Mobilität der Zukunft

Bottrop: Wenn der Mensch nicht mehr am Steuer sitzt

Prof. Dr. Anselm Haselhoff im Test-Tesla an der HRW in Bottrop. Die Kamera erkennt, dass jemand vor dem Auto steht.

Prof. Dr. Anselm Haselhoff im Test-Tesla an der HRW in Bottrop. Die Kamera erkennt, dass jemand vor dem Auto steht.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Forscher der Hochschule Ruhr West bauen mit Partnern das Kompetenzzentrum Automatisiertes Fahren auf. Was uns in Zukunft auf den Straßen erwartet

Ist das die Zukunft auf unseren Straßen? Gefährte, die ohne menschlichen Fahrer auskommen und die Leute wie von Geisterhand gesteuert sicher und effizient ans Ziel bringen. Wie das umgesetzt werden kann, damit beschäftigen sich Forscher der Hochschule Ruhr West. Mit starken Partnern aus Wuppertal bauen sie ein Kompetenzzentrum Automatisiertes Fahren auf.

Anlaufstelle für Fragen rund ums autonome Fahren

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Köpfen, die sich mit dem autonomen Fahren auseinandersetzen und als zentrale Anlaufstelle für Entscheider aus Kommunen, Wirtschaft, Verkehrsbetrieben und Politik sowie für Bürger fungieren. „Es geht darum, Beratungs- und Informationsangebote zu schaffen und neue Projekte zu entwickeln“, sagt Informatik-Professor Dr. Anselm Haselhoff.

Der HRW-Experte zählt zu den besagten Köpfen des Kompetenzzentrums. Er führt zunächst ins Technikum auf dem Campus Bottrop. Dort können die Hochschullehrer und wissenschaftlichen Mitarbeiter an einem Tesla forschen, den Stand der Technik testen, auch Fehlfunktionen provozieren, um daraus zu lernen. Der Tesla gehört zur Stufe zwei im fünfstufigen Spektrum des automatisierten Fahrens (noch sind nicht alle Stufen in Betrieb). Was bedeutet: Dank integrierter Kameras und Funktionen soll er zum Beispiel selbstständig das Fahrzeug auf der Spur halten oder eine Vollbremsung machen, erklärt Haselhoff. Das muss vom Fahrer allerdings ständig überwacht werden.

„Das alles funktioniert schon ganz gut, aber nicht in allen Situationen“, so Haselhoff. Zur Forschung der HRW-Experten gehört zu schauen, wie entsprechende Fahrzeugfunktionen noch besser gemacht werden können. Neben dem Tesla steht ein Audi, den Haselhoff als „Bastelauto“ bezeichnet. Dort seien Laserscanner (Lidar) eingebaut worden – „um das Fahrzeug sehen zu lassen“.

Umfeldwahrnehmung und künstliche Intelligenz

Das gehört laut Haselhoff zu den wichtigen Fragen für die Experten der HRW: die Umfeldwahrnehmung (per Lidar, Radar, Kamera), die Fusion von Daten verschiedener Sensoren, die künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, die Etablierung eines industrieübergreifenden Standards für die Absicherung KI-basierter Funktionen, die Fairness von KI-Funktionen. Fairness? „Um zu garantieren, dass das System für alle gleich gut funktioniert“, erläutert Haselhoff und nennt ein Beispiel: Wenn es um Gestenerkennung geht, darf die Größe der Hände keine Rolle spielen.

Doch nicht nur die Technik, die in Zukunft ein komplettes autonomes Fahren ohne menschliches Dazutun ermöglichen könnte (diese Stufe fünf könnte laut Experten ab 2030 Realität werden, was Haselhoff „sehr ambitioniert“ findet), beschäftigt die HRW-Forscher. Sondern auch das Bestreben, den Menschen bei der Technikentwicklung ins Zentrum zu rücken. Denn er muss diese akzeptieren, sich bei der Nutzung wohlfühlen. Werden autonome Shuttlebusse zum Beispiel nicht genutzt, dann haben die Menschen vielleicht kein Vertrauen in die Technik. Oder sind unzufrieden damit.

Autonomes Shuttle zwischen HRW-Campus und Bahnhof denkbar

Vieles weitere gilt es laut Haselhoff zu bedenken, etwa für Situationen, in denen das Auto beim hochautomatisierten Fahren den Menschen in kritischen Situationen beispielsweise per Warnton auffordert, wieder die Kontrolle zu übernehmen. „Wie lange braucht der Fahrer, um wieder aufmerksam zu sein?“ Wenn er zuvor zum Beispiel während einer automatisierten Staufahrt gelesen hat.

Und wie geht es auf den Straßen in näherer Zukunft weiter? Für Haselhoff sind erst einmal Zwitterstufen vorstellbar. Also etwa ein autonomes Shuttle (wie es sie vereinzelt schon gibt), das eine geschützte Strecke wie die zwischen HRW und Bahnhof bedient. Zudem hält der Experte den Ausbau von On-demand-Diensten („Auf Bestellung“) für notwendig.

Für eine intelligente Mobilität von Morgen

Ziel sei im Sinne einer intelligenten Mobilität von Morgen ein hochintegrierter, intermodaler Verkehr, bei dem die Menschen verschiedene Verkehrsmittel ohne große Verzögerung wechseln können. Dazu zählt dann eben auch das automatisierte bzw. autonome Fahren. Staus und Emissionen könnten reduziert werden – weil schlauer gefahren und die Verkehrssteuerung verbessert wird.

Ganz wichtig, damit das klappen kann: gutes Kartenmaterial und Sensorik, eine Lokalisierung der Fahrzeuge über Karte und GPS, Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ein „um die Ecke gucken“, Live-updates zu Baustellen und Co..

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