Emscher-Umbau

Der Kornbach erlebt seine Wiedergeburt

Sehen schon einen sauberen Kornbach und eine „blaue“ Emscher vor sich: Uli Paetzel, Johannes Remmel und Bernd Tischler (von links).

Sehen schon einen sauberen Kornbach und eine „blaue“ Emscher vor sich: Uli Paetzel, Johannes Remmel und Bernd Tischler (von links).

Foto: Joachim Kleine-Büning

Bottrop.  Der Kornbach im Nachtigallental wird aus der Versenkung geholt. 2020 wird der Bach sauber in die Emscher münden.

Die Renaturierung des Kornbachs im Nachtigallental bei Vonderort ist keine alltägliche Aufgabe. „Wir werden uns auswärtigen Sachverstand hinzukaufen müssen“, kündigt der Leiter Tiefbau und Stadterneuerung, Heribert Wilken an. Unter seiner Regie wird das Projekt in den kommenden drei Jahren laufen. Diese Frist hat der Landeswettbewerb gesetzt, dessen Gewinn es Bottrop überhaupt erst ermöglicht, den Kornbach buchstäblich aus der Versenkung zu holen.

NRW-Umweltminister Remmel nennt Bottrop inzwischen schon seine „zweite Heimat“, so häufig kommt er in diese Stadt. Meistens geht es um den Auftakt von Renaturierungsprojekten. So auch am Donnerstag, als der Umbau des Kornbachs offiziell bekannt gegeben wurde. „Die Besten wollen wir unterstützten, denn wir benötigen lebendige und lebenswerte Städte. Auch, um uns damit den Herausforderungen des Klimawandels und den sich ändernden Ansprüchen an unsere Städte zu stellen“, sagte Remmel.

  • Der Kornbach im Nachtigallental wird aus der Versenkung geholt
  • Fürs Projekt kauft die Stadt sich Sachverstand von außerhalb hinzu
  • 2020 wird das wieder sichtbare Gewässer sauber in die Emscher münden

Seit Jahrzehnten fließt der Bach durch ein Rohr

Das passte nahtlos vor das Statement von Uli Paetzel, dem Chef der Emschergenossenschaft. „Von dem Projekt im Nachtigallental profitieren auch wir. Das abgekoppelte Regen- und Grundwasser kommt unserem Fluss zu Gute.“ Seit Jahrzehnten fließt der Kornbach in einem dicken Rohr zusammen mit Abwasser und Regenwasser in Richtung Kläranlage. Das ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Nach seinem reinigenden Umbau wird der Bach 2020 in eine dann ebenfalls sauber fließende „blaue“ Emscher münden.

Bevor die Bagger anrollen, um den ein Kilometer langen Bachlauf von der Quelle bis zur Mündung wieder freizulegen, müssen noch zwei, drei Grundstücke von Privateigentümern erworben werden. „Das werden wir als erstes tun“, sagt Amtsleiter Wilken. Und dann soll es zügig weitergehen, denn es müssen Aufträge in einer Gesamthöhe von 3,3 Millionen Euro vergeben werden. 2,3 Millionen Euro steuert das Land als Fördergeld bei.

Frischzellenkur für die Emscher

Oberbürgermeister Bernd Tischler freut sich nicht nur über einen weiteren gewonnenen Landeswettbewerb. „Ich nenne das Projekt die Wiedergeburt eines lange Zeit von der Bildfläche verschwundenen Gewässers. Der Kornbach wird ans Tageslicht zurück geholt.“ Außerdem bedeute jeder Tropfen sauberes Wasser für die Emscher eine Art Frischzellenkur. „Damit leisten wir als Stadt einen immens wichtigen Beitrag, das Emschersystem wieder zu beleben.“

Natürlich muss auch das Abwasser auch künftig weggeleitet werden. Dazu bekommt es einen eigenen Kanal, der parallel zum Bachverlauf gelegt wird. Der Kornbach verschwand in der Zeit der Industrialisierung, der Formsandgewinnung und des Baus von Eisenbahnwegen. Er wurde verrohrt und zu einem Bestandteil des Abwassernetzes der Stadt, das zumeist auch das Regenwasser aufnahm. Die fortschreitende Abkopplung des Regenwassers gehört mit zu den Erfolgsgeschichten der Innovation City Bottrop. OB Tischler hat auch dafür ein Wort: „Schlauer Umgang mit Wasser.“

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