Covid-19

Corona: Bottroper Firma baut Automat zur Handdesinfektion

Diplom-Ingenieur Peter Mackenrodt und seine Frau Anke Katrin stellen den  Desinfektionsspender vor, den das Bottroper Unternehmen m+f Keg-Technik entwickelt hat.

Diplom-Ingenieur Peter Mackenrodt und seine Frau Anke Katrin stellen den Desinfektionsspender vor, den das Bottroper Unternehmen m+f Keg-Technik entwickelt hat.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  In kürzester Zeit viele Hände desinfizieren – dafür hat eine Bottroper Firma eine Lösung entwickelt. Warum die teils an Getränkefässer erinnert.

Peter Mackenrodt schiebt den Zapfkopf über das Fass, drückt den Hebel hinunter und schon ist alles angeschlossen. Wem das bekannt vorkommt: Stimmt, es ist dasselbe System wie bei einer Zapfanlage, nur dass aus Mackenrodts Fass – der Fachmann spricht vom Keg, einem Fass bis maximal 50 Liter – kein Getränk sprudelt. Stattdessen ist in diesem speziellen Fass Desinfektionsmittel.

Die Bottroper Firma M+F Keg-Technik hat das neuartige Desinfektionssystem entwickelt. Anstatt auf kleine Plastikfläschchen, teils an wackeligen Aufstellern oder an der Wand befestigt, setzt das Bottroper Unternehmen auf größere Gebinde. „In so ein Keg passen 20 Liter, das reicht für rund 14.000 Desinfektionsvorgänge“, erklärt Peter Mackenrodt.

Firma hat ihren Sitz seit 1993 in Bottrop

Seit 1993 sitzt die Firma im Gewerbegebiet Boytal, ist spezialisiert auf Befüllungsanlagen für Kegs. Zu den Kunden gehören auch Chemieunternehmen, die Bottroper wissen also auch, wie man mit Gefahrstoffen umgehen muss. Darunter fallen auch Desinfektionsmittel. Und da war es letztlich konsequent, dieses Wissen auch zu nutzen und ein Gerät für die Handdesinfektion zu entwickeln.

„Wir sind Maschinenbauer, innerhalb von 14 Tagen hatten wir einen ersten Prototyp gebaut“, sagt Mackenrodt. Der wurde noch weiter perfektioniert, und nun können die Bottroper ein Gerät anbieten, um in kürzester Zeit viele Hände zu desinfizieren – ohne dass jemand etwas anfassen muss.

Desinfektionsgeräte sind in verschiedenen Ausführungen lieferbar

Die Entwicklung der Bottroper ist – je nach Ausführung – in einem stabilen Holz- oder Edelstahlschrank versteckt. An jeder Seite ist eine Öffnung, in die steckt man die Hände. Ein Infrarotsensor erkennt das und es wird eine vorher eingestellte Menge Desinfektionsmittel abgegeben. Vorprogrammiert sind 1,5 Milliliter. Das sei ausreichend, so Mackenrodt. Ein Kompressor sorgt für den nötigen Druck. Es muss nur an eine Steckdose angeschlossen werden. Der Preis startet bei rund 1500 Euro.

Es sei auch möglich, das Gerät mit weiterer Technik auszustatten, erklärt der Geschäftsführer – etwa mit Netzwerktechnik. „So könnte man daraus gleichzeitig einen Hotspot machen, aber auch einstellen, dass das Gerät Bescheid gibt, wenn das Desinfektionsmittel zur Neige geht und aufgefüllt werden muss.“ In den Augen von Peter Mackenrodt und seiner Frau Anke eine echte Erleichterung etwa für Hausmeister, die nicht mehr zig kleine Spender kontrollieren und auffüllen müssten.

Technik aus Bottrop hilft, Plastikmüll zu vermeiden

Und einen weiteren Vorteil sehen die Mackenrodts: Ihre Technik helfe, Müll zu vermeiden. Man kaufe einmal ein Keg oder zwei, die hielten 30 Jahre und können wieder aufgefüllt werden. „Das könnte ja sogar über einen Dienstleister abgewickelt werden.“ So etwas gibt es ja bereits etwa für Trinkwasserspender oder Tonerkartuschen. So wie es aktuell an vielen Stellen läuft, falle viel Plastikmüll an, so die Beobachtung der Mackenrodts.

