Pandemie

Corona: Zirkus-Familie Casselly schlägt Lager in Bottrop auf

Die Zirkusfamilie Casselly hat in der Corona-Krise erst einmal Unterkunft auf dem Donnerberg in Bottrop gefunden. Antonio Casselly bittet aber dringend darum: Besucht uns nicht! Bleibt zu Hause! 

Die Zirkusfamilie Casselly hat in der Corona-Krise erst einmal Unterkunft auf dem Donnerberg in Bottrop gefunden. Antonio Casselly bittet aber dringend darum: Besucht uns nicht! Bleibt zu Hause! 

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Der Betrieb vom Mitmach-Zirkus Casselly ruht. In der Krise bleibt die Familie erst einmal in Bottrop. Ihr Appell an die Fans: Besucht uns nicht!

Die Corona-Pandemie trifft auch den Zirkus Casselly hart: Die Engagements in diesem Frühjahr sind abgesagt, einschließlich des Kinderferienzirkus in den Osterferien in Kirchhellen. Nach Bottrop ist die Zirkusfamilie trotzdem gekommen. Auf dem Festplatz am Donnerberg können Mensch und Tier bis auf Weiteres ausharren und die weiteren Entwicklungen abwarten. Der Betrieb ruht. Und auch, wenn der gelb-blaue Pavillon manch Zirkus-Fan anziehen mag, bittet Familie Casselly alle Bottroper zum Schutz der Gesundheit eindringlich darum: Kommt uns nicht besuchen! Bleibt zu Hause!

Ein kleines Dorf aus weißen Wohnwagen

Ein kleines Dorf aus weißen Wohnwagen steht auf der grünen Festplatz-Wiese. Zwölf Erwachsene und sieben Kinder wohnen seit dieser Woche hier, im Tiergehege zudem drei Lamas, drei Ziegen, drei Ponys. Die Sonne scheint, alles wirkt friedlich. Aber die Cassellys plagen große Sorgen. Am letzten Spielort in Kerpen wurde ihr aufgrund der Corona-Krise eine von zwei geplanten Schulprojektwochen abgesagt. Danach hätten sie eigentlich in Bonn, Wülfrath, Paderborn und schließlich in den Osterferien in Kirchhellen gastieren sollen, später in Essen und Greven - alles gestrichen. "Das Ministerium hat mitgeteilt, dass bis zu den Sommerferien auf jeden Fall alle schulischen Veranstaltungen wie unsere ausgesetzt werden", sagt Familienoberhaupt Maria Casselly. Sie hofft nun darauf, dass der große Bottroper Kinderferienzirkus in den Sommerferien dann wieder stattfinden kann.

Ein großer finanzieller Verlust - Suche nach Unterstützung

Jetzt schon ist aber klar: "Für uns ist das ein großer finanzieller Verlust." Neben alltäglichen Kosten - "wir als Familie können ja alle aus einem großen Topf essen" - gebe es ja auch noch andere Verpflichtungen. Staatliche Unterstützung ist angekündigt, aber für die durchs Land ziehenden Cassellys - mit Stammsitz in Sachsen-Anhalt - ist noch die Frage, wo sie sich hin wenden können. "Wir haben einen Steuerberater mobilisiert, aber noch müssen wir warten", sagt Maria Casselly. "Wir haben auch kulanzweise Schulen angeschrieben, ob die uns einen Abstand geben können." Sohn Alfons ergänzt: "Wir würden ja auch arbeiten gehen." Aber wo, in dieser Krise?

Froh ist die Familie, dass sie mit Mensch und Tier in dieser schweren Zeit erstmal in Bottrop unterkommen kann. "Die Familie hat sich an uns gewandt und unser Dezernent hat überlegt, wie wir helfen können in dieser absoluten Akut-Lage", sagt Karl Trimborn, Fachbereichsleiter Jugend und Schule bei der Stadt. Die Einhaltung des Ferienzirkus-Vertrages könne aufgrund der Corona-Krise nicht bewerkstelligt werden, zum Nachteil für die Familie. Mit der man sich in Bottrop aber besonders verbunden fühle. "Seit über 25 Jahren bespaßen die Cassellys unsere Kinder", sagt Trimborn. "Wir haben uns in der Verpflichtung gesehen, zu helfen, wo wir helfen können." Vorübergehend seien die Cassellys auf dem weitläufigen Platz gut untergebracht, wo das Wohnwagendorf niemanden stört.

"Casselly gehört zu Bottrop!"

Wohl eher im Gegenteil: "Es hat so einen netten Empfang hier für uns gegeben", erzählt Antonio. "Man hat uns gesagt: Wir freuen uns, dass ihr hier seid - Casselly gehört zu Bottrop!"

Als Großfamilie eng zusammenzuleben, "daran sind wir ja gewöhnt", meint Antonio; aktuell versuche man aber durchaus, etwas Abstand zueinander zu halten. "Wir sind froh, dass alle gesund sind." Gänzlich fremd ist ihnen der aktuelle Stillstand, das Ausharren. "Wir machen als Familienzirkus seit Jahrzehnten Kinder-Mitmachaktionen", sagt Alfons. "Ich bin jetzt 30 Jahre alt und ich habe noch nie erlebt, dass wir länger als drei Wochen an einer Stelle waren."

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