Bonpflicht

Bonpflicht: Was wird aus der Bottroper Kinderbrötchenaktion?

Für jedes Brötchen muss den Kunden bald ein Beleg ausgehändigt werden. Die Bäcker können das nicht nachvollziehen.

Für jedes Brötchen muss den Kunden bald ein Beleg ausgehändigt werden. Die Bäcker können das nicht nachvollziehen.

Foto: kzenon / Getty Images/iStockphoto

Bottrop.  Für jedes Brötchen müssen Händler ab 2020 Bons drucken. Bäcker in Bottrop schütteln den Kopf. Und was wird dann aus der Kinderbrötchen-Aktion?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Bäcker Peter schenken jedem Kind ein Brötchen. Das hat Tradition in dem Unternehmen. Auch in den vier Bottroper Geschäften reichen daher die Verkäuferinnen Kindern auf Wunsch ein Brötchen an. Bezahlen müssen die Kinder dafür nichts. Ist das überhaupt noch möglich, wenn vom 1. Januar 2020 an Händler für jedes einzelne Brötchen einen Bon aushändigen müssen? „Gute Frage“, meint Mitinhaber Bernd Peter und gerät ein wenig ins Grübeln. Fortsetzen möchten die Bäcker-Brüder Bernd und Klaus Peter ihre Aktion aber doch.

Die Unternehmer hatten sich an ihre Kindheit erinnert, als sie die Kinderbrötchen-Aktion irgendwann einmal ins Leben riefen. „Beim Metzger gab es für uns Kinder früher doch auch immer ein Stück Fleischwurst in die Hand. Gekostet hat das nichts. Warum sollen Kinder da nicht auch ein Brötchen umsonst bekommen?“, erinnert sich Bernd Peter an die Anfänge der Kinderbrötchen-Aktion. „So weit wird es hoffentlich nicht kommen“, meint der Unternehmer, dass Bäcker Peter seine Aktion mit den Kinderbrötchen bald sein lassen müsste. Die Vertreter des Bäckerhandwerks fordern längst Ausnahmeregeln für die von der Bundesregierung verhängte Bonpflicht, und auch Bernd Peter meint: „Es sind ja noch gut sechs Wochen Zeit. Ich hoffe auf ein Umdenken“.

Viele achtlos fallen gelassene Kassenzettel

Das sieht das Unternehmen Malzers auch so, das von seinen insgesamt 150 Geschäften vier Filialen in Bottrop betreibt. „Wir fordern von der Bundesregierung das Handwerk zu stärken und alle Handwerksbetriebe von dieser unnötigen Maßnahme befreien“, sagte Geschäftsführer Christian Scherpel. Die Einführung der Belegpflicht sei eine EU-Rechtsanwendung mit der Gießkanne. Malzers habe ein modernes, gesetzeskonformes PC-Kassensystem. Jeder Einkauf sei digital signiert und hundertprozentig für das Finanzamt nachvollziehbar.

„Diese Regelung hilft nicht weiter und schafft nur eines: Viele achtlos fallen gelassene Kassenzettel und riesige Müllberge in den Städten“, meint Malzers-Sprecher Oliver Hein. Auf der einen Seite werde nachhaltig gedacht und es werden zum Beispiel Plastiktüten nach und nach abgeschafft, auf der anderen Seite komme aber eine solche Regelung, die Unmengen an Papier vernichten werde. „Dabei handelt es sich oft auch noch um Thermopapier“, meint auch Christian Schwarz, Sprecher von Bäcker Peter.

Kaum ein Kunde fragt nach einem Beleg

In jede der vier Bottroper Filialen von Bäcker Peter kommen täglich um die 450 Kunden. „Das sind dann mindestens 1800 Bons an jedem Tag, nur bei uns und allein in Bottrop“. Das bedeute jede Menge Müll bei hochgerechnet dann um die 650.000 Bons im Jahr. Von den Kinderbrötchen gar nicht erst zu reden. „Sollen die Verkäuferinnen für jedes Kinderbrötchen da etwa null Cent eingeben und dem Kind den Bon mit in die Hand geben?“, fragt Schwarz. Ohnehin sei die Regelung nicht nachvollziehbar: Denn es sei nun einerseits zwar eine Belegpflicht geplant, merkt Schwarz an. „Es gibt aber keine Übernahmepflicht. Die Kunden müssen die Belege ja weder annehmen noch mitnehmen“, gibt der Firmensprecher zu bedenken. „Da müssen wir an jede Kasse zusätzlich Mülleimer stellen“, meint er.

Dabei bekommen die Kunden in den Bäckerei-Geschäften auch jetzt schon selbstverständlich einen Kassenbon, wenn sie das wünschen. Es sei jedoch nur ein verschwindend geringer Teil der Kundschaft, die danach frage. „Es gibt Tage, da fragt nicht einer danach“, sagt der Firmensprecher. Das ist auch an Malzers’ Verkaufstheken nicht anders. Nur in besonderen Einzelfällen fragen Kunden dort nach einem Kassenbeleg. Das seien dann zum Beispiel Selbstständige oder Personen, die Brötchen für Kollegen oder eine Belegschaft holen, oder auch sogenannte Lieferschein-Kunden, die den Bon als Beleg für die Wochenabrechnung brauchen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben