Pandemie

Corona: Fällt Bottrop nun dem „Party-Tourismus“ zum Opfer?

Die Stadt Bottrop hat die Feiern zu Corona-Zeiten besonders im Blick.

Die Stadt Bottrop hat die Feiern zu Corona-Zeiten besonders im Blick.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Bottrop hat eine deutlich nierigere Corona-Inzidenz als umliegende Städte. Weichen Feierwütige nun in die Nachbarstadt aus? So sind die Regeln.

Blickt man aktuell auf Karten, in denen die Inzidenzwerte der Kreise und Städte im Ruhrgebiet verglichen werden, drängt sich der Vergleich mit einem kleinen gallischen Dorf auf. Während rund um Bottrop in den Städten und Kreisen die Warnschwellen von 35 und oftmals sogar von 50 Neuinfektionen in den letzten Wochen überschritten wird, so bewegt sich der Wert für Bottrop seit Tagen unterhalb der 20. Am Mittwoch hat die Stadt die Inzidenz mit 15,3 angegeben. Oberhausen näherte sich zuletzt der 30er-Marke, der Kreis Wesel hat die bereits überschritten.

Entwicklungen, die der Krisenstab im Rathaus aufmerksam registriert. Denn wie schnell die Entwicklung in die falsche Richtung gehen kann, das habe man in Herne gesehen, sagt Stadtsprecher Andreas Pläsken. Die ganze Zeit über habe die Stadt gut dagestanden, durch unverschuldete Ereignisse gehört Herne nun zum Kreis der Städte mit der bundesweit höchsten Inzidenz.

Land NRW verschärft die Coronaschutzverordnung

Angesichts der Entwicklung in der Region, den Pendlerströmen, den vielen freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen über die Stadtgrenzen hinweg, und den Reiserückkehrern nach den Herbstferien kann man ja leicht befürchten, dass sich auch die Bottroper Zahlen schnell drehen können. Insofern sollte sich niemand mit Blick auf die Inzidenz in vielleicht trügerischer Sicherheit wähnen, so die Warnung aus dem Krisenstab.

Entsprechend achtet man in Bottrop mit Argusaugen auf Partys und Veranstaltungen. Zuletzt hat das Land seine Regeln verschärft, seit Mittwoch dürfen – unabhängig von der aktuellen Inzidenz in einer Stadt – nur maximal 50 Leute feiern. Ausnahme: Für Feiern, die bis zum 10. Oktober angemeldet waren und im Oktober stattfinden, greift diese Regel noch nicht. Hier gilt ein Vertrauensschutz und die alte Regel, wonach 150 Gäste erlaubt sind. Mit einer Einschränkung: Sollte inzwischen auch in Bottrop die Inzidenz über 35 steigen, fällt der Vertrauensschutz weg und die Party kann so nicht stattfinden.

Bottroper Krisenstabsleiter findet es richtig, keine 150 Gäste mehr zu erlauben

Weiter gilt: Steigt die Inzidenz auf 50, sinkt die maximal erlaubte Besucherzahl auf 25. Dazu kommen weitere Einschränkungen wie etwa Sperrstunden für die Gastronomie. Das Land NRW hat aktuell einheitliche Maßnahmen für die Risikogebiet – auch Hotspots genannt – verkündet. Der Bottroper Krisenstabsleiter hält es zunächst einmal für richtig, nicht länger 150 Gäste zuzulassen, angesichts dessen, dass man weiß, dass die Menschen sich vielfach auf genau solchen Feiern anstecken. Doch möglicherweise, so Paul Ketzer, seien auch 50 eigentlich noch zu viele.

Hat man in Bottrop nun Sorge vor einem Veranstaltungstourismus? Schließlich könnten Essener, Gelsenkirchener, Gladbecker oder Menschen aus anderen Hotspots im Umfeld nun auf die Idee kommen, ihre private Feier nach Bottrop zu verlegen. Hier wären ja, anders als in der Heimatstadt, immerhin noch 50 Gäste zugelassen. Damit wäre immer noch eine doppelt so große Feier wie anderswo möglich. Duisburgs OB Sören Link will das so schon beobachtet haben und fordert einheitliche Regeln.

Private Feiern in öffentlichen Räumen müssen bei der Stadt Bottrop angemeldet werden

Von Sorge will Andreas Pläsken in dem Zusammenhang nicht sprechen, doch selbstverständlich habe man das im Auge. Wenn es so kommen sollte, gebe es allerdings keine Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Die Stadt habe da keine Handhabe. Das wäre eben erst der Fall, wenn die Zahl der Neuinfektionen die kristischen Werte Marke. Dann greift der vom Land vorgegeben Automatismus.

Es bleibt aber dabei, dass private Feiern in öffentlichen Räumen bei der Stadt angezeigt werden müssen. Außerdem müssen Gästelisten geführt werden, um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen. Der Krisenstab appelliert eindringlich an alle Betroffenen, diese Regelungen weiter einzuhalten. Doch die Gastronomen seien da eigentlich im Bilde. Würden sie sich nicht daran halten, so würden sie sich ja letztlich selbst das Wasser abgraben, so Pläsken. Denn möglicherweise reiche schon eine Feier, die aus dem Ruder läuft, um die Zahlen über die kritischen Werte zu haben – mit den entsprechenden Konsequenzen auch für die Gastronomie.

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