Aus dem Beruf

Bottrop: Feuerwehrmann erzählt vom Alltag, der nie einer ist

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Der Bottroper Feuerwehrmann Sebastian Schirlo berichtet aus nun schon 17 Jahren bei der Berufsfeuerwehr.

Der Bottroper Feuerwehrmann Sebastian Schirlo berichtet aus nun schon 17 Jahren bei der Berufsfeuerwehr.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Seit 2005 ist der Bottroper Sebastian Schirlo passionierter Feuerwehrmann. Er erzählt von emotionalen Momenten und dramatischen Einsätzen.

2022 ist für die Bottroper Feuerwehr ein besonderes Jahr. Die Berufsfeuerwehr feiert ihr hundertjähriges, die Jugendfeuerwehr ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Sebastian Schirlo kennt sie beide. Seit nunmehr 23 Jahren ist der Bottroper bei der lokalen Feuerwehr aktiv. „Wenn ich ganz ehrlich bin, haben meine Eltern damals darauf gepocht, dass ich in einen Verein eintrete. Da hat mich die Feuerwehr natürlich angezogen“, erzählt er.

Bottroper Feuerwehrmann erzählt: „Wir schlafen nicht, wir ruhen“

Eine Faszination, die den damals 16-Jährigen bis heute nicht losgelassen hat. Über die Jugendfeuerwehr führte ihn der Weg 2005 in die Berufsfeuerwehr, wo er seit Anfang dieses Jahres Wachabteilungsleiter ist. Neben Büroarbeit besteht der Alltag des 39-jährigen Familienvaters auch aus den klassischen Feuerwehreinsätzen, die viele aus Büchern und Filmen kennen. Schirlo ist Teil einer von drei Wachgruppen, die die Bottroper Feuerwache im 24-Stunden-Takt besetzen. Mitunter verbringen seine Kollegen und er Stunden auf der Wache, ohne dass etwas passiert, müssen im Ernstfall aber binnen weniger Sekunden in den Autos sitzen.

Generell rücke die Bottroper Feuerwehr aber mehrfach täglich aus, erklärt Pressesprecher Matthias Duckheim. Die Aufgaben reichen von Sicherung von Unfallstellen, Krankentransporte bis hin zur klassischen Brandbekämpfung. So fährt die Bottroper Berufsfeuerwehr Tausende Einsätze pro Jahr.

Demnach bleiben Schirlo und seinen Kollegen im Dienst nicht immer Momente der Entspannung. „Wir schlafen nicht, wir ruhen“, stellt er klar. Auf die Frage, ob er mal einen Einsatz verschlafen habe, schüttelt er nur lachend den Kopf. „Wenn nachts ein Alarm kommt, dann muss ich mich aufraffen. Ich habe keine Wahl.“

Bottrop: Plätze bei der Jugendfeuerwehr sehr gefragt – Warteliste für Interessenten

Ganz so hart ist der Alltag bei der Jugendfeuerwehr noch nicht. „Aktuell nehmen wir Kinder ab zehn Jahren auf, wobei sie schon auf die weiterführende Schule gehen sollten“, erklärt Stadtjugendfeuerwehrwart Simon Josten. Der 27-Jährige engagiert sich ehrenamtlich bei der Jugendfeuerwehr, wo der Nachwuchs in einer Mischung aus Übungen und gemeinschaftlichen Ausflügen an die Aufgaben der Feuerwehr herangeführt werden. Gleichzeitig entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, wie es viele auch schon aus dem Sportverein kennen.

Die Anmeldung für die Jugendfeuerwehr Bottrop ist per Mail unter jugendfeuerwehr@bottrop.de möglich. Weitere Infos finden Sie unter www.jugendfeuerwehr-bottrop.de, bei Facebook oder bei Instagram.

Das reizt viele Jugendliche, sodass sich Interessenten aktuell mit einem Platz auf der Warteliste begnügen müssen. In Bottrop wurden zudem einige Geräte und Autos für die Jugendlichen umgebaut, sodass sie die Übungen problemlos ausführen können. Im Alter von 18 Jahren wechseln viele dann zu einer der freiwilligen Feuerwehren. Einige machen auch das bisherige Hobby zum Beruf.

Feuerwehr Bottrop: Von dramatischen Einsätzen und Gänsehautmomenten

Schirlo ist einer derer, die den Weg in die Berufsfeuerwehr gegangen sind. Gerade zu Beginn erlebte er auch Einsätze, die er erst einmal verarbeiten musste. Etwa, als er als Erstversorger an einer Unfallstelle antraf. „Die schlimmsten Einsätze waren für mich, gerade nach der Geburt meiner Tochter, diejenigen, bei denen es um Kinder ging. Ich erinnere mich an einen Einsatz, bei dem mir ein Vater mit seiner Tochter auf dem Arm entgegengerannt kam. Er hat immer wieder den Namen des Mädchens geschrien“, erzählt Schirlo.

Das Kind war, genau wie Schirlos Tochter, damals rund ein halbes Jahr alt und trug auch den gleichen Namen. „Mein Kollege hat damals gemerkt, dass das bei mir etwas ausgelöst hat, und mich beiseitegenommen. Da hat er super reagiert.“

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Über die Jahre hat der Familienvater Wege gefunden, mit solchen Einsätzen umzugehen. „Bei so etwas hilft es mir, viel darüber zu sprechen. Ich habe ein enges Verhältnis zu meinen Arbeitskollegen, weil wir so viel Zeit zusammen verbringen. Das hilft dann auch, wenn es darum geht, solche Fälle zu verarbeiten.“

Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist ihm dagegen der Fall einer leblosen Frau, wo Schirlo und seine Kollegen als Ersthelfer vor Ort waren. „Als wir ankamen, war sie tot. Wir haben sie reanimiert, sodass sie im Rettungswagen und im Krankenhaus stabilisiert werden konnte.“ Ein paar Monate nach dem Einsatz habe er sie auf einem Fest in Kirchhellen wiedergesehen. „Sie hat mich erkannt und ist mir weinend um den Hals gefallen. Das sind Momente, die ich nicht mehr vergessen werde.“

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Abseits dieser Extremfälle ist es der unvorhersehbare Alltag, der Schirlo so für den Beruf begeistert. „Die Abwechslung ist das größte für mich. Ich habe tolle Kollegen und wir haben einen starken Teamgeist. Wir werden jeden Tag aufs Neue gefordert. Das macht den Beruf für mich so unfassbar spannend.“

Vom 1. Dezember 2022 bis zum 13. Januar 2023 lädt die Feuerwehr Bottrop zusammen mit dem Stadtarchiv zur Ausstellung „100 Jahre Berufsfeuerwehr Bottrop“ ein.

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