Update

Bottrop streitet übers Radfahren: SPD bietet Test-Touren an

Viele Radfahrer sind an Sonntagen in Bottrop unterwegs, hier an den Stadtteichen zwischen den Bottroper Stadtteilen Fuhlenbrock und Eigen.

Viele Radfahrer sind an Sonntagen in Bottrop unterwegs, hier an den Stadtteichen zwischen den Bottroper Stadtteilen Fuhlenbrock und Eigen.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Ums Radfahren in Bottrop herrscht Streit. Gehören Radfahrer auf die Hauptstraßen oder nicht? Die SPD bietet Donnerstag eine zweite Test-Tour an.

Die SPD lädt die Bürger zu zwei Radtouren durch Bottrop ein. Verkehrssprecher Rüdiger Lehr will damit zeigen, dass Radfahrer gerade auf Strecken abseits der Hauptverkehrsstraßen in der Stadt gut voran kommen. Der SPD-Ratsherr hatte in einem WAZ-Gespräch dafür geworben, dass die Radler eben nicht auf den stark befahrenen Hauptstraßen, sondern auf sicheren Strecken über kleinere Straßen und teils auch auf schöneren Routen durchs Grüne fahren sollen. Das bringt ihm Kritik von Parteien wie Grünen oder Linken, aber auch von Radfahrern ein.

Mit den beiden Radtouren will er den Bürgern nun Praxistests anbieten. Die erste Tour findet am Sonntag, 6. September, ab 11.55 Uhr statt, die zweite am Donnerstag, 10. September, ab 16.30 Uhr. „Wir treffen uns an beiden Tagen zum Start vor dem SPD-Parteibüro in der Innenstadt. Bevor wir los fahren, werden wir erläutern, wie die SPD sich den Radverkehr in Bottrop vorstellt“, sagte Lehr. Die SPD-Vertreter hängen dazu auch Stadtpläne aus, um die konkreten Radrouten aufzuzeigen. Auch an Zwischenstopps während der beiden Touren wollen die SPD-Vertreter mit den Radfahrern ins Gespräch kommen und ihre Anregungen hören. OB Bernd Tischler (SPD) werde dann ebenfalls mit den Bürgern diskutieren.

Bottroper SPD will Hauptverkehrsstraßen den Autos überlassen

„Die Leute glauben ja immer, dass sie abseits der Hauptstraßen große Umwege fahren müssen. Das ist aber oft gar nicht so“, betont SPD-Verkehrssprecher Rüdiger Lehr. „Klar kann das mal passieren, aber auch Autos müssen Umwege fahren“, sagte der Ratsherr. Die SPD arbeite an einer kontinuierlichen Verbesserung der Radstrecken. „Wir wissen, dass es da auch hakt“, betonte Rüdiger Lehr. Klar sei aber, dass Radfahrer viele Nebenstraßen besser nutzen können als die belasteten Hauptstraßen. „Sie kommen so sehr gut und sehr ruhig ans Ziel“, sagte der Ratsherr. Die SPD wolle mehr Fahrradstraßen und Fahrradzonen ausbauen. „Die Hauptverkehrsstraßen überlassen wir lieber den Autos“, betonte Lehr.

Das deckt sich mit Erkenntnissen und Zielen der Verwaltung. Die Stadt arbeite seit Jahren an Verbesserungen für Radfahrer, teilte sie erst kürzlich im letzten Finanzausschuss mit. „Seit 1994 sind zudem flächendeckend Tempo 30-Zonen und verkehrsberuhigte Bereiche im Nebennetz eingerichtet worden, sodass auch ausreichende Alternativrouten für den Radverkehr zur Verfügung stehen“, erklärte Beigeordneter Paul Ketzer (CDU). Um etwa neue Fahrradstraßen einzurichten, sei die Stadt aber auf Fördergelder angewiesen. Diese sollen schrittweise in den nächsten drei Jahren fließen. Gelder für die Brauerstraße, die Schützenstraße und die Zeppelinstraße seien aber bewilligt und können noch in diesem Jahr verwendet werden. Prompt kam auch auch wieder Kritik der ÖDP auf, die gerade der SPD vorwirft, den Entwurf der Verwaltung für das Fahrradstraßennetz förmlich auseinander genommen zu haben.

