Im Chefsessel

Bottroper inspiziert Dächer mit einer Drohne

Per Drohne inspiziert Patrick Kuhse Hausdächer. Der reine Flug ist in 20 Minuten erledigt, die anschließende Auswertung der 150 bis 200 geschossenen Bilder dauert länger.

Per Drohne inspiziert Patrick Kuhse Hausdächer. Der reine Flug ist in 20 Minuten erledigt, die anschließende Auswertung der 150 bis 200 geschossenen Bilder dauert länger.

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Der gelernte Dachdecker Patrick Kuhse machte sich mit dieser Idee vor einigen Monaten selbstständig. Er verbindet dabei sein Hobby mit dem Beruf.

Er selbst sieht sich als „Zahnarzt fürs Dach“. Dennoch klettert er nicht selbst hinauf. Patrick Kuhse ist deutschlandweit der erste Dachinspektor, der mit einer Drohne arbeitet. Risse in Ziegeln, brüchige Silikonfugen, verrutschte Ziegel oder Schäden an Kaminen – der Kamera an dem fünf Kilo schweren Flugroboter und dem geschulten Blick des gelernten Dachdeckers entgeht nichts. „Ziel ist, Dachschäden frühzeitig zu entdecken, so dass sie mit kleinen Maßnahmen zu beheben sind“, erläutert Kuhse und fügt schmunzelnd hinzu: „Wie man halt mit dem Besuch beim Zahnarzt womöglich eine Wurzelbehandlung vermeiden kann.“

Sanft hebt sich der Oktocoptor in die Luft

Die acht Rotoren brummen und sanft hebt sich der achtarmige Oktocoptor – so heißt die Drohne im Fachjargon – in die Luft, steuert dem blauen Himmel, aber doch wohl eher dem Dach des Einfamilienhauses entgegen. „Um die Drohne zu betreiben, habe ich die Genehmigung der Luftfahrtbehörde für alle 16 Bundesländer“, erklärt Kuhse und steuert die Drohne per Fernsteuerung über das Dach. „Rein technisch könnte sie 5000 Meter hoch und weit fliegen, darf aber nur 100 Meter.“ Im Zentrum der Drohne hängt eine Kamera, die hochaufauflösende Bilder schießt. „Etwa 20 Minuten dauert der reine Flug, die anschließende Auswertung der rund 150 bis 200 Fotos natürlich länger.“

Eine Idee muss man halt haben! Und die hatte der 32-jährige Bottroper und gründete vor wenigen Monaten seine Firma „OnTopDeutschland“. Zwar begeisterte ihn sein Beruf als Dachdecker nach wie vor und er hatte sogar die Perspektive, den Essener Betrieb, in dem er bereits zehn Jahre arbeitete, zu übernehmen. „Aber irgendwie war es nicht das Richtige, ich wollte etwas verändern, etwas Neues machen“, erklärt Patrick Kuhse seine Beweggründe. Als Vater eines neunjährigen Sohnes und einer gerade geborenen Tochter hatte er zunehmend auch das Risiko seines Berufs als Dachdecker im Blick.

Die notwendigen Dacharbeiten übernehmen andere

Wie wohl alle Männer hat auch Patrick Kuhse ein Faible für Technik und alles, was fährt und fliegt. Schon seit Jahren lässt er in seiner Freizeit und gemeinsam mit seinem Sohn zum Spaß kleine Drohnen fliegen. Und damit kam die zündende Idee, Beruf und Hobby zu verbinden und gleichzeitig die Risiken durch die Arbeit in luftigen Höhen zu minimieren: Die Dachinspektion per Drohne. Möglicherweise anschließend notwendige Arbeiten am Dach übernimmt Kuhse nicht. „Das soll unabhängig voneinander erfolgen.“

„Nach insgesamt 16 Berufsjahren kann ich aus Erfahrung sagen, dass es zu 90 Prozent Kleinigkeiten sind, die letztlich für große Schäden an Dächern sorgen“, so der Bottroper. So sei er meist auch auf die Dächer geklettert, um eben diese Kleinigkeiten zu beheben. Die Bewohner würden diese Schäden jedoch meist erst spät bemerken, wenn beispielsweise Feuchtigkeit durchs Dach durchschlägt. „Und die wenigsten wissen, dass die meisten Gebäudeversicherungen in ihren Verträgen eine regelmäßige Dachwartung verlangen, um den vollen Versicherungsschutz zu erhalten.“

Dachinspektor sieht Expansionsmöglichkeiten

Die Wartung per Drohne sei unkompliziert, zuverlässig und kostengünstig. Besitzer von Einfamilienhäusern zahlen 199 Euro, die von Mehrfamilienhäuser 249 Euro. „Finde ich nichts, ist die Wartung sogar kostenfrei“, so Kuhse. Um deutschlandweit agieren zu können, arbeitet Kuhse mit Fachleuten zusammen, die industriell mit Drohnen unterwegs sind. „Das sind keine Dachdecker, sie stellen lediglich ihre Drohne zur Verfügung, überfliegen mit ihr die Dächer und die Auswertung erfolgt durch mich.“

Für die Zukunft sieht der Dachinspektor großen Bedarf und Expansionsmöglichkeiten. „Dächer gibt es überall und die werden immer älter.“ Allerdings, so Kuhse weiter, sei es wie beim Besuch des Zahnarztes: „Eigentlich möchten die meisten Menschen gar nicht wissen, wie der Zustand ihres Daches ist, fürchten große Kosten und meiden lieber die Wartung. Doch die Augen zu verschließen, kann teuer werden.“

Und was tut ein Dachinspektor in seiner Freizeit am liebsten? Natürlich mit dem Sohn dessen Spielzeug-Drohnen fliegen lassen.

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