Familie

Bottrop: Ein Familienleben in Zeiten der Corona-Pandemie

Familie Kus im eigens eingerichteten Großraumbüro, wo alle zusammen arbeiten und lernen können.

Familie Kus im eigens eingerichteten Großraumbüro, wo alle zusammen arbeiten und lernen können.

Foto: Cherima Kus

Bottrop.  Wenn Arbeit und Schule in die eigenen vier Wände ziehen und man Freunde nur im Internet trifft: Familie Kus erzählt von ihrem neuen Alltag.

Familie in Zeiten der Corona-Pandemie: Alle rücken unweigerlich näher zusammen, Arbeit und Schule ziehen oft gänzlich in die eigenen vier Wände ein, geliebte Freizeitaktivitäten müssen dafür plötzlich ruhen. Wie läuft das Familienleben unter solchen Vorzeichen? Am besten, indem man den Tagen eine klare Struktur verpasst, meint Cherima Kus.

Für die WAZ erzählt die Grafenwälderin über den von der Krise bestimmten Familienalltag mit Mann, Sohn (9) und Tochter. "Amirah wird nächste Woche 16", verrät Cherima Kus - und hier liegt wohl die aktuell größte Aufgabe für die Familie: Der Teenagerin einen glücklichen "Sweet Sixteen"-Geburtstag zu bereiten, obwohl die ersehnte Party definitiv flach fällt. Amirah nimmt das bemerkenswert gelassen auf. "Generell finde ich, es lässt sich gerade an der Situation nichts ändern und wir müssen damit umgehen, wie es kommt", sagt sie. "Allerdings finde ich es trotzdem schade, dass ich meinen 16. Geburtstag nicht feiern kann." Nun, das wird nachgeholt, sobald das wieder geht, verspricht Mama Cherima - "mit einer Riesenparty!"

Eltern können beide im Homeoffice arbeiten

Wann es soweit ist, vermag indes niemand zu sagen. Und so richtet sich Familie Kus erst einmal ein. Betreuungsprobleme gibt es trotz geschlossener Schulen schon einmal nicht. "Mein Mann Tom und ich können beide Homeoffice machen", so Cherima Kus. Er arbeitet für die Zentrale einer Bekleidungskette; sie ist froh, aktuell Online-Unterricht für ein privates Spracheninstitut geben zu können. "Das ist im Moment noch sehr anstrengend, weil wir von der Technik her verschiedenes ausprobieren", erzählt sie. Und lacht: "Wir werden hier alle zum Technik-Ass".

In dem Raum, den sich die Familie als Heimarbeitsplatz ausgesucht hat, arbeiten teils alle vier zusammen. Extra Tische wurden im Familien-Großraumbüro aufgestellt, damit Eltern und Kinder gleichzeitig ihren Aufgaben nachgehen können. "Wir nehmen Rücksicht aufeinander", betont Cherima Kus. "Wenn mein Mann etwa eine Telefonkonferenz hat, gehen wir raus. Das funktioniert prima." Sie achtet darauf, es im Büro angenehm zu gestalten: "Ich nehme immer ein Tablett mit, mit Kaffee, Tee und Obst."

Ein Plan legt die Lern- und Kreativzeiten fest

Die Kinder ziehen super mit und seien überraschend diszipliniert. "Ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass wir feste Zeiten eingeteilt haben." So habe Viertklässler Lennox einen Plan, der sich in puncto Lernen an den Vorgaben seiner Lehrerin orientiert, die Aufgaben per E-Mail schickt: Ab 9 Uhr wird im Familienbüro unter Aufsicht für die Schule gearbeitet, 90 Minuten lang. Nachmittags folgen noch 60 Minuten Hausaufgaben. Der Plan sieht zudem Kreativ-Zeiten vor oder die "Sendung mit der Maus". "Wir versuchen, die Struktur vom Tag aufrecht zu erhalten. Was nicht immer einfach ist", wie Cherima Kus zugibt. Sie persönlich neige dazu, noch abends in die Heimarbeit einzutauchen. "Jeder von uns muss sich noch finden."

Amirah lernt selbstständig und braucht höchstens Mal Papas Hilfe in Mathe. "Ich habe von vielen Lehrern Aufgaben bekommen, meist über Moodle oder E-Mail. Das klappt auch eigentlich ganz gut", erzählt die 15-Jährige. Moodle ist eine Lernplattform im Internet.

Das ist in diesen Tagen auch für die Kontaktpflege wichtiger denn je. Schon Lennox quatscht online von Bildschirm zu Bildschirm mit Freunden. Klar sei ihm zwischendurch langweilig, aber er habe sich im Vorfeld für fünf Wochen Bücher ausgeliehen. "Die habe ich aber locker in zwei Wochen durch", meint der Neunjährige.

Bewegung ist zum Ausgleich wichtig

Wo es keine Ablenkung durch Freizeitangebote, Vereine, Treffen oder Shopping-Möglichkeiten gibt, werden andere Dinge wichtiger. Viel raus gehen - "wir sind privilegiert, weil wir in den Garten können" -, spazieren, Radfahren, sich zum Ausgleich bewegen vor allem. Amirah kam auf die Idee, ihr Zimmer zu streichen. Das hat Lennox jetzt auch noch vor. In wechselnden Paarungen wird gemeinsam gekocht, gebacken, etwas gebaut. "Wenn man viel zusammen ist, hat man auch mehr Ideen, was man zusammen machen kann", sieht Cherima Kus einen Vorteil im verordneten Zuhausebleiben. Belastende Nachteile benennt sie nicht - aber die mögen sich vielleicht auch erst in den kommenden Wochen offenbaren.

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