leiterin der Jugendarrestanstalt Bottrop, die in diesem Jahr 40 wird.

Die Jugendrichterin kommt aus Essen und ist seit dem 15. Februar 2017 in Bottrop. Sie ist stellvertretende Direktorin des Amtsgerichts Bottrop und hat damit auch die Leitung der Arrestanstalt übernommen. Sie ist die Nachfolgerin von Eckhard Meierjohann, der Ende 2016 neuer Direktor des Bottroper Amtsgerichts wurde und zuvor lange Zeit Leiter des Arrests war.

Jugendliche aus dem gesamten Ruhrgebiet

Zu tun hat es die Richterin in der Anstalt mit männlichen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren aus dem gesamten Ruhrgebiet. Viele von ihnen haben schon eine Menge auf dem Kerbholz und sollen mit dem Arrest quasi einen Warnschuss bekommen, um doch noch die Kurve in ein straffreies Lebens zu kriegen. Manche bleiben nur übers Wochenende: „Denen zeigen wir eine rote Linie auf: Bis hierher und nicht weiter“, sagt Felizitas Hense Neumann. Andere sitzen bis zu vier Wochen ein.

Die sind Michael Hagen, Sozialarbeiter im Jugendarrest, eigentlich die Liebsten: „Bei vielen gibt es erzieherischen Großbedarf“, sagt er und das brauche seine Zeit. Sie kommen aus schwierigen Verhältnissen, erst nach einer Weile zeigten sich die verschiedenen Problematiken. Drogen spielen bei vielen eine Rolle, die meisten haben keinen Plan vom Leben, kennen keine Tagesstruktur und keine Regeln.

Kein Handy, kein Computer

Im Jugendarrest machen sie Bekanntschaft mit beidem. „Sie lernen: Wenn wir was sagen, dann müssen sie sich daran halten“, sagt die Jugendrichterin. Sie lernen, wie man sich in Gruppen benimmt und am Mittagstisch und wie so ein Leben ist ganz ohne Ablenkung. Denn Handy und Computer müssen gleich beim Einzug abgegeben werden. Es gibt Anti-Aggressionstraining, viel Sport und eine Bibliothek – auch fremdsprachlich – die mangels Alternativen auch gerne genutzt wird. Auch einen Koran kann man hier ausleihen, eigene Exemplare müssen abgegeben werden. Darüber hinaus müssen die Jugendlichen ihre Zellen sauberhalten und lassen sich gerne zu Hausdiensten wie Tisch decken und Essen verteilen, einteilen – weil alles ist besser als Langeweile.

Der pädagogische Auftrag des Jugendarrests ist seit 2013 im Gesetz festgeschrieben. Für die Umsetzung stehen Sozialarbeiter Michael Hagen und seine Kollegin ebenso wie eine Übergangsmanagerin und eine Lehrerin sowie 18 Vollzugsbeamte. Sie zeigen den Insassen, wie man seine Freizeit sinnvoll gestalten kann, öffnen ihnen Wege zu Therapien, vermitteln bei Schulen und Arbeitgebern. Die Übergangsmanagerin bleibt auch nach der Entlassung noch Ansprechpartnerin für einige von ihnen.

Im April 1978 übergeben

Eine „Jubiläumsfeier“ zum 40-Jährigen wird es natürlich nicht geben. Als die Arrestanstalt im April 1978 eröffnet wurde, galt sie als die modernste im Land. So hieß es damals auch in der WAZ im Artikel über die Übergabe durch den Justizvollzugspräsidenten. Zwei Jahre dauerte der Bau und die Kosten lagen bei 1,7 Millionen DM. Es gab Platz für 29 Jugendliche in 27 Einzel- und einer Doppelzelle. Die Bottroper Anstalt ersetzte die Bochumer, die geschlossen wurde. Gebaut wurde sie auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses an der Gerichtsstraße, das größtenteils abgerissen wurde.

Inzwischen hat der Zahn der Zeit an der Anstalt genagt, die weit davon entfernt ist, noch als „modern“ zu gelten. 2002 wurde ein Neubau mit sieben Plätzen angebaut, 36 gibt es heute insgesamt, 22 waren im Januar belegt. Auf dem Innenhof steht derzeit ein Duschcontainer, denn drinnen werden gerade die Duschen erneuert, so wie 2013 schon die Schließanlage, und aus einer Dienstwohnung wurden Medienraum und Sporträume. Auch neue Gemeinschaftsräume sind im Laufe der Jahre entstanden sowie Büros für die Sozialarbeiter.

Die Zellen sind karg und das waren sie vor 40 Jahren vermutlich auch schon. Es gibt ein Bett, das tagsüber an die Wand geklappt sein muss, Tisch und Stuhl, Regal, Toilette und Waschbecken aus Metall. Gemütlich und kuschelig geht anders. Aber die jugendlichen Insassen verbringen hier ja auch keinen Erholungsurlaub.

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