Mehrweg

Der Bottrop-Becher kommt nur langsam unters Volk

Der Bottrop-Becher soll helfen, das Problem der achtlos weggeworfenen Einwegbecher in den Griff zu bekommen.

Der Bottrop-Becher soll helfen, das Problem der achtlos weggeworfenen Einwegbecher in den Griff zu bekommen.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Seit Anfang des Jahres gibt es den Bottrop-Becher. Doch noch ist die Resonanz auf den Mehrwegbecher eher mau. Da will man Abhilfe schaffen.

Einmal kaufen, dann einfach wieder befüllen lassen – so einfach ist das Prinzip des Bottrop-Bechers. Seit Anfang des Jahres gibt es den Mehrwegbecher, der helfen soll, die Flut an Einwegbechern einzudämmen. Doch so richtig in Schwung gekommen ist das Bottroper Mehrwegsystem noch nicht. Man habe sich mehr davon versprochen, gibt auch Best-Sprecherin Nicole Gottemeier zu.

Der städtische Entsorgungsbetrieb organisiert das Mehrwegsystem und wirbt um Teilnehmer, sprich um Läden, die ihre Getränke in dem Bottrop-Becher anbieten. Es gebe auch viele kleinere Läden, die mitmachen, sagt Nicole Gottemeier. Insgesamt finden sich auf der Internet-Seite der Best zwölf Teilnehmer. Doch es fehlt eben ein Großer, der in ganz Bottrop vertreten ist und den Becher somit auch breit streuen kann. Andere große Ketten setzen auf eigene Systeme.

Auf Veranstaltungen ist der Becher vielfach gefragt

Vielfach nachgefragt sei der Becher dagegen bei Veranstaltungen. Dafür würden die entsprechenden Becher dann von der Best ausgeliehen und gehen dann nachher wieder zurück. „Die Veranstalter nutzen die Chance, weil sie dadurch keine Einwegbecher brauchen.“

Rund 2500 Becher hat die Best bislang ausgegeben, was nicht zwangsläufig heißt, dass die alle in Benutzung sind. Mitgezählt werden alle Becher, die an die teilnehmenden Geschäfte ausgeliefert sind. Größtenteils, so Nicole Gottemeier, würden die Kunden, die zum Bottrop-Becher greifen, ihn auch behalten und beim nächsten Mal wieder auffüllen lassen. Nur wenige Kunden geben den Becher ab und holen sich ihr Pfand zurück. Wobei das auch möglich ist.

Best organisiert das Mehrwegsystem

Die Best organisiert das Mehrwegsystem, sammelt die Becher bei den teilnehmenden Partnern ein und spült sie auch. Denn das sei in den Läden nicht leicht zu organisieren. Die Lebensmittelhygiene schreibt den Einsatz von entsprechenden Spülmaschinen vor.

Auch wenn es bisher schleppend läuft, aufgeben will die Best keinesfalls. „Wir werben weiter für den Becher und sprechen Unternehmen an“, sagt Nicole Gottemeier. Die Akquise gehe weiter. Auch beim Tag der offenen Tür auf dem Recyclinghof am Samstag, 31. August, wird ein Stand aufgebaut, der sich dem Bottrop-Becher widmet.

Bei der ersten Charge löste sich der Aufdruck in der Spülmaschine

Die Idee für den Mehrwegbecher in Bottrop geht zurück auf die Grünen. Sie hatten das Thema in die politischen Gremien getragen, die es mit großer Mehrheit beschlossen. Dass es nur schleppend vorankommt, sei schade, findet Grünen-Fraktionsvorsitzende Andrea Swoboda. Sie hofft, dass die weitere Werbung für den Bottrop-Becher erfolgreich ist. Wichtig sei es, Multiplikatoren zu erreichen, die den Becher verteilen.

Swoboda schlägt außerdem vor, den Becher auch bei Veranstaltungen zu nutzen, etwa bei Stadtfesten oder Feierabendmärkten. „Denn da erreichen wir die Leute.“ Eine Schwierigkeit sei sicher auch gewesen, dass sich bei der ersten Charge der Becher der Aufdruck in der Spülmaschine gelöst habe. Doch das Problem sei inzwischen erledigt.

Bundesumweltministerin will weg von den Wegwerfartikeln

Das Thema ist hochaktuell. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat am Montag eine Initiative angekündigt, mit der sie Hersteller von Wegwerfartikeln stärker in die Pflicht nehmen will. Das betrifft unter anderem auch die Hersteller der Einwegkaffeebecher. Sie sollen in Zukunft einen Teil der Kosten für das Säubern von Parks und Straßen zahlen. Eine entsprechende gesetzliche Grundlage will die Ministerin bis 2021 schaffen.

Ziel sei es, die Kommunen finanziell zu entlasten und ein Umdenken in der Gesellschaft herbeizuführen. „Unachtsames Wegwerfen an öffentlichen Orten greift wieder mehr um sich“, sagte Schulze. Die Kosten müssten bisher die Kommunen und damit alle Bürger tragen. Nun solle es einen finanziellen Anreiz für die Hersteller geben, auf Mehrweg statt auf Wegwerf-Artikel zu setzen. Dazu passt der Bottrop-Becher gut.

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