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Bottrop geht gegen wildes Plakatieren eines Bordells vor

Unerwünschte Reklame - Plakate warben unter anderem an der Kirchhellener Straße für einen Saunaclub.

Unerwünschte Reklame - Plakate warben unter anderem an der Kirchhellener Straße für einen Saunaclub.

Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool

Bottrop.  Die Bottroper Verwaltung lässt zahlreiche Plakate eines Düsseldorfer Bordells abhängen, die ohne Genehmigung angebracht wurden. „Uns ärgert das sehr“, sagt Stadtsprecher Andreas Pläsken. Allerdings kann die Stadt nur im eigenen Zuständigkeitsbereich gegen das wilde Plakatieren vorgehen.

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Zwei Models sind auf den Postern zu sehen: eines blond, eines brünett. Der Schriftzug „100 Girls“ ist zu lesen und einige Superlative. Die Plakate, die auf der Kirchhellener Straße in Höhe der Auffahrt zu den Autobahnen A 2 und A 31 an Laternenmasten gebunden waren, werben für ein Bordell im Raum Düsseldorf. Die Stadt findet die Reklame gar nicht gut. „Uns ärgert das sehr“, sagt ihr Sprecher, Andreas Pläsken.

Die Verwaltung entfernt solche Plakate daher, so schnell es geht. „Ganz klar, das Plakatieren muss genehmigt sein“, betont der Stadtsprecher. Das gilt für den Wanderzirkus ebenso wie für den Party-Veranstalter. Sie müssen für ihre Werbung eine Erlaubnis einholen, und zwar nicht nur dafür ob die Werbereiter aufgestellt werden dürfen, sondern auch wo.

Bei Verstoß drohen Bußgelder

„Von uns hat und hätte das Bordell die Genehmigung nicht bekommen“, stellt Andreas Pläsken klar. Auch in Sichtweite zu einem Kinderspielplatz seien die Poster aufgehängt gewesen. „Das hätten die Eltern bestimmt nicht gut gefunden, und wir finden das auch nicht gut“, sagte der Stadtsprecher. Die Verwaltung nahm die Plakate sowohl dort als auch an anderen Stellen ab.

Gegen das wilde Plakatieren eingreifen kann sie allerdings nur dort, wo sie auch das Sagen hat. Das ist an der Kirchhellener Straße nicht der Fall. Denn diese ist eine Landstraße. „Dafür ist dann Straßen.NRW zuständig“, erklärt Pläsken. Deshalb blieben die unerwünschten Plakate dort etwas länger auf den Grünstreifen und am Straßenrand stehen. Die Verwaltung hat den Landesbetrieb aber schleunigst informiert und auf dessen Bitten hin auch Fotos über die Situation an der Autobahn zugeschickt. Die Behörde reagierte so schnell, wie die Stadt es erhoffte. Auch dort sind die Plakate entfernt.

Solche Verstöße gegen die Genehmigungspflicht fürs unerlaubte Plakatieren in der Stadt ahndet die Verwaltung auch. „Haftbar machen wir den Veranstalter“, erklärt Andreas Pläsken. Der eigentliche Veranstalter müsse die Kosten dann auch tragen, dieser könne sich nicht damit herausreden, dass er für seine Werbeaktion Agenturen beauftragt habe. Je nach Anzahl und Schwere der Verstöße verhänge die Stadt auch Bußgelder.

Club fällt mit Postern auch in anderen Städten auf

Das Düsseldorfer Bordell fiel zu Jahresbeginn offenkundig in einigen Städten mit seiner Werbeaktion auf. So waren eine Zeit lang zum Beispiel auch an der Bundesstraße B 224 in Essen die Plakate des Saunaclubs zu sehen. Auch dort sind sie entfernt worden.

In Bochum wiederum stört sich die Stadt daran, dass die Straßenwerbung mit rollenden Litfaßsäulen zunimmt. Vor allem die Reklame für Bordellbetriebe werde mehr und mehr. In der Opel-Stadt greift nämlich die Praxis um sich, Auto-Anhänger vor allem mit Werbetafeln für Erotik-Clubs an den Ausfallstraßen abzustellen.

Dagegen vorzugehen, ist für die Gemeinden recht schwierig. In Bottrop ist das zwar noch nicht so ein Massenphänomen wie in Bochum, doch auch Ulrich Schulze, stellvertretender Bottroper Stadtsprecher, bestätigt: „Da geht es um die Frage, ob eine Sondernutzung vorliegt. Diese muss genehmigt sein, und das kostet auch Gebühren“. In einer Parkbox abstellen dürfe man seinen Kfz-Anhänger grundsätzlich ja. Die Stadt müsse dem Besitzer also nachweisen, dass sein Gefährt nur als rollende Litfaßsäule diene und immer wieder am selben Ort stehe.

Das sagt die Courage-Sprecherin dazu

Es gibt solche Werbung auf Stellwänden, im Internet, im TV. Es ist gut, dass diskutiert wird: Wo sollte sie platziert werden. All das macht doch erst recht deutlich, was das für ein Markt ist. Man muss schon gucken: Wer sind die Akteure, wer verdient daran. Das war damals mit dem Prostitutionsgesetz so nicht gemeint. Das war eher so, dass Frauen ihre eigenen Herrinnen werden sollten. Grundsätzlich halten wir es für richtig, dass es das Gesetz gibt, damit die Frauen z.B. klagen und sich versichern können. Durch die Entwicklung gerade auch mit der Zuwanderung aus Osteuropa ist Fakt, dass viele Händler unterwegs sind, die jede Lücke nutzen, um Geschäfte zu machen. Da muss das Gesetz nachgebessert werden.“

Das sagt die Gleichstellungsbeauftragte

Wenn ich die Plakate gesehen hätte, hätte ich hausintern recherchiert und gefragt: Warum hängt das da? Schön, dass die Stadt so schnell reagiert und die Poster entfernt hat. Mit Werbung für Bordelle hatte ich bislang noch nicht zu tun; in Bottrop gibt es ja kein Bordell.

Ich trage das Thema in den „Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen“, in dem auch das Frauenzentrum Courage, Frauenhaus und Polizei vertreten sind. Dort können wir überlegen: Wie positionieren wir uns gemeinsam zu dem Thema. Wenn es grundsätzlich um das Thema sexistische Werbung geht, würde ich den Deutschen Werberat informieren. Das hätte ich dann auch in diesem Fall versucht.“

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