Denkmalschutz

Denkmalliste startet 1983 mit drei Bauwerken

Die Kirche St. Joseph von Josef Franke ist nicht nur aus der Luft betrachtet eine Landmarke für Batenbrock.

Die Kirche St. Joseph von Josef Franke ist nicht nur aus der Luft betrachtet eine Landmarke für Batenbrock.

Foto: Hans Blossey

Bottrop.  Vor 35 Jahren eröffneten St. Joseph, St. Cyriakus, die Kreuzkampkapelle und Mariä Himmelfahrt in Feldhausen die Liste der Bottroper Baudenkmäler.

Aus Mittelalter oder Renaissance hat Bottrop keine Bauwerke vorzuweisen. Was aus vorindustrieller Zeit den Krieg überstanden hatte, wie beispielsweise Teile der Knippenburg oder der Kommende Welheim, fiel buchstäblich dem Nachkriegsgeist zum Opfer.

Dennoch finden sich - überraschenderweise - gut 100 Positionen auf der Liste der Baudenkmäler. Die ersten Einträge erfolgten dabei vor 35 Jahren, einer Zeit, in der man auch im Industriegebiet anfing, sich auf breiterer Ebene stärker mit der baulichen Geschichte der Städte auseinanderzusetzen.

Neubewertung des Historismus

Aber auch eine neue Bewertung des Historismus und damit der Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts führte dazu, die Epoche von Neugotik und -romanik, der wilhelminischen Prachtfassaden der bürgerlichen Wohngebiete aber auch der zum Teil architektonisch qualitätvollen Arbeiterkolonien als denkmalwürdig zu betrachten.

Immer häufiger wurden einzelne Bauten aber auch Straßenzüge oder Siedlungen vom Denkmalschutz vor entstellender „Modernisierung“ oft genug auch vor dem Abriss bewahrt.

Die ersten vier eingetragenen Bottroper - und Kirchhellener - Baudenkmäler waren die von Josef Franke in den 1910er und -20er Jahren erbaute St. Joseph-Kirche in Batenbrock, die neugotische Kirche St. Cyriakus, für die man 1860 den mittelalterlichen Vorgängerbau mit Erweiterungen aus der Barockzeit abgerissen hatte, die ebenfalls neugotische Kreuzkampkapelle und die Kirche Mariä Himmelfahrt in Feldhausen.

Interessanterweise schafften es Schloss Beck und die Liborikapelle, beide immerhin entworfen von Westfalens berühmtem Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erst im Jahr darauf auf die Liste der Baudenkmäler. Die Familie Kuchenbäcker, die 1966 die Schlossanlage erworben hatte und zu einem bis heute bestehenden Freizeitpark umbaute, setzt sich seither für den Erhalt des einstmals stark verfallenen Schlosses ein. Unter Einbeziehung des Denkmalschutzes rettete man so hier eines der wichtigsten Zeugnisse Schlaun’schen Schaffens vor dem Untergang.

Heute zählt Schloss Beck neben Nordkirchen, dem Stadtschloss in Münster oder Schloss Clemenswerth im Emsland zu den wichtigen Profanbauten von Johann Conrad Schlaun.

St. Joseph in Batenbrock macht den Anfang einer ganzen Reihe von Josef Franke Bauten auf der Denkmalliste. Der exzentrischen Kirche, bei der Franke fantasievoll mit spätgotischen Formen spielt - St. Cyriaklus in der City wirkt dagegen absolut bieder - folgte wieder lupenreine Neugotik des Architekten-Mönchs Wilhelm Rincklake mit der ehemaligen Krankenhaus-Kapelle am Kreuzkamp. Auslöser für den Denkmalsschutz bei der Kirche in Feldhausen waren sicherlich deren wertvolle mittelalterliche Glasfenster.

Stadtgarten wird erstes Flächendenkmal

Das erste flächendeckende Denkmal auf der Bottroper Liste ist der in den 1910er und -20er Jahren angelegte Stadtgarten, der zusammen mit dem Overbeckshof und dem Stumpf der Vietormühle an der Gladbecker Straße 1986 eingetragen wird.

1988 besinnt man sich auf die städtebauliche Bedeutung des Bottroper „Verwaltungszentrum“ mit Amtsgericht, den 20er Jahre Bauten des alten Finanzamtes, des früheren Lyzeums am Rathausplatz und natürlich des Rathauses selbst sowie die Berufsschule. Aber auch das frühere Jungengymnasium und heutige Kulturzentrum an der Blumenstraße wird in den Augen der Denkmalschützer als erhaltenswert eingestuft.

Rasch wächst die Liste, vor allem um bemerkenswerte Kirchen, darunter die Franke-Kirchen St. Ludgerus, Herz-Jesu und St. Michael. Aber auch Industriebauten wie von Prosper II, der Kläranlage Bernepark oder der Bahnhof Nord stehen seither ebenso unter Denkmalschutz wie das Häuserensemble im Bereich Altmarkt, Gladbecker und Kirchhellener Straße.

Einige der seit 1983 eingetragenen Baudenkmäler stehen am 9. September, dem Tag des offenen Denkmals, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dazu gehören in diesem Jahr die Eigener Liebfrauenkirche, die Kreuzkampkapelle (beide als Beispiele für die Neugotik) sowie die alte Luggesmühle.

Veranstaltung zum Stadtgraten im Museum

In der Reihe „Kunst, Geschichte und Kaffee“ des Josef Albers Museums Quadrat steht am Freitagnachmittag der Stadtgarten im Vordergrund. In diesem Jahr liegt der erste Spatenstich für den beliebten Park 105 Jahre zurück. Die Kunsthistorikerin Christina Clever schaut mit den Teilnehmern auf dessen Geschichte und wie aus dem ursprünglich geplanten Volksgarten „Kaiser-Wilhelm-Park“ der heutige Stadtgarten wurde.

Die Volksparkbewegung um 1900 oder der Bottroper Bergbau sind weitere Aspekte, die im gemeinsamen Rundgang in ihren zeithistorischen Facetten angesprochen werden und die die Teilnehmer bei einer Tasse Kaffee vertiefen können.

Freitag, 3. August, 14.30 bis 16.30 Uhr. Der Beitrag für die Veranstaltung beträgt 6 Euro. Anmeldung erbeten unter Tel.: 02041/ 29 716, Im Stadtgarten 20, 46236 bottrop.

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