Bergbau

Bottrop hat mit seinen stillgelegten Zechen große Pläne

Die Zeche Franz Haniel wird als eine von acht alten Bergbau-Standorten in Bottrop für die Ansiedlung von neuen Firmen vorbereitet.

Die Zeche Franz Haniel wird als eine von acht alten Bergbau-Standorten in Bottrop für die Ansiedlung von neuen Firmen vorbereitet.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Bottroper Planer legen einen Bericht über die Nutzung der Bergbauflächen vor. So lange dauert es, bis neue Firmen darauf Platz haben.

Auf den alten Zechen-Standorten in Bottrop können sich voraussichtlich in sechs bis sieben Jahren neue Unternehmen ansiedeln. Das hofft Beigeordneter Klaus Müller. "Die ersten Flächen können in der zweiten Hälfte der Dekade so weit sein", sagte Müller, "etwa 2026 oder 2027". Die Ideen reichen von Gastronomie und Freizeitstätten auf Prosper II über Start-Up-Firmen am Sturmshof bis hin zu Feldern und Wiesen auf Prosper V in Kirchhellen. Insgesamt geht es um 115 Hektar, die fit für die Zukunft gemacht werden sollen.

Die Verwaltung hat jetzt einen Sachstandsbericht über die zukünftige Nutzung der stillgelegten Bergbauflächen vorgelegt. Danach bereitet die Stadt mit ihren Partnern die Zechen Prosper IV (7,1 ha) in Grafenwald und Prosper V (15,6 ha) am Alten Postweg sowie die Flotationsbecken an der B 224 (16,2 ha), den Sturmshof (14 ha), die Bergeverladung an der Prosperstraße (7,9 ha) und die Zechen Franz Haniel (38,6 ha) sowie Prosper II (15,5 ha) oder auch die frühere Kohle-Öl-Anlage in der Welheimer Mark auf.

Neue Freizeitbetriebe auf Prosper II

Die Knappenstraße an Prosper II entlang und auch die Straße In der Welheimer Mark werden Teile der so genannten Umwelttrasse, die neben dem sogenannten Gewerbeboulevard zu den Hauptachsen durch das Freiheit-Emscher-Gebiet nach Essen führen soll. Die Trasse für alternative und umweltschonendere Verkehre beginnt an einer neuen S-Bahn-Station Tetraeder und überquert am Sturmshof die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal, wo Platz für Start-Up-Firmen und wissensbasierte Gewerbebetriebe geschaffen werden soll.

Die Entwicklungsziele für Prosper II fasst Klaus Müller so zusammen: "Die Fläche soll gewerblich genutzt werden, ein Schwerpunkt kann aber im Bereich der Kreativ- und Freizeitwirtschaft liegen". Denn in der Nähe der alten Zeche liegen ja schon Freizeitstätten wie das Alpincenter, der Tetraeder, das Grusellabyrinth und der historische Malakoffturm. Für die östlichen Flächen in Richtung Kokerei sehen die Planer dagegen die Ansiedlung von Produktionsbetrieben vor. Dieses Gebiet soll durch die Lichtenhorst-Verlängerung nach Norden über den neuen Autobahnanschluss direkt an die Autobahn 42 angebunden werden. Für die Verkehrsanbindung über die Prosperstraße müssen aber erst noch Flächen von Arcelor Mittal angekauft werden.

Vorgeschriebene Vorarbeiten dauern Jahre

Bevor jedoch überhaupt ein neues Unternehmen auf einer der früheren Bergbaufläche bauen kann, muss für sie ein Abschlussbetriebsplan erstellt werden. Das sieht das Bundesberggesetz so vor. Für den Abschlussbetriebsplan seien umfangreiche Abstimmungen und planerische Vorbereitungen erforderlich, erläutert die Verwaltung. Zu den zentrale Aufgaben des Abschlussbetriebsplanes gehörten eine Gefährdungsabschätzung und ein Sanierungskonzept für jedes Bergbaugelände. Für die Zechen Prosper IV und V sowie Franz Haniel sind die Abschlussbetriebspläne in der Vorbereitungsphase. Erst danach könnten die Flächen aus der Bergaufsicht entlassen werden. Für Prosper II bedeutet das, dass sich dort frühestens in sechs bis acht Jahren ein Unternehmen neu ansiedeln könne, heißt es bei der Stadt.

Bisher ist von den Bergbauflächen nur das Areal der alten Kohle-Öl-Anlage in der Welheimer Mark aus der Bergaufsicht entlassen. Dort plant die Stadt ein Gewerbequartier für kleine und mittlere Unternehmen. Denkbar seien Handwerksbetriebe, Dienstleister, Technikfirmen. "Planungsrecht lässt sich dort schnell schaffen, für eine tatsächliche Nutzung muss aber die Erschließung für gewerbliche Verkehre deutlich verbessert werden", erklärt der Beigeordnete. Dazu sehen die Planer den Gewerbe-Boulevard vor, der das Gewerbequartier im Süden mit dem Sturmshof und damit mit der A 42 sowie im Nord-Osten mit der Prosperstraße und von dort aus mit der A 52 verbinden soll. Dafür wird dort aber auch eine neue Unterführung der Eisenbahnstrecke notwendig.

Stadt arbeitet parallel und bleibt flexibel

Während in Kirchhellen das Gebiet der Zeche Prosper V um Schacht 10 herum wieder der Landwirtschaft dienen und in die Kirchheller Heide integriert werden soll, nimmt die Stadt auch die Flotationsbecken an der B 224 und die Bergeverladung an der Prosperstraße von künftigen Betriebsansiedlungen aus. Auf dem Gelände der ehemaligen Flotationsbecken soll Wald wachsen und die Bergeverladung unter der Tetraeder-Halde wird zur Grünfläche werden.

Auf dem Gelände der Zeche Prosper IV um Schacht 9 an Vossundern arbeiten die Stadtplaner dagegen an Konzepten für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben. "Aus Sicht der Stadt Bottrop spricht einiges dafür, dass die Fläche Prosper IV in Grafenwald als erste neu genutzt werden kann", hofft Klaus Müller. Allerdings betont der Beigeordnete, dass die Stadt flexibel bleiben werde. Falls sich für andere Standorte ein starkes Interesse von Betrieben abzeichne, werde die Stadt schnell reagieren. Den Zuschnitt des künftigen Gewerbegebietes auf dem Arial der Zeche Franz Haniel will die Stadt übrigens etwas ändern: So soll der Wald im nördlichsten Bereich erhalten bleiben, dafür aber die Grünfläche im Südosten bis zur Fernewaldstraße den Gewerbeflächen zugeschlagen werden. Damit bliebe das Gewerbegebiet etwa gleich groß, ohne den Wald zu sehr angreifen zu müssen.

Chefsache

>>> Um die neue Nutzung der Bergbaustandorte in der Stadt voran zu bringen, trifft sich seit Januar 2019 eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe ein bis zweimal im Monat mit Vertretern der RAG Montan Immobilien GmbH. Der Arbeitsgruppe gehören der Technische Beigeordnete sowie Stadtplaner und Wirtschaftsförderer an.

Die Federführung hat Oberbürgermeister Bernd Tischler. Die Arbeitsgruppe steht auch im Austausch mit der Bezirksregierung Arnsberg, die Genehmigungsbehörde ist.

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