Soziales

Bottrop ist immer noch keine faire Stadt

Ein Menü aus fair gehandelten Produkten kochte Hendrik Meisel in einem Bottroper Küchenstudio.

Ein Menü aus fair gehandelten Produkten kochte Hendrik Meisel in einem Bottroper Küchenstudio.

Foto: WAZ FotoPool

Bottrop.   Als einziger Großstadt im Ruhrgebiet fehlt Bottrop die Auszeichnung als faire Stadt noch, beklagt ein Anwohner. Doch die Stadtspitze will sich jetzt darum kümmern.

Bottrop ist die einzige kreisfreie Stadt im Ruhrgebiet, die nicht als faire Stadt ausgezeichnet ist. Seit Jahren wirbt der Bottroper Franz-Josef Stapelmann darum, dass auch Bottrop innerhalb des Netzwerks „Faire Metropole Ruhr“ den Fairtrade-Titel erhält. Womöglich kommt er diesem Ziel jetzt etwas näher. Denn in der Einwohnerfragestunde des Rates kündigte der stellvertretende Verwaltungschef Paul Ketzer an, dass die Stadt dazu die Initiative ergreifen werde.

Die Idee des fairen Handelns

„Alle Städte im Ruhrgebiet mit Ausnahme unserer Stadt sind inzwischen dem Netzwerk Faire Metropole Ruhr beigetreten“, erklärte Franz-Josef Stapelmann vor dem Rat. Das ist nicht so ganz richtig. Denn das Städte-Netzwerk führt auch Bottrop in seiner Liste. In den Prozess, der dazu führte, dass das Ruhrgebiet weltweit die erste faire Metropole wurde, ist auch die Stadt eingebunden. Das Städtebündnis will die Ideen des fairen Handels aber so stärken, dass auch jede einzelne Ruhrgebietskommune als Fairtrade-Stadt ausgezeichnet wird. Dieser Titel fehlt Bottrop in der Tat noch.

Er habe daher in Briefen an den Oberbürgermeister oder in Bürgersprechstunden darum geworben, erklärte Stapelmann. Vertreter der Stadt hätten jedoch geantwortet, dass die schlechte Finanzlage Bottrops dies nicht zulasse. „Ich kann einfach nicht glauben, dass meine Stadt Bottrop als einzige Stadt im Ruhrgebiet so große Probleme hat, dass sie dem Netzwerk Faire Metropole Ruhr nicht beitreten kann“, wundert sich der Bottroper.

"Im Prinzip sind wir ja auf dem Weg"

Schließlich hatte der Rat schon Ende 2009 einstimmig beschlossen die Magna Charta Ruhr zu unterzeichnen. Im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 hatte ja auch Oberbürgermeister Tischler an der Feier zur Besiegelung dieser Verpflichtung gegen ausbeuterische Kinderarbeit teilgenommen. „Im Prinzip sind wir ja auf dem Weg“, sagte Stadtsprecher Andreas Pläsken daher im Anschluss an die Einwohnerfragestunde des Rates. Auch die Stadt kaufe ja längst schon fair gehandelte Produkte ein. „Nur ein kleines Beispiel: Im Rat wird nur noch fairer Kaffee ausgeschenkt“, sagte er.

Keine Schritte mehr unternommen

Damit wäre das erste von fünf Kriterien für den Fairtrade-Titel schon erfüllt. Der Rat habe aber keine weiteren Schritte in diese Richtung unternommen. Dazu gehört, sich für Fairtrade-Produkte im Handel einzusetzen. Etliche Lebensmittelhändler in Bottrop tun dies längst. Es fehlen neben einer Medienkampagne für fairen Handel noch eine Steuerungsgruppe, die Kontakt zur Fairen Metropole Ruhr hält und ein Überblick darüber, in wie vielen Schulen, Kirchengemeinden und Vereinen Waren aus fairem Handel angeboten werden.

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