Notfall-Rufbereitschaft

Der Kinderschutz kennt keinen Feierabend und kein Wochenende

Astrid Bernatzki, Teamleiterin beim Allgemeinen Sozialen Dienst, mit dem Notruftelefon des Jugendamtes. Das muss rund um die Uhr ereichbar sein.

Foto: Michael Korte

Astrid Bernatzki, Teamleiterin beim Allgemeinen Sozialen Dienst, mit dem Notruftelefon des Jugendamtes. Das muss rund um die Uhr ereichbar sein. Foto: Michael Korte

Bottrop.   Beim Allgemeinen Sozialen Dienst in Bottrop gibt es nach Dienstschluss und an den Wochenenden eine Rufbereitschaft. Die kümmert sich um Notfälle

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Kinderschutz kennt keinen Feierabend. Deshalb muss das Jugendamt rund um die Uhr erreichbar sein. Immer dann, wenn irgendwo in der Stadt das Wohl eines Kindes akut gefährdet ist, müssen die Mitarbeiter sofort eingreifen. Auch nachts, auch sonntags.

„Wir haben eine Rufbereitschaft. Die beginnt bei Dienstende und endet bei Dienstbeginn am nächsten Werktag“, sagt Astrid Bernatzki. Sie ist Teamleiterin im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Fachbereichs Jugend und Schule, in dessen Zuständigkeit auch Kinderschutz und Hilfen zur Erziehung fallen.

Die Nummer der Notfallrufbereitschaft ist nicht öffentlich bekannt, liegt aber bei Polizei und Feuerwehr vor. Die greifen sofort zum Telefon, wenn sie bei ihren Einsätzen auf gefährdete Kinder oder Jugendliche treffen.

Gefährdung abschätzen

Das könne zum Beispiel bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt sein, schildert Astrid Bernatzki einen möglichen Fall, wenn die Polizeibeamten in einen völlig verwahrlosten Haushalt kommen mit Müll überall und Kindern mitten drin. Die alarmierte Rufbereitschaft müsste zunächst eine Ersteinschätzung vornehmen und klären, ob die Kinder akut gefährdet sind oder ob bis zum nächsten Werktag gewartet werden kann.

Bei akuter Gefährdung würde sie die Kinder in Obhut nehmen und vorübergehend unterbringen. Waren sie Gewalt ausgesetzt, würde auch das Krankenhaus eingeschaltet, meistens die Kinderschutzambulanz des Marienhospitals. Manchmal melden sich Jugendliche selber beim ASD und bitten um Hilfe. Auch dann müsse geklärt werden, ob eine Gefährdung vorliege oder ein Konflikt zwischen Eltern und Kinder schwele.

Suche nach möglichen Hilfen

Im nächsten Schritt wird zusammen mit den Eltern nach Lösungen gesucht, um die häuslichen Verhältnisse zu verbessern. Oft sind die Familien beim ASD bereits bekannt. Sind die Eltern weder kooperativ noch einsichtig, sagt Astrid Bernatzki, muss das Familiengericht über den weiteren Verbleib des Kindes oder auch über Auflagen für die Rückkehr entscheiden.

Insgesamt zwölf Kolleginnen und Kollegen gehören zur Rufbereitschaft des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Der ist in zehn Bezirke eingeteilt und umfasst die gesamte Stadt, angefangen von Kirchhellen, Grafenwald und Feldhausen in Bezirk eins bis Batenbrock-Nord in Bezirk zehn. Hinzu kommen die beiden Teamleiterinnen des ASD. Es gibt Jahrespläne für den Dienst, der immer über eine Woche geht. Das Team verfügt über einen großen Erfahrungsschatz, manche Mitarbeiter sind ausgebildete Kinderschutzfachkräfte.

Zwei bis vier Einsätze pro Woche

Die Zahl der Einsätze wird nicht statistisch festgehalten. „Ich hatte letzte Woche Dienst und drei Einsätze“, berichtet Astrid Bernatzki, die seit zwölf Jahren beim ASD arbeitet. Eine ziemlich normale Woche, sagt sie, zwei bis vier Einsätze seien die Regel. Sie beobachtet über die Jahre eine Wellenbewegung mit mal ansteigenden, mal sinkenden Zahlen bei den Fällen. Im Moment steige der Hilfebedarf wieder, auch bundesweit. Grund sei, meint die Teamleiterin. die prekäre Lebenslage vieler Familien, von denen viele sogar schon in der zweiten oder dritten Generation vom ASD betreut würden.

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