Jubiläumsjahr

Das Luther-Kostüm hängt nun am Nagel

Presbyter Christopher Wittmers hielt als Luther bei „Futtern wie bei Luthern“ eine Tischrede von 1520.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Presbyter Christopher Wittmers hielt als Luther bei „Futtern wie bei Luthern“ eine Tischrede von 1520. Foto: Joachim Kleine-Büning

Bottrop.   Presbyter Christopher Wittmers verkörperte den Reformator im Jubiläumsjahr. Er hat sich im Vorfeld viel mit seinen Texten auseinandergesetzt.

Mit dem großen Fest zum 500. Jahrestag der Reformation endete für die evangelische Kirche das Jubiläumsjahr. Jetzt kann Presbyter Christopher Wittmers sein Luther-Kostüm an den Nagel hängen. Denn mehrfach ist er im Laufe des Jahres in die Rolle des Reformators geschlüpft. Zuletzt gab er den Martin Luther bei „Futtern wie bei Luthern“ am Reformationstag mit einer Tischrede von 1520.

„Das war so wie das Facebook von heute“, wagt der 42-Jährige einen Vergleich. Denn mit diesen Reden seien damals Denken, Theorien und Wissen, aber auch die Atmosphäre der Zeit weiterverbreitet worden. Viel gelesen habe er vorher zur Vorbereitung auf seine „Rolle“, habe nach Textpassagen gesucht, in denen sich das Denken der damaligen Zeit niederschlage.

Das Kostüm gab es im Theaterverleih

Warum ausgerechnet er in Bottrop der Luther des Jubiläumsjahres wurde? „Es lag nicht nur an dem Bauch“, scherzt Christopher Wittmers, sondern vor allem daran, dass er früher selber Theater gespielt und moderiert habe.

Seine Kluft für die Rolle war meist das Originalkostüm eines Dortmunder Theaterverleihs, das eigens für das Jubiläumsjahr aufgelegt worden ist. „Sehr detailgetreu“, erinnert er sich an das Gewand. „Und sehr schwer. Da kam man schnell ins Schwitzen.“ Und man habe ein Gefühl dafür bekommen, was die Menschen früher so mit sich herumgeschleppt haben. Am Reformationstag allerdings musste Christopher Wittmers seine Luther-Robe mit eigener Kleidung zusammenstellen: „Das Kostüm war beim Verleih an dem Tag natürlich ausgebucht.“

Ist er froh über das Ende des Lutherjahres? „Ja und nein“, antwortet der Bottroper: „Die Reformation ist ja kein Event, sondern ein immer fortwährender Prozess.“ Er erinnert sich an „unheimlich viele Gespräche“ im Laufe des Jahres über Inhalte und die Entwicklung der Kirche. „Es gab deutlich mehr Gesprächsstoff“, stellt er fest und hofft, dass diese Gespräche auch nach dem Lutherjahr weitergehen.

Zu viel Kommerzialisierung

Ohne Bedauern sieht er den Luther-Hype vorbei gehen und die Kommerzialisierung des Jubiläums mit Luther-Socken, -Tassen, -Weingummi und was sich sonst noch so zu Geld machen ließ. Auch die Glorifizierung der Person Luthers hält Christopher Wittmers für nicht angebracht. „Das war ein sehr streitbarer Mann, nicht der nette Herr von nebenan, in seiner Sprache sehr hart.“

Luther stehe für die Idee des freien Denkens und der gesellschaftlichen Wende. „Es gehörte Mut dazu, diese Dinge von sich zu geben. Er musste jederzeit damit rechnen, umgebracht zu werden.“ Luther sei nicht ohne Fehler gewesen: „Er war launisch und versoffen. Er hatte jede Menge Makel. Genau das macht das evangelische Denken aus. Man muss nicht makellos sein, man bekommt auch so seine Sünden vergeben.“

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