Im Chefsessel

Das DRK ist heute ein großes Wirtschaftsunternehmen

Uwe Rettkowski ist Hauptamtlicher Vorstand beim DRK in Bottrop. Sein Büro hat er an der Siemensstraße.

Foto: Heinrich Jung

Uwe Rettkowski ist Hauptamtlicher Vorstand beim DRK in Bottrop. Sein Büro hat er an der Siemensstraße. Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Seit Uwe Rettkowski hier im Chefsessel sitzt, wuchs die Mitarbeiterzahl auf 270. Seit 37 Jahren ist der 61-Jährigen Bottroper Sozialmanager.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sozialmanagement – das ist sein Ding! Dieser Meinung war einst schon sein Schulleiter, und seit nunmehr 37 Jahren ist dies sein alltägliches Geschäft. Uwe Rettkowski ist Hauptamtlicher Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bottrop. Neben der nüchternen bürokratischen Arbeit, die die Leitung des Bottroper Verbandes natürlich mit sich bringt, schätzt der 61-Jährige jedoch vor allem die Kontakte zu den Menschen und die Präsenz in den Einrichtungen des DRK.

Von seinem Büro in der ersten Etage der DRK-Geschäftsstelle in der Siemensstraße blickt Uwe Rettkowski auf den Else-Weecks-Kindergarten, den er ebenso wie die anderen DRK-Einrichtungen immer wieder besucht. „Mitunter bin ich auch mal als Vorleseopa unterwegs“, erzählt Uwe Rettkowski. Als „erster Mann“ des DRK im Stadtgebiet, nimmt er sich immer wieder die Zeit zu Besuchen oder auch Hospitanzen, lebt seine Aufgabe, hilft gelegentlich bei Einsätzen wie Blutspende- und Sanitätsdienst oder fährt auch mal eine Pflegetour mit.

Soziales Engagement liegt ihm im Blut

Das soziale Engagement lag Uwe Rettkowski schon immer im Blut. „In meiner Jugend war ich nicht nur Schülersprecher, sondern engagierte mich auch als Katholik in der evangelischen Jugend“, erzählt der Bottroper schmunzelnd. „Die Kontakte zu den Menschen war mir immer schon wichtig, ebenso wollte ich stets Verantwortung tragen, helfen, Einfluss nehmen und mich weiterentwickeln.“

Niemals wollte er Bundeswehrsoldat werden und eine Waffe in die Hand nehmen, drum fand Rettkowski den Weg zum DRK, verpflichtete sich für zehn Jahre im Katastrophenschutz – und blieb auch danach. Bereits 1980 wurde der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann zunächst Kreisgeschäftsführer des DRK in Gladbeck und 1983 in Bottrop.

„Mit 24 Jahren war ich damals noch sehr jung, wollte aber viel bewegen und mitgestalten und wusste, man wächst mit den Aufgaben“, erinnert sich Rettkowski. 16 Mitarbeiter standen ihm 1983 in Bottrop zur Seite, heute sind es 270 inklusive zwölf Auszubildende und elf Bundesfreiwillige (Bufdis) sowie rund 150 Ehrenamtliche.

Gemeinnützige Arbeit hat sich gewandelt

„Die gemeinnützige Arbeit hat sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt hin zu mehr Wirtschaftlichkeit, Professionalität und Qualität, Aufgaben und Inhalte sind umfassender und vielseitiger geworden“, resümiert Rettkowski. Größte Herausforderungen seien der Fall der Mauer 1989 sowie die Flüchtlingskrise 2015/16 gewesen. Gleichzeitig erlebte er mit den Flüchtlingen die wohl schönsten Momente seiner Berufslaufbahn. „Wir spielten mit einigen Kindern im Flüchtlingsheim Memory. Wir Erwachsenen hatten überhaupt keine Chance und das Lachen der Kinder schallte durch die ganze Halle. Ein kleines syrisches Mädchen hatte besonders viel Glück und deckte dreimal hintereinander ein Kartenpärchen auf. Ihre strahlenden Augen werde ich nie vergessen. Damals wusste ich: Es ist genau richtig, was wir hier tun!“

Neben den alltäglichen Mühen um Wirtschaftlichkeit und Instandhaltung, Gesprächen mit Mitarbeitern sowie der alltäglichen Organisation der Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt, zieren zahlreiche Meilensteine die Entwicklung des DRK in Bottrop.

Bedarfe bei den Menschen entdecken

Aus ursprünglich einer Kita sind inzwischen zwei, das Familienzentrum sowie die OGS in Kirchhellen geworden, seit 30 Jahren besteht die Häusliche Pflege, seit 20 Jahren der Haus-Notruf. Es gibt den palliativen Pflegedienst, einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung sowie eine stationäre Pflegeeinrichtung, das Haus Rottmannsmühle.

„Wichtig ist, die Bedarfe zu entdecken. Diese wachsen beispielsweise bei Alten, Kranken und Behinderten um drei Prozent jedes Jahr“, so Rettkowski. „Wir müssen reagieren, damit Menschen möglichst lange mit ergänzenden Hilfen zu Hause leben können. Tagespflegeeinrichtungen sind beispielsweise eine sinnvolle Ergänzung, um auch pflegende Angehörige zu entlasten.“

Zahl der Blutspender nimmt ab

Der Blutspendedienst sei wie eh und je ein wichtiger Pfeiler des DRK. „Aber leider nimmt die Zahl der Spender immer mehr ab“, so Rettkowski. Für die Zukunft sei die Integration von Flüchtlingen eine große Aufgabe, die das DRK beispielsweise mit der Kinderbetreuung „Spielen und Sprechen“ angenommen habe.

Und was macht der DRK-Mann in seiner Freizeit? Fahrradfahren, Laufen und Lesen. Und natürlich kann Rettkowski auch privat nicht aus seiner sozialen Haut und engagiert sich beispielsweise in der Hospizbewegung und spendet Blut.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik