Coronavirus

Bottrop: Rexin stellt Intubationsboxen für Krankenhäuser her

Timm Schwarz (Geschäftsführer des Kunststoffhandels Rexin, rechts) übergab die Intubox an Dr. Michael Nosch (Chefarzt für Notfall- und Intensivmedizin im Marienhospital).

Timm Schwarz (Geschäftsführer des Kunststoffhandels Rexin, rechts) übergab die Intubox an Dr. Michael Nosch (Chefarzt für Notfall- und Intensivmedizin im Marienhospital).

Foto: Melanie Schwarz

Bottrop.  Der Kunststoffhandel in Dorsten mit Bottroper Wurzeln übergab vier Boxen an das Marienhospital und Knappschaftskrankenhaus.

Sie ist rechteckig, leicht, durchsichtig und kann vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus helfen: die Intubationsbox. Der Kunststoffhandel Rexin will in diesen schweren Zeiten helfen und hat nun jeweils zwei dieser Schutzgeräte für die Intensivstationen im Marienhospital und im Knappschaftskrankenhaus hergestellt.

Wie Geschäftsführerin Melanie Schwarz berichtet, habe man überlegt, wie das Unternehmen den Ärzten und Pflegern in Krankenhäusern schnell und unkompliziert helfen könne. Bei ihren Recherchen wurden sie fündig. Sie stießen auf ein Projekt aus Amerika. Die Idee stammt hingegen von einem Arzt aus Taiwan. Diese speziell entwickelte Box wird bei einer Intubation eingesetzt, also in jenem Moment, wenn der Patient nicht mehr selbstständig atmen kann. Dank der Box werden die Ärzte vor einer möglichen Tröpfcheninfektion, dem Hauptübertragungsweg von Covid-19, geschützt.

Trotz Umzug bleibt das Herz in Bottrop

Rexin griff zurück auf die eigene Kernkompetenz. Denn wenn sich jemand mit Kunststoffen auskennt, dann das Familien- und Traditionsunternehmen. Der Kunststoffhandel war 50 Jahre im Boytal beheimatet, zog aber im Frühjahr 2019 nach Dorsten auf das ehemalige Zechengelände Fürst Leopold. Am Standort in der Boy gab es kaum noch Platz für eine Expansion. Trotz des Umzugs ist das Herz der Geschäftsführung und der Mitarbeiter in Bottrop geblieben. Am 31. März wurde die Idee geboren, das Projekt aus Amerika für Deutschland zu übernehmen.

Aus Verbundenheit zur Heimatstadt wurde zunächst das Marienhospital informiert. Dort habe man „positiv auf die Idee reagiert“, so Melanie Schwarz. Über das Marienhospital entstand der Kontakt zum Knappschaftskrankenhaus. Innerhalb von zwei Tagen entwickelte Rexin auf Grundlage des amerikanischen Vorbilds den ersten Prototypen. Keine 24 Stunden später folgte ein Termin im Marienhospital. Die Ärzte testeten das Modell für einen möglichen Ernstfall. Die Anmerkungen aus der Sicht der Mediziner für den Nachbau wurden bei der Weiterentwicklung der Box berücksichtigt. Von der Idee bis zur Umsetzung verging gerade einmal eine Woche. Am siebten April kam es zur Übergabe von jeweils zwei Exemplaren an beide Bottroper Krankenhäuser.

Intubox wird nur für Krankenhäuser gefertigt

Die Intubationsbox besteht aus bruchfesten Polycarbonat-Platten, ist sehr robust und einfach zu desinfizieren. Sie wird über den Kopf des Patienten gestellt, und der Arzt kann durch zwei Löcher auf der Rückseite hineingreifen und ihn behandeln - eine einfache Idee mit großer Wirkung. Mehrere Anfragen von weiteren Krankenhäusern aus Nachbarstädten sind seitdem bei Rexin eingegangen. „Derzeit ist eine schmalere Box auf einem Rettungswagen einer Feuerwehr zu Testzwecken im Einsatz“, sagt Melanie Schwarz. Sie betont, dass die Intubationsboxen nur für Krankenhäuser und nicht für Privatpersonen gefertigt werden.

Weil eigene Produktionskapazitäten und das vorhandene Material bei steigender Nachfrage womöglich kaum ausreichen werden, hat der Kunststoffhandel uneigennützig die notwendigen Daten zum Nachbau der Box sowie einer Aufbauhilfe auf der eigens dafür eingerichteten Internetseite www.intubox.de kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf diesem Weg können andere kunststoffverarbeitende Firmen ebenfalls eigene Intubationsboxen herstellen. „Wir möchten, dass möglichst viele Menschen und Unternehmen dieses gemeinnützige Projekt unterstützen“, meint Melanie Schwarz.

Wegen Corona: neue Produkte im Portfolio

Denn auch ohne die Herstellung der Boxen hat Rexin alle Hände voll zu tun. Von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ist man verschont worden. Kerngeschäft ist und bleibt die Produktion von Terrassenüberdachungen, Vordächer, Kunststoffplatten und Carports. „Ab April startet bei uns die Hauptsaison“, sagt Melanie Schwarz, die gemeinsam mit Ehemann Michael und Bruder Timm die Geschäfte leitet. Aber es ging bereits im März richtig los. Das Portfolio wurde um einige Produkte erweitert. „Mobile Trennwände, Spuckschilder und Niesschutze“, zählt die Geschäftsführerin auf. Es folgte eine regelrechte Auftragsflut. Bankinstitute, Apotheker und Einzelhändler bestellten nämlich die Schutzgeräte aus Kunststoff für ihre Schalter und Ladentheken.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben