Zuflucht für Frauen

Das Bottroper Frauenhaus war 2018 jeden Tag komplett belegt

Sylvia Rüdel, Yvonne Kaphan, Aniko Balogh, Sandra Behrendt und Masha Gerding (v.l.) berichten über die Arbeit des Bottroper Frauenhauses

Sylvia Rüdel, Yvonne Kaphan, Aniko Balogh, Sandra Behrendt und Masha Gerding (v.l.) berichten über die Arbeit des Bottroper Frauenhauses

Foto: Michael Korte

Bottrop.   74 Frauen und 55 Kinder fanden 2018 Schutz im Bottroper Frauenhaus. Das Awo-Haus könnte mehr Platz gebrauchen. Aber das gäbe Probleme.

Es gab keinen Tag im vergangenen Jahr, an dem das Bottroper Frauenhaus nicht komplett belegt war. 74 Frauen und 55 Kinder fanden hier Schutz. Damit lag die Belegungsquote bei 94 Prozent, bei den Frauen alleine sogar bei 126 Prozent.

„Wenn eine Frau ein Notfall ist, dann versuchen wir, sie aufzunehmen“, sagt Frauenhausleiterin Sandra Behrendt. Weil im gesamten Ruhrgebiet freie Plätze in den Frauenhäusern schon lange Mangelware sind, hat die Landesregierung angekündigt, dass sie stärker in Frauenhäuser investieren und 50 zusätzliche Plätze schaffen will. Denn die Verweildauer bleibt hoch, weil die Frauen kaum eine bezahlbare Wohnung finden, bei vier bis fünf Monaten liegt sie in Bottrop.

Frauenhaus hat acht Plätze für Frauen und zehn für Kinder

„Wir nehmen ja schon mehr Frauen auf“, meint Sandra Behrendt. Tatsächlich denke man auch über eine reguläre Erweiterung des Platzangebots nach. Aber da gebe es ein grundsätzliches Problem: „Das geht dann zu Lasten der Gemeinschaftsräume.“ 18 Plätze hat das Bottroper Frauenhaus, acht für Frauen und zehn für Kinder. Da ein Anbau nicht möglich ist, müssten Wohn- oder Spielzimmer umfunktioniert werden. Eine schwierige Entscheidung: „Die Kinder sind traumatisiert, die Frauen sind traumatisiert, da können wir sie hier nicht stapeln“, so Sandra Behrendt. Grundsätzlich begrüßt sie die Absicht des Landes, mehr in Frauenhäuser zu investieren. „Aber das reicht noch nicht.“

Besuchsregelungen sind im Frauenhaus ein Problem

Im vergangenen Jahr hat auch die Awo ins Frauenhaus investiert. Es wurden neue Bäder eingebaut und eine neue Heizungsanlage. In diesem Jahr soll es mit Renovierungsmaßnahmen weiter gehen und auch neue Möbel angeschafft werden.

Sorgen bereitet den Frauen vom Awo-Frauenhaus die Besuchsregelung für die betroffenen Kinder. Der Vater bekomme in den meisten Fällen das Besuchsrecht – auch wenn er seiner Frau gegenüber gewalttätig war und auch wenn die Kinder von Gewalt betroffen waren. Von den Müttern werde erwartet, dass sie die Kinder zum Vater bringen und nicht schlecht über ihn reden. Sandra Behrendt: „Die Opfer haben die Bringschuld. Das ist absurd.“ Das meint auch Masha Gerding, die zuständige Fachbereichsleiterin der Awo: „Der Schutzraum darf nicht ausgehebelt werden.“ Von den Familiengerichten würde sie sich mehr Rücksicht auf die Opfer wünschen.

41 Frauen hatten keinen deutschen Pass

Eine Herausforderung bleiben für die Mitarbeiterinnen die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen für Frauen mit Migrationshintergrund – sie sind die Mehrheit unter den Bewohnerinnen. 41 Frauen mit nicht deutschem Pass lebten 2018 im Frauenhaus und 33 mit deutschem Pass, von denen einige aber auch ausländische Wurzeln haben.

Immer ein Thema: die Sicherheit. Sorgloser Umgang mit den sozialen Medien, das schnelle Selfie vor der Cyriakuskirche gepostet, gab es tatsächlich, Kinderfotos im Netz – das alles kann dazu führen, dass der Zufluchtsort nicht mehr sicher ist.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben