Kirche

Priester gründet Familie: Applaus und positive Reaktionen

Pfarrer Ulrich Witte und Pastoralreferentin Caroline Johnen verlassen St. Johannes. Sie haben angekündigt, ein gemeinsames Leben beginnen zu wollen.

Pfarrer Ulrich Witte und Pastoralreferentin Caroline Johnen verlassen St. Johannes. Sie haben angekündigt, ein gemeinsames Leben beginnen zu wollen.

Foto: Michaela Kiepe / Bischöfliche Pressestelle

Bottrop-Kirchhellen.  Der Kirchhellener Priester und die Pastoralreferentin gründen eine Familie. Dafür gibt es viel Lob. Was mit den beiden jetzt passiert.

Pfarrer Ulrich Witte und Pastoralreferentin Caroline Johnen haben am Wochenende im Gottesdienst angekündigt, dass sie die Pfarrei St. Johannes nach nur vier Monaten verlassen werden. In den Wochen seit September sei das Verhältnis zwischen den beiden immer intensiver geworden und man habe eine Entscheidung treffen müssen. Nun wollen die beiden in einer anderen Pfarrei im Bistum „ein gemeinsames Leben beginnen“. Doch wie geht es nach der Ankündigung vom Wochenende nun weiter in der Pfarrei? Und was passiert, wenn ein Priester sich entschließt, aufzuhören?

Rein formal hat das Bistum Ulrich Witte zum 15. Februar von seinen Pflichten entbunden. Das teilte es am Montag dann auch offiziell mit. Weiter hieß es in der kurzen Meldung, dass die Stelle nachbesetzt werde. Zum möglichen Zeitplan äußerte sich das Bistum auf Nachfrage nicht. Nur soviel: „Wie dies aussieht, wird mit der Pfarrei abgestimmt.“

Sogar der Gladbecker Bürgermeister Ulrich Roland äußert sich via Facebook

Zunächst einmal werden Caroline Johnen und Ulrich Witte noch bis zum Umzug als Privatpersonen in der Dienstwohnung bleiben. Das hatte die Pastoralreferentin bereits am Wochenende angesprochen. In dem Zusammenhang war die Rede von „wenigen Wochen“. Schließlich hatten die Pastoralreferentin und der Priester angekündigt, Kirchhellen verlassen zu wollen und anderswo im Bistum Münster ein gemeinsames Leben zu beginnen.

Die Reaktionen auf die Ankündigung waren fast ausnahmslos positiv – vom Applaus in der Kirche bis hin zu den Stimmen in den sozialen Netzwerken. Sogar Gladbecks Bürgermeister Ulrich Roland hat sich auf der Facebook-Seite der Lokalredaktion zu Wort gemeldet und dem Paar seinen Respekt für diesen Schritt bekundet.

Verein schätzt, dass in Deutschland etwa 2000 ehemalige Priester mit Partnern leben

Deutschlandweit lebten etwa 2000 ehemalige katholische Priester mit einer Frau oder einem Partner zusammen, schätzt Hans-Jörg Witter. Offizielle Statistiken gebe es dazu nicht. Der Oberhausener ist Vorsitzender der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen (VkPF). Der Verein kämpft gegen das Zölibat und unterstützt Priester, die ihren Beruf aufgeben, um stattdessen eine Partnerschaft eingehen zu können. Zwölf Priester hätten sich im vergangenen Jahr bei dem Verein gemeldet und Unterstützung in der Frage gesucht.

Witter kennt die Schwierigkeiten, die damit oftmals verbunden seien. Denn neben wirtschaftlich-ökonomischen Sorgen kämen oftmals auch existenzielle Fragen auf die Priester zu. „Denn das ist ja ein Beruf, der auch einen großen Teil der Persönlichkeit ausmacht“, so Witter. Er selbst war Mitglied im Kapuziner-Orden und als Geistlicher in Lateinamerika. Dort lernte er auch seine Frau kennen. Nachdem er sich entschieden hatte, mit ihr zusammen zu leben, musste er sich auch eine neue wirtschaftliche Existenz aufbauen. Inzwischen ist er SAP-Experte für Personalwirtschaft. Dieser Übergang in einen Beruf sei oftmals mit Schwierigkeiten verbunden.

Jedes Bistum geht anders damit um, wenn ein Priester aufhört

Aus Witters Erfahrung heraus gehe auch jedes Bistum anders mit solchen Fällen um. Er hat ein Beispiel aus Regensburg parat. Ein langjähriger Priester, der hauptsächlich im Schuldienst war, habe sich entschieden, mit einer Frau zusammen zu leben. Das Bistum habe ihn daraufhin fallen gelassen. „Er bekam dann zu hören, dass Bäckereien auch Aushilfen suchen.“ Witter spricht in dem Zusammenhang auch von „Bestrafung“. Ein Gedanke, der an manchen Stellen auch noch verbreitet sei.

Ein Beispiel aus Freiburg zeige, dass es auch anders gehe und ehemalige Priester auch weiterhin im kirchlichen Bereich arbeiten könnten. Dort hat ein vormaliger Priester eine Stelle als Caritasdirektor übernehmen können. Positiv bewertet Witter, dass das Bistum Münster Caroline Johnen weiter als Pastoralreferentin beschäftigen will. „Auch das wäre nicht in jedem Bistum möglich.“

Bistum muss Beiträge in die Rentenkasse nachzahlen

Wie das Bistum Münster mit ehemaligen Priestern umgeht, inwieweit sie die Chance haben, anderweitig im kirchlichen Bereich zu arbeiten – sofern es für sie in Frage käme – war am Montag nicht mehr zu erfahren.

Unabhängig davon aber müsse ein Bistum ein Übergangsgeld zahlen und auch die Beiträge für die Rentenkasse nachzahlen, so Witter. Das bestätigte auch das Bistum Münster. Denn das Priestertum sei ja ein beamtenähnliches Verhältnis, entsprechend zahle die Kirche für ihre Priester nicht in die Rentenkasse ein. Aber es gebe eben nicht selten große Schwierigkeiten beim Übergang in einen Beruf. Dagegen reagierten inzwischen aber die Gemeinden oftmals positiv und es sei glücklicherweise meist auch nicht mehr so, dass sich die anderen Priester abwenden.

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