Bottrop-Kirchhellen.

Bottroper beherrscht die alte Kunst des Seifensiedens

Eingefüllt wird mit dem Stab. Die fertige Seife löst Gahlen am Ende mit Druck und Geschick aus den Silikonförmchen.

Eingefüllt wird mit dem Stab. Die fertige Seife löst Gahlen am Ende mit Druck und Geschick aus den Silikonförmchen.

Foto: Michael Korte

Bottrop-Kirchhellen.   Experte Werner Gahlen vom Heidhof verwendet natürliche Zutaten für seine Produkte. 50 Rezepte ohne künstliche Zusatzstoffe hat er im Programm.

Eine Seife mit Minze? Mit Salbei? Oder Rosenwasser? Der Kreativität von Werner Gahlen sind keine Grenzen gesetzt. Er ist passionierter Hersteller von Pflanzenölseifen am Heidhof. Eigentlich arbeitet er hauptberuflich beim Regionalverband in der Kirchheller Heide als Schreiner. Aber seit mehr als zehn Jahren veranstaltet er spezielle Kurse zu Wildkräutern und zu der alten Kunst des Seifensiedens.

Eine Seife aus dem Supermarkt oder aus der Drogerie kommt ihm nicht ins Badezimmer oder in die Küche. Stattdessen entschied er sich, das alte Handwerk wieder aufleben zu lassen. „Zurück zu den Wurzeln“, wie er selbst sagt. Und fernab von Industrieprodukten, die der Umwelt schaden. Gahlen besitzt rund 50 verschiedene Rezepte - alles mit pflanzlichen Zutaten und ohne künstliche Zusatz- oder Duftstoffen.

Eine puddingähnliche Substanz im Topf

Bei einem Besuch am Heidhof wird deutlich: Der Herstellungsprozess ist kein Hexenwerk. In einem handelsüblichen Topf erwärmt Gahlen kleine Stücke von Kokosfett, Bienenwachs und kalt gepresstem Oliven- und Mandelöl. Vorher musste er die Mengen exakt abmessen. Jede kleine Veränderung im Mischverhältnis hat Auswirkungen auf das Endprodukt und auf die Haut. Danach verrührt er die Zutaten mit einem Stab.

Auf dem Tisch steht eine kleine Flasche, gefüllt mit einer Flüssigkeit aus destilliertem Wasser und Natriumhydroxid, auch bekannt unter Ätznatron. Diese vermischte Flüssigkeit gießt er in den Topf. Anschließend fügt er getrocknete Ringelblumen-Blüten und Bienenhonig hinzu. Im Anschluss wird kontinuierlich weitergerührt, bis eine puddingähnliche Konsistenz erreicht ist.

Abfüllen in Silikonformen oder alte Joghurtbecher

Diese Substanz füllt er schließlich in Silikonformen ab. „Alternativ dazu kann man auch einen leeren Joghurtbecher verwenden“, sagt Gahlen. Dieser müsse aufgeschnitten werden, um die fertige Seife herauszubekommen. Bei der Silikonform genügt ein wenig Druck und Handgeschick.

Nach dem Umfüllen in die Formen bzw. in den Joghurtbecher ist die handgerührte Seife allerdings noch nicht fertig für den Gebrauch. Sie benötigt eine Ruhezeit von vier bis acht Wochen und muss an einem trockenen Ort und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Denn Seifensieden wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich kompliziert, kann aber gefährlich sein, wenn man beispielsweise die ätzende Flüssigkeit aus der Flasche auf die Haut bekommt. Deshalb empfiehlt Werner Gahlen jedem Anfänger bei der Herstellung immer eine Schutzbrille aufzusetzen und Gummihandschuhe anzuziehen.

„Bierseife ist gut für die Haare“

Neben Seifen mit Kräutern oder getrockneten Blumen hat er noch speziellere Sorten hergestellt. „Bierseife zum Beispiel. Die ist gut für die Haare“, sagt Gahlen. Ob Pils oder Weizen spielt hierbei keine Rolle. „Wenn man Altbier nimmt, wird die Seife eher dunkler“, so der Seifenfachmann. Sein Lieblingsprodukt war eine Gewürzseife, die ihn an seine Kindheit erinnerte. Den Duft habe er noch immer in der Nase. Als Zutaten verwendete er unter anderem Nelke, Lorbeer, Zimt und Kardamom.

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