Auch die Verwaltung hält wenig von provisorischen Radfahrstreifen

Zwar bot die Verwaltung auch einen Test zur Einrichtung so genannter Popup-Bike-Lanes an, die die Bottroper Grünen fordern, dennoch sehen die Verwaltungsmitarbeiter solche Radfahrstreifen auf Zeit ziemlich skeptisch. Denn diese könnten nur auf Straßen verwirklicht werden, die dafür breit genug seien. Auf die Schnelle sei das jedenfalls nicht machbar, entgegnete die Verwaltung auf den Grünen-Vorstoß. Das werde etwa auch von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte nicht unkritisch gesehen. Denn allein dafür, dass diese Radfahrstreifen überhaupt von anderen akzeptiert werden, sei „ein hohes Maß an Abstimmung zwingend notwendig“. Die Stadt Berlin etwa habe solche provisorischen Radfahrstreifen vor allem auf solchen Straße eingerichtet, auf denen sowieso neue Radwege entstehen sollen.

Den Grünen reicht die Schöner-Radfahren-Idee der SPD allerdings auf keinen Fall aus. Sie kritisieren nicht nur die Ablehnung der Popup-Bike-Lanes, die grüne OB-Kandidatin Andrea Swoboda meint auch: „Wir dürfen die Radler nicht nur auf kleine und enge Nebenstraßen verbannen, oder gar auf schlecht bis gar nicht beleuchtete Waldwege“. Dies sei gerade für Kinder morgens auf dem Weg zur Schule und auch abends nicht sicher genug. Popup-Bike-Lanes könnten ohne viel Aufwand verwirklicht werden, beharrt Roger Köllner auf den Grünen-Vorstoß. „Mit einfachen Hilfsmitteln wie zum Beispiel Verkehrskegeln und Signalfarbe wird eine Fahrbahn abgetrennt und temporär für den Radverkehr freigegeben“, sagte der grüne Verkehrssprecher.

Linkspartei warnt vor gefährlichen Buckelpisten für Radfahrer

Kritik an der SPD-Haltung kommt auch von der Linkspartei. Es sei unvermeidlich, den Verkehrsraum auf bestimmten Linien neu aufzuteilen. Die Prosperstraße oder die Nord-Süd-Verbindung über die Bottroper Straße seien Buckelpisten und etwa durch Wurzelschäden für Radfahrer gefährlich. Die Stadt sollte die Radwege künftig nicht auf Gehwegen, sondern auf Fahrbahnen bauen, fordert Linke-Sprecher Niels Schmidt, schließlich seien auch Fahrräder Fahrzeuge. „Wir brauchen ein alltagstaugliches Radwegenetz auf den zentralen Verkehrslinien“, widerspricht Schmidt dem SPD-Verkehrssprecher. Gegen schnelle Radwege auf alten Bahntrassen sei nichts einzuwenden, das reicht den Linken aber nicht.

Die CDU hatte wegen der wachsenden Bedeutung des Radverkehrs schon vor Monaten ein neues Verkehrskonzept gefordert. „Beim Radfahren geht es nicht nur um die Radtour ins Grüne. Es geht um den Alltagsradverkehr“, sagte auch CDU-Verkehrssprecher Hans-Christian Geise. „Die Menschen fahren vermehrt mit dem Rad zur Arbeit“, betonte er. Auch Lieferverkehre würden teils schon mit dem Rad abgewickelt. Für ein neues Verkehrskonzept sei eine „ganz breite Bürgerbeteiligung nötig, sagte der CDU-Sprecher. Denn die Interessen der Verkehrsteilnehmer dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Genau das aber, werfen sich einige Parteisprecher gegenseitig vor.

>>> Die zweite geführte SPD-Radtour für Bürger findet am Donnerstag, 10. September, ab 16.30 Uhr statt. Zunächst gibt es Informationen zu den Radverkehrsplänen der SPD. Um 17 Uhr ist dann am Bürgerhaus Batenbrock der Start der Radtour.

Die Tour führt zum Beispiel durch das Neubaugebiet am Brockmannsweg, durch die Kleingartenanlage Johannestal bis zur Kirche St. Antonius in der Welheimer Mark. Von dort geht es weiter zum Matthiashaus an der Hafenstraße und über Nebenstraße zurück zum Bürgerhaus Batenbrock.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben