Musik

Chansons gegen das Vergessen

Chansonkonzert gegen das Vergessen mit (v.l.) Niclas Floer, Maegie Koreen und Pascal Vallée. Foto: Robert Dyhringer

Chansonkonzert gegen das Vergessen mit (v.l.) Niclas Floer, Maegie Koreen und Pascal Vallée. Foto: Robert Dyhringer

Foto: WAZ FotoPool

Chansons gegen das Vergessen interpretierten im Kammermusiksaal Maegie Koreen, Pascal Vallée und Niclas Floer. Sie erinnerten mit Liedern auch an den Pianisten und Komponisten Norbert Glanzberg, der vor den Nazis aus Deutschland ins Exil nach Frankreich geflüchtet war.

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“ Paul Celan schrieb diesen denkwürdigen Satz und das mit ihm berühmt gewordene Gedicht nach den Schrecken der Nazi-Diktatur. Norbert Glanzberg, aus Deutschland ins Exil nach Frankreich geflüchteter Pianist und Komponist, verfasste 1984 nach diesen Zeilen eine „Suite Jiddisch“. Sie wurde in der Orchesterfassung vor 10 Jahren in Jerusalem uraufgeführt: der Name Glanzberg, in Deutschland längst in Vergessenheit geraten, bekam ein starkes, internationales Profil.

An dessen Schicksal, an dessen Musik, an dessen Freunde (Edith Piaf, Yves Montand) erinnerte Maegie Koreen in ihrem „Chanson-Cafe Europa“ im Kammermusiksaal.

Lieder für die Piaf

Anlass des Programms, für das sie mit Sängerkollege Pascal Vallée und Pianist Niclas Floer erstklassige Partner auf das Podium holte, war der 27. Januar: der Deutschland-weit begangene Tag „Wider das Vergessen“ der Holocaust-Opfer.

Glanzberg (1910 – 2001), dem die Journalistin Astrid Freyeisen die Biographie „Chanson für Edith“ widmete, durchlief die angsterfüllten, melancholischen Stationen eines jüdischen Exilanten, eines Heimatlosen, eines Entwurzelten. In Paris schließlich fand er neue Aufgaben, neuen Mut, eine neue Zukunft. Dank der „kleinen großen“ Piaf. Sie versteckte ihn, sie half ihm, sie holte ihn aus der Depression.

Für diese Sängerin, Inbegriff des französischen Chansons, schrieb er Hits wie das einen Herzschlag symbolisierende „Padam, Padam“. Das Lied von 1951 war einer der Höhepunkte der Song-Revue von Koreen und Vallée. Begleitet wurden die Lieder von historischen, biographischen, auch bildlichen Anmerkungen und Kommentaren, die die Schicksalsschläge, Sehnsüchte und Hoffnungen des „galizischen Juden“ (wie Glanzberg von den NS-Häschern genannt wurde) spiegelten. Ein Leben wie für einen Film – mit dramatischen Entwicklungen und tröstlichen Rettungsaktionen. Ohne die Piaf und ihre innige Liebe wäre Glanzberg an Trauer und Verlust gestorben.

Ein Könner, ein Großer

Von Kästner bis Walter Mehring, von Jacques Brel bis Georges Moustaki, von Monnot bis Norbert Schultze u.a. durchstreiften Koreen und Vallée, übrigens ein Ausnahme-Talent aus der Koreenschen Chanson-Schule in Gelsenkirchen, die Kleinkunstszene seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dankbar hörte man „La vie en rose“, „Die Einsamkeit“, „Lilli Marleen“, „Die kleinen Hotels“, „Die Liebenden für einen Tag“ – und vor allem „Milord“, das wohl populärste Lied der Piaf (und vieler anderer Interpreten). Das Chanson als Dialog mit der Welt, mit dem Alltagskosmos, mit den Gefühlen der Trauernden und der Feiernden, mit Leid und Freud – ein wunderschöner, erhellender und nachdenklich machender Exkurs in die musikalischen Seelenlandschaft der Franzosen – aber auch der Deutschen. Dank Norbert Glanzberg. Er war ein Könner, ein Großer – und blieb doch immer so bescheiden.

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