Gastspiel

Bottrop: Pianist führt schwungvoll durch sein Programm

Klavierabend mit Knut Hanßen im Kammerkonzertsaal: Der Pianist, der als Moderator durch sein eigenes Programm führt.

Klavierabend mit Knut Hanßen im Kammerkonzertsaal: Der Pianist, der als Moderator durch sein eigenes Programm führt.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Das Publikum im Bottroper Kammerkonzertsaal erlebt mit „Best of NRW“ einen Abend mit dem Pianisten Knut Hanßen.

Er ist ein Mann fürs Feingliedrige, Analytische. Selbst die wuchtigsten Akkorde aus Modest Mussorgskys Repertoire-Schlachtross „Bilder einer Ausstellung“ verleiten den Pianisten Knut Hanßen nicht zur Krafthuberei bei seinem Gastspiel in Bottrop.

Mag die Hexe Baba Yaga auch grimmig lospoltern: Sein Ton verliert nie an Transparenz, an erfrischender Direktheit, die auch die vertrackten Fugen in Beethovens vorletzter Klaviersonate (Nr. 31. As-Dur op. 110) zum Leuchten bringen.

Beethovens Klaviersonate steht bei Hanßen im Zeichen eines freundlichen Humanismus

In der Konzertreihe „Best of NRW“ trat der 1992 in Mülheim geborene Künstler jetzt im Kulturzentrum August Everding auf. Einen überragenden Eindruck hinterließ dabei vor allem sein Bach-Spiel. Vitaler, sprühender, tänzerisch bewegter lässt sich die Partita Nr. 1 B-Dur (BWV 825) kaum gestalten.

Die barocke Ornamentik, die vielen Praller und Triller sind bei Hanßen erfüllt von strahlender Geistesklarheit. Sich diesem polyphonen Fluss der Stimmen, diesem froh gestimmten Gang durch die Tonarten zu überlassen, bringt reinen Hörgenuss.

Beethovens Klaviersonate steht bei Hanßen im Zeichen eines freundlichen Humanismus. Dabei bleibt sein Zugriff eher diesseitig: Die weltabgewandte, metaphysische Dimension des Spätwerks kommt bei ihm nicht so stark zum Tragen. Das Adagio ist zwar von Melancholie umflort, von tiefem Seelenschmerz erzählt es aber nicht.

Ganz in seinem Element

Schlicht und schön gelingen dafür die gläsernen Spieluhr-Töne im Kopfsatz. Entrückte Fernklänge enthält uns der Pianist, der als Moderator durch sein eigenes Programm führt, auch in den „Katakomben“ von Modest Mussorgsky vor. Ganz in seinem Element ist er dafür im „Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen“ oder auf dem „Marktplatz von Limoges“, den er wie ein buntes Wimmelbild zeichnet. „Das große Tor von Kiew“ durchschreitet Hanßen schließlich unter eindrucksvollem Glockengeläut.

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