Kultur

Der erste Krimi über das Ende des Bergbaus in Bottrop

„Zechentod“ heißt der Krimi von Sylvia Sabrowski.

„Zechentod“ heißt der Krimi von Sylvia Sabrowski.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Bottrop.  Die Bottroperin Sylvia Sabrowski hat den ersten Krimi über das Bergbauende geschrieben. Das Finale spielt auf Franz Haniel am 21. Dezember 2018.

Mit ihrem ersten Krimi hat Sylvia Sabrowski sich ein Alleinstellungsmerkmal gesichert. Sie hat den ersten Krimi geschrieben, der sich um das Ende des Bergbaus in Bottrop rankt und dessen finaler Showdown sich abspielt am 21. Dezember 2018. Das war der Tag, an dem Bottroper Bergleute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den letzten Brocken Kohle aus der Kirchheller Heide übergaben.

Ausgangspunkt der Handlung ist das Verschwinden eines Ex-Bergmanns aus der Nachbarschaft von Oma Kwatkowiak, 77 Jahre alt und „geistig fitter als Gandhi und Mutter Teresa zusammen“. Sie setzt ihre Enkelin und Psychologiestudentin Liesa auf den Fall an. Gemeinsam mit dem Sohn des Verschwundenen findet sie heraus, das Andreas Goretzka auf eigene Faust Nachforschungen zu einem Todesfall unter Tage im Jahr 1995 angestellt hat. Anschläge auf Beteiligte an diesem Todesfall verstärken den Verdacht, dass hinter dem angeblichen Arbeitsunfall eine andere Geschichte stecken könnte. Liesa und Timo ermitteln „wie Miss Moppel und Doktor Holms“.

Furioses Finale auf Franz Haniel

Am letzten Tag des Steinkohlebergbaus in Deutschland klären sie den Fall in einem furiosen Finale - mit Hilfe einer hölzernen Figur der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Viel mehr Bergbausymbolik lässt sich kaum in eine Krimihandlung bringen. Die Autorin hat sogar dem Steigerlied noch eine achte Strophe gedichtet.

Sylvia Sabrowski kennt das Milieu gut, in das sie ihre Detektivin schickt. Ihr Urgroßvater kam aus Oberschlesien des Bergbaus wegen ins Revier, Opa und Onkels arbeiteten auf dem Pütt. Wie ihre Heldin hat sie Psychologie studiert, dazu Pädagogik. „Mit Mann, Kindern und anderthalb Katzen“ (Selbstbeschreibung) lebt sie in Bottrop. Seit sie vor zwei Jahren ihre pädagogische Praxis aufgegeben hat, bleibt ihr mehr Zeit zum Schreiben.

„Wenn etwas endet, schaut man zurück“

Ihr Thema entdeckte sie Ende 2017, als das absehbare Bergbauende für sie wie für viele Bottroper im Wortsinn greifbar wurde: „Wenn etwas endet, schaut man zurück.“ Bei ihren Krimi-Kurzgeschichten („mit denen habe ich geübt“) hatte sie die witzige, etwas verschlagene Figur des Ex-Bergmanns Willi geformt. Der passte zu ihrem Vorsatz: „Ich will was schreiben über den Bergbau-Abschied.“ Schnell stellte sie allerdings fest: „Als Hauptfigur trägt Willi nicht. Also habe ich ihm eine Nichte vor die Nase gesetzt.“ Liesa Kwatkowiak eben.

Mitte 2018 war der Krimi im Wesentlichen fertig. „Das Ende musste ich anpassen“, sagt die Autorin. Schließlich spielt der Showdown auf dem Bergwerk Franz Haniel parallel zur großen Abschiedsfeier vom Bergbau.

Malakoffturm als Titelbild

Die Ruhrgebietssprache bringt Sylvia Sabrowski immer mal wieder ins Spiel, ohne im Soziolekt durchgängig zu schreiben: „Ich wollte es nicht übertreiben.“ Der Einfachheit halber hat sie die Schächte 9 (Grafenwald) und 10 (Kirchhellen) zusammengelegt, „um die Geschichte spannend zu schreiben und den Leser nicht mit Details zu langweilen.“

Und wie kommt der Malakoffturm auf das Titelbild von „Zechentod“? „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass mein Urgroßvater Ende des 19. Jahrhunderts dort mit dem Pferdewagen Waren anlieferte und mein Großvater dort unter Tage malocht hat.“ Vor allem aber ist der Malakoffturm für sie Symbol einer vergangenen Ära: „Wir haben den ,Zechentod’ gemeinsam erlebt.“

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