Abschied

Der VHS-Chef Christian Haarmann geht in den Ruhestand

VHS-Chef Christian Haarmann verabschiedet sich am Monatsende nach 40 Jahren von der VHS.

VHS-Chef Christian Haarmann verabschiedet sich am Monatsende nach 40 Jahren von der VHS.

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   1979 hat Christian Haarmann bei der VHS Bottrop angefangen. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand. Ein Blick zurück, ein Blick nach vorne.

Christian Haarmann nimmt Abschied. Ende des Monats geht der langjährige Leiter der Volkshochschule in den Ruhestand. Seit 40 Jahren arbeitet er in Bottrop, vom ersten Tag an als stellvertretender Leiter, seit 21 Jahren als Chef der Volkshochschule. Am 25. März wird er im Rathaus von Oberbürgermeister Bernd Tischler und den Kolleginnen und Kollegen verabschiedet. Die WAZ sprach mit Christian Haarmann.

Sie haben schon aufgeräumt.

Ja. Ich habe kiloweise Papier weggeworfen. Es sind einige interessante Sachen zu Tage gekommen. Zum Beispiel eine handschriftliche Belegungsübersicht fürs Berufskolleg im Herbstsemester 1992. Damals lief noch das gesamte Anmeldeverfahren von Hand. Samstagsmorgens fand die Anmeldung im Saalbau statt. Die Kursteilnehmer mussten persönlich erscheinen und bar bezahlen.

Die VHS ist heute ein eigenes Amt

Zählen Sie Ihre letzten Arbeitstage?

Ja. Aber ich freue mich auch, dass jetzt Schluss ist. Wenn man 40 Jahre in einer Institution gearbeitet hat, ist es auch genug. Ich stehe jetzt an einem Punkt, an dem ich mich gerne verabschiede. Jetzt können Jüngere was Neues anfangen.

Was haben Sie damals Neues angefangen?

Ich habe 1979 die erste Vorführung eines politischen Jugendfilms im Kammerkonzertsaal initiiert. 1992 haben wir das Filmforum eröffnet. Das war mir sehr wichtig. Das VHS-Forum ist in den bewegten neunziger Jahren entstanden. Wir hatten damals fast alle prominenten Politiker in Bottrop, wie Joschka Fischer, Hans Apel oder Egon Bahr, zum Beispiel. Dazu haben wir immer wieder auch herausragende Journalisten und andere Persönlichkeiten eingeladen. Sie alle haben in Bottrop ein großes Publikum gefunden. In dieser Zeit ist die Volkshochschule in Bottrop ein eigenes Amt geworden. Das war eine sehr wichtige Aufwertung innerhalb der Stadtverwaltung. Wir haben heute zwölf Mitarbeiter und rund 300 Dozenten. Ich habe keine Zeit mehr für eigene Unterrichtstätigkeit. Ich mache heute mehr das Management.

Computer haben die Arbeit der VHS verändert

Wie sehr hat sich die Arbeit der VHS verändert?

Durch den Einsatz der Computer sehr. Nur so können wir so viele Kurse für so viele Leute machen. 2017 hatten wir 812 Veranstaltungen mit 250 Dozenten, 10.300 Teilnehmern und 22.500 Unterrichtseinheiten. Die gesamte Programmplanung und das Rechnungswesen laufen über Computer. Leider gibt es dadurch nur noch wenig persönliche Kontakte zu den Hörern. Andererseits kommen über das Internet auch viel mehr Teilnehmer von außerhalb.

Hat sich der Auftrag der Volkshochschulen seit deren Gründung vor 100 Jahren verändert?

Nein, im Grunde nicht. Wir sind verantwortlich für die Weiterbildung der Bürger und leisten gesellschaftliche und politische Aufklärungsarbeit. Das ist weiter hochaktuell.

Sind die Volkshochschulen mit den vielen Integrationskursen für Flüchtlinge nicht verstärkt zu ihren Wurzeln zurückgelehrt?

Ja das ist so. 2015/16 hat dieses Dienstleistungsunternehmen bei der Arbeit mit Flüchtlingen gezeigt, was es eigentlich kann. Zu unserem Kerngeschäft gehören aber auch das Nachholen schulischer Abschlüsse oder Alphabetisierungskurse. Das schlechte Image der VHS – Stichwort „Jodel-Diplom“ oder „Volkshochschulniveau“ – hat mich immer geärgert. Aber auch Segel- oder Golfkurse können zum Angebot gehören. Sie werden nicht vom Land gefördert, die Teilnehmer zahlen kostendeckende Kursgebühren. Auch die Volkshochschulen unterliegen vielen Trends, gerade im Gesundheitsbereich. Darauf muss man reagieren. Im übrigen sind die Teilnehmer kritischer geworden, dem muss man sich stellen.

Der Nachfolger steht vor großen Herausforderungen

Sie sagten anfangs, ihr Nachfolger, ihre Nachfolgerin stünden vor neuen Herausforderungen. Vor welchen denn?

Die gesellschaftliche Entwicklung hat zur Folge, dass das bisherige Kurssystem sich verändern wird. Die Menschen sind durch ihre Arbeitszeit, die Verkehrsprobleme oder die berufliche Belastung immer weniger bereit, sich über Wochen auf einen Kurs festzulegen. Auch Vormittagskurse für Senioren, die es früher ja immer gab, sind heute nicht mehr gefragt. Die Senioren haben dann etwas anderes vor. Eine Utopie ist eine Art „Fitness-Center der Weiterbildung“: Ich bestimme, wann ich was brauche und finde das Angebot dann online bei der VHS. Weil aber das Lernen in Gruppen sehr motivierend ist, muss es sicher auch Mischformen geben zwischen individuellen Lernformaten und festen Kursangeboten. Es bleibt spannend.

Wie sehen nun ihre Pläne aus?

Ich werde mich mehr um die Familie kümmern. Meine Frau ist auch in den Ruhestand gegangen. Wir werden öfter in die Hauptstadt reisen. Einer unserer Söhne ist Dramaturg an der Berliner Schaubühne, der jüngere zieht von Rostock dorthin. Wir kaufen uns jetzt Bahnkarten.

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