The Rickets

Bottroper Kultband arbeitete mit Peter Handke in Oberhausen

So präsentierte sich die Bottroper Kultband “The Rickets“ in den 1960er-Jahren.

So präsentierte sich die Bottroper Kultband “The Rickets“ in den 1960er-Jahren.

Foto: The Rickets

Bottrop.  Am Theater Oberhausen arbeitete die Bottroper Band „The Rickets“ mit dem Träger des Literaturnobelpreises, Peter Handke. Der war da „total links“.

Mit seinen „Publikumsbeschimpfungen“ gelang dem Österreicher Peter Handke der Durchbruch. Nun erhält er den Literaturnobelpreis, einer der höchsten literarischen Auszeichnungen. Was nur wenige wissen: Auch nach Bottrop gibt es Verbindungen des Preisträgers. Fünf Bottroper Jungs standen nämlich im Theater Oberhausen bei den Publikumsbeschimpfungen auf der Bühne und sorgten für die Musik – auf Einladung von Handke, der damals regelmäßig in der Nachbarstadt war. Denn Günter Büch, der damalige Oberspielleiter des Theaters, inszenierte zahlreiche Stücke des Österreichers.

Wobei: Die Publikumsbeschimpfungen inszenierte Büch als Uraufführung in Berlin, später dann auch in Oberhausen. Dieter Thelen, der damalige Sänger der Rickets, erinnert sich: „Wir spielten zu der Zeit immer in den Pausen der Aufführung von Kiss me Kate, vor allem Cole Porter, aber manchmal auch unsere eigene Musik.“

Mulmiges Gefühl vor der Vorstellung

Daher kannte Handke auch die Rickets. Und als dann die Idee aufkam, die Publikumsbeschimpfungen musikalisch zu untermalen, entwickelte sich die Zusammenarbeit. Zunächst sei die Band auch ganz begeistert gewesen, sagt Thelen. „Doch je näher dann die Aufführung kam, umso mulmiger wurde uns.“ Schließlich sei nicht klar gewesen, wie das Publikum reagiert. „Wir hatten ja keine Ahnung, was passiert, wir hätten ja auch Senge kriegen können.“ Dem war dann aber nicht so, die Zuschauer ließen die Beschimpfungen so über sich ergehen – was Thelen heute noch manchmal erstaunt.

Die Zusammenarbeit mit Handke und auch die Arbeit am Theater sei für die Band ein tolles Erlebnis gewesen, sagt Thelen. „Dieses Zusammensein mit den Theaterleuten haben wir genossen.“ Und Handke sei damals ein eindrucksvoller Typ gewesen. „Wir haben zu ihm aufgeschaut. Zu der Zeit war er für uns derjenige, der die Literatur auf den Kopf gestellt hat.“ Zudem sei Handke auch optisch eindrucksvoll gewesen, groß und mit den langen Haaren seiner Zeit etwas voraus, erinnert sich Thelen an die Zeit in den 1960er-Jahren.

Die Auszeichnug für Peter Handke ist nicht unumstritten

Dass er, Karl Prudel, Ernst Kirchel, Hennes Million und Ronny Hirsch mit einem künftigen Nobelpreisträger zusammen arbeiteten, das hätte der heute 72-Jährige sich zu der Zeit nicht vorstellen können. Immerhin: Die Improvisationen zu den Publikumsbeschimpfungen, quasi das Vertonen dieses Stücke, hätte die Gruppe auch animiert, ihre eigenen Stücke zu schreiben.

Allerdings ist die Auszeichnung für Handke auch nicht unumstritten. Zuletzt hatte sich Saša Stanišić, der in Bosnien-Herzegowina geborene Träger des Deutschen Buchpreises zu Wort gemeldet und die Auszeichnung hart kritisiert. Handke hatte in den 90er-Jahren Partei für den verurteilten serbischen Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic ergriffen und auch auf dessen Beerdigung gesprochen. Eine Entwicklung, die so nicht vorhersehbar war, sagt Thelen. Er hat Handke als „eher total links“ in Erinnerung. „Der hatte Ideen, die gingen in die Hippie- und linke politische Richtung.“ Daher könne er die aktuelle Entwicklung nicht deuten, sagt er vorsichtig.

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