Porträt

Corona: Bottroper bereitet Lehrpläne am Esstisch vor

In Rente, aber immer noch Lehrer aus Leidenschaft: Gerd Daniel aus Lehmkuhle arbeitet derzeit wie seine Schüler in Heimarbeit am Esstisch.

In Rente, aber immer noch Lehrer aus Leidenschaft: Gerd Daniel aus Lehmkuhle arbeitet derzeit wie seine Schüler in Heimarbeit am Esstisch.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Auch nach dem Renteneintritt bleibt Gerd Daniel (71) als Lehrer im Einsatz. Derzeit schreibt er Konzepte für den Unterricht - am Esstisch.

Gerd Daniel sitzt am Esstisch im Wohnzimmer und arbeitet. In Zeiten von Covid-19 hat er hier seine Unterlagen parat gelegt. Gegessen wird in der Küche, Besuch wird es in absehbarer Zeit nicht geben.

Sechseinhalb Jahre ist er nun in Rente, an Aufhören denkt der 71-Jährige nicht: „Anfang der 1970er Jahre wurden Lehrer gebraucht und da habe ich mein Studium gemacht. Es war ein grundsätzlicher Wunsch. Ich unterrichte immer noch gerne.“ Durch seinen vorherigen Abschluss als Exportkaufmann unterrichtete Daniel bis heute alle Altersstufen, angefangen bei der Grundschule bis zur Erwachsenenbildung.

Schwimm- und Deutschunterricht

Nach dem Renteneintritt beschloss der Familienvater, weiterhin zu unterrichten. Zeitgleich legte er eine Qualifikation beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ab einschließlich eines Alphabetisierungskurses. In einem weiteren Kurs frischte er seine Kenntnisse für die Rettungsfähigkeit beim Schwimmunterricht an Schulen auf.

Heute ist der agile Bottroper mit Kollegen als Lehrer im Schwimmunterricht tätig und unterrichtet in kleinen Fördergruppen Deutsch als Zweitsprache (DAZ). Ute Daniel, seine sieben Jahre jüngere Frau, unterstützt ihren Mann dabei: „Meinen Mann bewundere ich für sein Engagement. Ich finde das klasse. Gerd ist mit Leib und Seele dabei.“

Die Chance der Krise

Für den Lehrer bietet die derzeitige Corona-Krise eine Chance: „Vielleicht bietet sich jetzt die Gelegenheit, sich mehr Zeit für seine Kinder zu nehmen und sich mit ihnen zu beschäftigen.“ Sollten Schüler ihre Hausaufgaben nicht verstehen, so könnten sich Geschwister untereinander helfen. Außerdem, sagt Daniel: „Wenn die Schüler Hausaufgaben bekommen, die sie nicht verstehen, so können die Eltern ihre Kinder nun daran erinnern, den Stoff aus der Vergangenheit erst einmal zu wiederholen.“

Dass neben den Schülern auch Lehrer ihre Aufgaben haben, zeigt sich am Beispiel Daniels. Die Förderpläne für den DAZ-Unterricht werden weiter geschrieben: „Ich arbeite an Arbeitskonzepten für den DAZ-Unterricht, die sich an bestimmten Themen orientieren. Wir hatten schon damit begonnen, aber nun ist die Konzentration gezielter, diese Arbeit fortzuführen.“

Die Herausforderung, so der 71-Jährige, bestehe darin, diese Konzepte für Kinder aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Schulerfahrungen zu konzipieren. Der passionierte Lehrer wird sich in nächster Zeit mit Phonetik und Satztempo beschäftigen und, wie seine Grundschüler, von zu Hause aus arbeiten.

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