Kommunalwahl

Bezirksbürgermeister wirbt für „Koalition der Vernünftigen“

Die Unzufriedenheit über die Debatte um noch mehr Neubauten oder die Feuerwache am Neubaugebiet Schultenkamp (Bild) hat nach Einschätzung von  Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder die CDU in Kirchhellen Stimmen gekostet.

Die Unzufriedenheit über die Debatte um noch mehr Neubauten oder die Feuerwache am Neubaugebiet Schultenkamp (Bild) hat nach Einschätzung von Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder die CDU in Kirchhellen Stimmen gekostet.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Kirchhellen.  Im Dorf profitieren die Grünen von den Stimmenverlusten der großen Parteien. SPD rutscht ab auf 22 Prozent, AfD kommt auf fast fünf Prozent.

Die Debatte um die Neubaugebiete in Feldhausen, Grafenwald und um die Feuerwehr in Kirchhellen haben die beiden großen Parteien Stimmen gekostet. Profitiert haben davon vor allem die Grünen. Das ist die übereinstimmende erste Analyse von Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder (CDU) und SPD-Bezirksfraktionschef Willi Stratmann. Die Wahlbeteiligung in Kirchhellen fiel erneut höher aus als in Alt-Bottrop und lag um drei Prozentpunkte über der bei der Wahl zur Bezirksvertretung 2014.

Die absolute Mehrheit von 49,9 Prozent der Stimmen und acht von 15 Sitzen in der Bezirksvertretung war bei dieser Wahl nicht zu wiederholen, sagt Schnieder: „Mir war klar, dass wir keine absolute Mehrheit mehr bekommen können.“

CDU verliert absolute Mehrheit

Die Kirchhellener CDU und ihr Spitzenkandidat Ludger Schnieder können aber darauf verweisen, dass sie bei den Wahlen zur Bezirksvertretung gut sieben Prozentpunkte mehr geholt hat als bei den Wahlen zum Rat der Stadt. Das darf als Fingerzeig dafür gewertet werden,dass die Arbeit der Partei im Bezirk von den Wählern honoriert worden ist, obwohl die CDU im Vergleich zu den Wahlen von 2014 rund zwei Prozentpunkte verloren hat.

Die Debatte um die Neubauten und die Feuer- und Rettungswache Kirchhellen hat die CDU Stimmen gekostet, sagt Schnieder. „Diese Projekte werden in der Bevölkerung kritisch gesehen. Wir sind besonders beim Thema Feuerwehr noch nicht weit genug, um die Debatte inklusive Bürgerbeteiligung transparent auszutragen. Dann gehen halt deswegen Stimmen weg.“

„Versuchen, die Leute mitzunehmen“

Schnieder wiederholte seine Einschätzung, der bisherige Weg zur neuen Feuerwache sei „bisher der richtige gewesen“. Jetzt komme es darauf an, bei den Neubau-Debatten in den drei Ortsteilen die Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen: „Wir müssen versuchen, die Leute mitzunehmen.“

Mit Blick auf die neuen Mehrheitsverhältnisse wirbt Schnieder wie früher schon um eine „große Koalition der Vernünftigen“. „Es ist eine gute Tradition in Kirchhellen, dass sich hier Mehrheiten für gute Lösungen finden.“

OB Tischler triumphiert auch in Kirchhellen

Auch aus Kirchhellen hat Oberbürgermeister Bernd Tischler mit 71,48 Prozent der Stimmen eine überwältigende Mehrheit erhalten. „Das ist die gute Nachricht auch für uns“, sagt SPD-Bezirksfraktionschef Willi Stratmann. Dass die SPD im Bezirk im Vergleich zur Wahl 2014 von 29,3 auf 21,91 Prozent abrutscht, lasse sich nicht schönreden.

Dass die SPD deutlich mehr Stimmanteile für den Rat als für die Bezirksvertretung bekommen hat, erklärt Stratmann historisch: „Im Bezirk sind wir traditionell schlechter als im Rat.“ Und die Debatte um die Neubauten habe die CDU im Bezirk mehr Stimmen gekostet als im Rat: „Solche Debatten schlagen im Bezirk mehr durch als im Rat.“ Für Stratmann ist das Ergebnis allerdings ein Ansporn, künftig noch häufiger auch gegen den Stachel der eigenen Partei in Bottrop zu löcken“.

Die Grünen sind „sehr glücklich auch über unser Ergebnis in Kirchhellen“, sagt Fraktionschefin Andrea Swoboda. In der Bezirksvertretung haben die Grünen ihren Stimmanteil im Vergleich zu 2014 mehr als verdoppelt. „Wir haben im Wahlkampf auch in Kirchhellen die richtigen Schwerpunkte gesetzt und sind jetzt auch dort ganz klar die drittstärkste Kraft.“

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