Schicht

Der letzte Jahrgang auf Prosper-Haniel nimmt Abschied

Die letzten Auszubildenden des Bergwerks Prosper-Haniel bekommen ihre Facharbeiterbriefe und stellen sich vor dem Morianheim zum Erinnerungsfoto auf.

Foto: Michael Korte

Die letzten Auszubildenden des Bergwerks Prosper-Haniel bekommen ihre Facharbeiterbriefe und stellen sich vor dem Morianheim zum Erinnerungsfoto auf. Foto: Michael Korte

Bottrop.   Noch einmal gibt es Facharbeiterbriefe. Die meisten jungen Männer werden bis April auf dem Bergwerk arbeiten. Dann ist für sie Schluss.

Noch ist nicht für sie alle Schluss. Zum letzten Mal nahmen Auszubildende des Bergwerks Prosper-Haniel während der Lossprechung im Morianheim ihre Facharbeiterbriefe entgegen. Doch ein Großteil von ihnen wird noch einige Wochen im Bergwerk arbeiten. Spätestens Ende April ist aber auch für sie Schicht im Schacht.

Nico Pichotzky ist schon früher weg. Der Bottroper hat seinen neuen Arbeitsplatz sicher. „Zum 1. März fange ich woanders an“, sagt der Industriemechaniker. „Ich bleibe in Bottrop, und ich arbeite in meinem erlernten Beruf“, freut er sich. Den Namen seines Arbeitgebers verrät er nicht.

Die meisten seiner Kollegen bleiben noch eine Zeit lang auf Prosper-Haniel. „Wir haben 41 Zeitverträge ausgesprochen“, sagt Bernd Beier, Personaldirektor des Bergwerks. 42 Industriemechaniker, 15 Elektroniker und drei Chemikanten haben ihre Facharbeiterprüfung bestanden. Noch werden die jungen Fachkräfte gebraucht. Bei der Vermittlung in neue Jobs werde die Ruhrkohle helfen, verspricht er. „Wir haben einen riesigen Boom auf junge Facharbeiter. Wir bekommen Anfragen ohne Ende. Wir kommen auf Euch zu und machen Euch Angebote“, rief der Personaldirektor den jungen Facharbeitern im Saal Dickebank zu.

8000 junge Leute habe allein das Bottroper Bergwerk Prosper-Haniel seit Gründung der RAG vor 50 Jahren ausgebildet, berichtet Beier. Im September 2014 hatte der Personaldirektor den letzten Ausbildungsjahrgang im Morianheim begrüßt. Schon da sei klar gewesen, dass die jungen Leute sich Arbeitsplätze bei anderen Unternehmen suchen müssen.

„Das ist eine Geschichte, die einfach weh tut“, räumt Beier kurz vor der Lossprechung des letzten Ausbildungsjahrganges des Bergwerks Prosper-Haniel ein. Er hebt hervor, dass eine Ausbildung bei der Ruhrkohle eine hohe Qualität habe. „Von den 21 besten Auszubildenden in der Region, die die IHK ausgezeichnet hat, kommen elf von Prosper-Haniel“, betont der Personaldirektor.

Ein besonderer Tag

Wie Beier gratuliert auch Peter Schrimpf den neuen Fachkräften. „Heute ist ein besonderer Tag, etwa so als wenn Schalke mal wieder Meister werden würde“, scherzte der stellvertretende RAG-Vorstandsvorsitzende. Mit der Ausbildung auf dem Bergwerk Prosper-Haniel hätten die neuen Facharbeiter beste Voraussetzungen, um bei anderen Firmen neue Arbeitsplätze zu finden, betont Schrimpf. Er erinnerte daran, dass selbst in den Zeiten starken Personalabbaus im Bergbau allen voran die Betriebsräte dafür eingestanden waren, dass das Unternehmen dennoch weiter junge Leute ausbilde. Um so mehr bedauere er, dass die Ruhrkohle ihre Ausbildung wegen des in wenigen Monaten bevor stehenden Bergbauendes aufgeben musste.

Schrimpf: „Wenn ich daran denke, dass wir am Ende des Jahres hier auf Prosper-Haniel die letzte Kohle fördern werden, dann überkommt mich Wehmut und Traurigkeit“.

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