Mit ihrem Produkt stoßen sie an vielen Stellen auf Interesse, erhalten viel Lob – auch international. So hat nun auch die spanische Fußballliga, „La Liga“, einen Prototyp bestellt, um zu testen, ob die Bottroper Entwicklung möglicherweise in Stadien zum Einsatz kommen könnte.

Bottroper Unternehmen sieht vor allem Schulen als möglichen Einsatzort

Die Mackenrodts sehen da einen potenziellen Einsatzort, haben auch in Deutschland Kontakt zur Bundesliga aufgenommen. Auch in Krankenhäusern oder Altenheimen gebe es womöglich Bedarf. Doch den Haupteinsatzort sehen die Mackenrodts derzeit in den Schulen.

Denn während Krankenhäuser und Altenheime vielfach die Besuche einschränkten, sei das an den Schulen ja nicht so ohne Weiteres möglich. Stattdessen gelten dort die Hygienevorschriften und die Vorgabe, regelmäßig die Hände zu waschen. „Man kann ja mal ausrechnen, wie lang es dauert, bis in einer Klasse mit 30 Kindern alle ihre Hände 20 Sekunden lang gewaschen haben – an einem Waschbecken“, sagt Anke Mackenrodt. die Desinfektion sei da viel schneller und wirke auch entsprechend.

Probephase in einem Gladbecker Gymnasium

In einem Gladbecker Gymnasium hat die Bottroper Firma ihr Produkt erprobt. Es sei da sehr gut angenommen worden, berichten die Mackenrodts. Sie glauben, das habe noch einen weiteren Grund: Das Desinfektionsmittel, das sie verwenden, haben sie eigens entwickeln lassen. Es besteht zu 73 Prozent aus Ethanol, dazu kommt aber, dass es auf der Haut nicht beißt und auch nicht den teils unangenehmen Geruch abgibt. Peter Mackenrodt: „Das trägt zur Akzeptanz bei.“

Verwaltungen arbeiten anders als der Mittelstand

Das Produkt der Bottroper Keg-Experten kommt gut an, sie erhalten viel Lob dafür. Sogar Ministerpräsident Armin Laschet schreibt den Mackenrodts, dass ihr Produkt „höchsten Qualitätsansprüchen“ genüge, das zeige die Zertifizierung durch das Robert-Koch-Institut. Nur selbstverständlich kauft der Ministerpräsident die Geräte nicht für die Schulen, hier verweist Laschet an die Schulträger, sprich die Städte. Außerdem hat er die Bottroper Entwicklung weitergereicht ans Gesundheitsministeriums.

Peter Mackenrodt, der als Mittelständler vor allem mit anderen mittelständischen Unternehmen Geschäfte machte und daher kurze Entscheidungswege im eigenen Unternehmen, aber auch bei den Kunden gewöhnt ist, macht seither ganz neue Erfahrungen. Denn auf der anderen Seite sitzt nun die öffentliche Verwaltung. Und da gehen die Uhren anders, hat er gemerkt. Es habe allein sechs Wochen gedauert, bis ein erster Automat zu Testzwecken in einem Gladbecker Gymnasium aufgestellt werden konnte.

Vertreter der Stadt Bottrop haben sich das Gerät vorführen lassen

Mackenrodt hat bisher die Erfahrung gemacht, dass innerhalb der Verwaltung viele Stellen mitreden – vom Schulamt über die Verantwortlichen für die Immobilien und den Brandschutz bis hin zu den Schulen selbst. „Man hat manchmal das Gefühl, man dreht sich im Kreis“, sagt er, ohne da jetzt eine bestimmte Stadt oder Ebene zu meinen. Denn auch auf Landesebene hat er diese Erfahrung gemacht – nicht nur in NRW. „Dabei haben wir doch hier ein gutes Produkt für die akute Pandemie.“ Die Mackenrodts sehen in ihrem Produkt einen Baustein im Kampf gegen Corona.

Wirklich voran sei es gegangen, als er mit dem Hausmeister gesprochen habe, so seine Erfahrung. Er hofft nun, dass sich auch innerhalb der Verwaltungen was tut. Noch am Freitag, so Mackenrodt, seien Vertreter der Stadt Bottrop bei ihm gewesen und hätten sich das Gerät zeigen lassen.

Interesse auch aus dem süddeutschen Raum

Ab Montag ist er dann in Süddeutschland unterwegs, stellt sein Produkt in Bayern und Baden-Württemberg vor. Insbesondere besorgte Eltern hätten da einen großen Informationsbedarf und Interesse an den Geräten. So setzt er jetzt auch auf Elternvertreter und Fördervereine an den Schulen.

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