Neugründung

Bottroperin im Ruhestand gründet Agentur für Demenzbetreuung

Elisabeth Wichmann hat in Bottrop eine Agentur für die stundenweise Betreuung von Demenzkranken gegründet. Die Mitarbeiter bringen einen Koffer voller Spiele und Bücher zu ihren Einsätzen mit.

Elisabeth Wichmann hat in Bottrop eine Agentur für die stundenweise Betreuung von Demenzkranken gegründet. Die Mitarbeiter bringen einen Koffer voller Spiele und Bücher zu ihren Einsätzen mit.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Zuletzt war Elisabeth Wichmann stellvertretende Pflegedirektorin am Knappschaftskrankenhaus. Nun hat sie sich noch einmal selbstständig gemacht.

Nach 49 Jahren am Knappschaftskrankenhaus, zuletzt lange Jahre als stellvertretende Pflegedirektorin, ist Elisabeth Wichmann in diesem Frühjahr in den Ruhestand gegangen. Zeit für einen neuen Anfang: Ihren alten Traum von der Selbstständigkeit macht die 65-Jährige nun wahr, mit einer Agentur zur professionellen Betreuung Demenzkranker.

Dabei geht es Wichmann mit ihrem Team nicht um die klassische Pflege oder um Hilfen im Haushalt. Vielmehr sollen durch das Angebot Demenzkranke stundenweise in ihrer eigenen Umgebung betreut werden, um Angehörige zu entlasten. „Wir kommen raus, so dass zum Beispiel die pflegende Ehefrau einmal ohne Sorgen mit ihrer Freundin einen Kaffee trinken gehen kann.“ Oder dringende Termine wahrnehmen kann. Auch am Abend sind Einsätze möglich – wenn die pflegende Tochter vielleicht einmal mit ihrem Mann ins Kino oder Theater will. „Die ganze Familie ist in dieser Situation sehr betroffen.“

Aktive Beschäftigung anbieten

Dabei werden Elisabeth Wichmann und ihr Team nicht einfach nur dafür sorgen, dass der Demenzkranke nicht alleine bleibt. Sie wollen eine aktive Beschäftigung bieten, um denjenigen kognitiv zu fördern. Immer orientiert an den individuellen Bedürfnissen, soll mit den Demenzkranken gesungen, getanzt, gespielt, Geschichten gehört, die eigene Historie durchstöbert werden. Einiges an Hilfsmitteln (wie Spiele, Malstifte, Bücher) hat Elisabeth Wichmann in kleine Trolleys gepackt, die in die Familien mitgenommen werden.

Und zwar von vier Mitarbeiterinnen, darunter zwei examinierte Pflegekräfte (in der Startphase als Honorarkräfte) und zwei ausgebildete Demenzbetreuer (sofort fest angestellt dank einer Förderung durch die Arbeitsagentur).

Idee fußt auf langjährigen Erfahrungen im Krankenhaus

Grundsätzlich ist diese reine Betreuung keine Kassenleistung und muss aus eigener Tasche bezahlt werden, weiß Wichmann. Aber es gebe Möglichkeiten, etwa über die Verhinderungspflege, einen Zuschuss von der Pflegekasse zu bekommen. „Dazu beraten wir die Familien dann.“

Die Idee zur Agentur fußt auf den langjährigen Erfahrungen der gelernten Krankenschwester und Pflegemanagerin im Knappschaftskrankenhaus. „Vor acht Jahren habe ich dort ein Projekt mitmachen dürfen, bei dem es um die Versorgung von dementiell Erkrankten im Akutkrankenhaus ging.“ Ein Landesprojekt sei das gewesen, bei dem über 70 Krankenhäuser mitgemacht hätten. „Ich habe dann vieles umgesetzt, mit dem Effekt, dass ich im Knappschaftskrankenhaus vier ausgebildete Demenzbetreuer einstellen durfte.“ Durch die gezielte Betreuung sei das Pflegepersonal entlastet, die betroffenen Patienten ruhiger geworden. „Zu Ostern haben wir mit ihnen Eier gefärbt, zu Weihnachten Sterne gebastelt.“ Aktivitäten, die auch beim Einsatz vor Ort in den Familien gut vorstellbar sind.

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