Reise

Bottroper überquert mit 80 Jahren mit dem Rad die Alpen

Jürgen Lau ist mit 80 Jahren auf dem Fahrrad durch die Alpen gefahren. Als Erinnerung hat er zahlreiche Bilder seiner Reise in einem privaten Album verewigt.

Jürgen Lau ist mit 80 Jahren auf dem Fahrrad durch die Alpen gefahren. Als Erinnerung hat er zahlreiche Bilder seiner Reise in einem privaten Album verewigt.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Bottrop.  450 Kilometer legt Jürgen Lau mit seinem Begleiter zurück. Höhepunkt der Tour ist eine alte, stillgelegte Eisenbahntrasse. Das hat er erlebt.

Diese Reise beginnt mit einer Fernsehsendung. WDR-Moderator Marco Schreyl fährt für die Sendung „Wunderschön“ mit dem E-Bike durch die Alpen von Salzburg bis zur Adria nach Grado. Jürgen Lau sitzt vor dem Bildschirm und ist begeistert. Mit seinem Freund Rolf Kückelmann hat er gemeinsam schon viele Reisen auf dem Sattel unternommen. Für beide Männer ist sofort klar: Wir wollen den Weg in diesem Jahr auch mit dem E-Bike fahren.

Vom 12. bis 19. September sind sie auf dem Alpe-Adria-Radweg unterwegs und mittlerweile wieder zurück im Pott. Im Gespräch mit unserer Redaktion gerät Jürgen Lau ins Schwärmen, wenn er über seine Erlebnisse und Erinnerungen spricht. „Das ist eine ganz, ganz fantastische Radtour“, sagt er. Er habe noch nie etwas Schöneres an Landschaft, Abwechslung und Sehenswürdigkeiten gesehen.

Bottroper nennen sich selbst scherzhaft einen „Schönwetter-Fahrer“

Jürgen Lau ist 80, treibt aber seit Jahren regelmäßig Sport und fühlt sich fit für die rund 450-Kilometer-Tour. Er nennt sich selbst scherzhaft „Schönwetter-Fahrer“. Nur im Sommer steigt er aufs Rad, im Winter fährt er Ski. Mit einem Kleinbus geht die Reise los von Bottrop bis nach Salzburg. Dort angekommen wird der Autositz gegen den Sattel getauscht. Ab dem Mozartplatz in der Altstadt treten sie in die Pedale.

Die erste Etappe führt entlang der Salzach bis nach St. Johann im Pongau. Sie fahren unter anderem vorbei an Bischofshofen, bekannt als Austragungsort der Vierschanzentournee der Skispringer. Circa 80 Kilometer von Salzburg entfernt, erreichen sie schließlich das Ziel. Nach einer Übernachtung radeln beide in den folgenden Tagen weiter bis hinauf nach Bad Gastein. Die Fahrt zur Kur- und Nationalparkgemeinde geht bei einer Steigung bis zu 18 Prozent kräftig in die Beine und Waden. „Kein Problem mit einem E-Bike“, findet Jürgen Lau.

Wahrzeichen von Bad Gastein ist ein Wasserfall mitten im Ort

Bei der Ankunft wird die Tour noch viel schöner, als sie ohnehin schon ist. Auf sie wartet das Wahrzeichen von Bad Gastein: der Wasserfall mitten im Ort. Der nächste Streckenabschnitt führt bergab ins Gasteiner Tal. In Böckstein müssen sie ab- und umsteigen in die Tauernbahn, die durch einen Tunnel bis nach Mallnitz fährt. Dort angekommen ist wieder Muskelkraft gefragt.

Das Wetter spielt mit, die Sonne lacht und kaum Wolken sind am Himmel. Jürgen Lau reist mit leichtem Gepäck. Er trägt T-Shirt, Sonnenbrille und Fahrradhelm. In einer kleinen Tasche trägt er eine Regenjacke, Fotoapparat, Handy und Snacks für zwischendurch bei sich. Gegen den Durst hilft Wasser aus der Trinkflasche.

Weg nach Udine führt die Bottroper durch zahlreiche Tunnel und über Brücken

Beide nähern sich immer mehr der Grenze. Um sie herum dominiert die Natur mit ihren unberührten Wäldern, Flüssen sowie schroffen Bergen und zerklüfteten Felsen. Auf italienischer Seite in Tarvis wartet auf sie der spektakuläre Höhepunkt der ganzen Tour. Es ist eine alte und stillgelegte Eisenbahntrasse, die mit finanziellen Mitteln der EU zu einem Fahrradweg umgebaut worden ist. Die Route nach Udine ist angelegt durch zahlreiche Tunnel und über Brücken entlang der Drau. „Das ist der tollste Radweg, den ich je gesehen habe“, meint Jürgen Lau. Die Landschaft ist eine idyllische Oase. Beide sind fast alleine unterwegs. Nur wenige Radfahrer kommen ihnen entgegen. Immer mehr lassen sie die Berge hinter sich und passieren zuletzt den Tagliamento, den letzten Wildfluss der Alpen, mit seinen breiten Kiesbetten.

Von Tarvis nach Udine ist fast immer ein gleichmäßiges Gefälle. „Die Strecke haben wir in gut anderthalb Stunden geradelt“, erinnert sich Lau. Vor ihnen liegt die Landschaft Friaul mit seinen Weingütern. Die Winzer sind zurzeit bei der Lese. „Da haben wir angehalten und einen Bauer gefragt, ob er nicht ein paar Weintrauben übrig hätte“, sagt Jürgen Lau. Der Winzer hat, und so setzen sie frisch gestärkt die Fahrt fort. Auf sie warten in den nächsten Tagen weitere Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel die Stadt Palmanova und die Basilika von Aquileia (beide gehören zum Unesco-Weltkulturerbe). Mit der letzten Etappe erreichen sie schließlich ihr Ziel: den Fischerort Grado. „Ich kann die Tour nur jedem empfehlen“, sagt Jürgen Lau.

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