Bergbau

Bergwerk bohrt sich von Bottrop nach Gladbeck durch

Blick in den neuen Stollen Richtung Gladbeck mit der „Ortsbrust“, wo sich die Bohrer durchs Gestein fressen.

Foto: Heiko Wenke

Blick in den neuen Stollen Richtung Gladbeck mit der „Ortsbrust“, wo sich die Bohrer durchs Gestein fressen. Foto: Heiko Wenke

Bottrop / Gladbeck.  Unter dem Eigen treibt Prosper-Haniel einen Stollen Richtung Möller-Rheinbaben voran. Durch den soll künftig Grubenwasser in den Rhein fließen.

Die Kohleförderung tief unter der Kirchheller Heide ist Ende des Jahres Geschichte. Unter dem Eigen dagegen arbeitet das Bergwerk Prosper Haniel an einem Bau für die Ewigkeit: Der neue Grubenwasserkanal soll Ende 2018 in Gladbeck ankommen.

Es ist kein kleines Gewölbe, an dem das Bergwerk unter dem Eigen baut. Auf einer Länge von mehr als zwei Kilometern schafft die Kernbohrmaschine der Firma Atlas Copco eine mehr als 25 Quadratmeter große Freifläche. Der Stollen verbindet den Fuß des Förderberges, der sich ziemlich genau unter Brabus am Nordring befindet, mit den alten Schächten des Bergwerks Möller-Rheinbaben und schafft so die letzte Verbindung, die es ermöglichen soll, das Grubenwasser künftig direkt in den Rhein zu entwässern und so Emscher und Lippe dauerhaft zu entlasten.

Anschluss nach Zollverein

Das geht, weil unter Tage fast alles mit allem zusammenhängt, und zwar im Wortsinn. Im Zuge der in den 1960er Jahren beginnenden Kohlekrise wurde das Verbundwerk Möller/Rheinbaben mit seinem Schächten auf dem Eigen („Professor“) und Gladbeck-Ellinghorst („Thyssen“) 1967 stillgelegt.

Die Schächte 3 und 4 wurden der Zeche Mathias Stinnes in Essen-Karnap angeschlossen. Diese Zeche wurde 1972 geschlossen. Die Schächte bleiben aber Bestandteil des damaligen Wasserhaltungs-Planes der RAG: In Karnap sollte das Grubenwasser aus Bottrop, Gladbeck und Essen entwässert werden. Deshalb bekamen die Stinnes-Schächte bis 1999 eine Sanierung bis zu einer Teufe von 1000 Metern - und eine Verbindung unter Tage nach Zollverein, wo bis heute die zentrale Wasserhaltung der RAG angesiedelt ist.

Anschluss nach Walsum

Im Westen ist die Verbindung schon hergestellt: Durch den Schacht Hünxe hat das Bergwerk unter Tage Verbindung zur ehemaligen Zeche Lohberg und nach Walsum. Dort soll nach den RAG-Plänen das Grubenwasser geklärt in den Rhein fließen.

Den schwierigsten Teil des Vortriebs haben die Kumpel gerade geschafft. Bei Kilometer 1,6 stießen sie auf den so genannten „KBV-Sprung“. Er ist benannt nach dem Kölner Bergwerksverein, der viele Zechen in Altenessen betrieben hat. Der „Sprung“ ist eine Verwerfung im Gebirge unter Tage von bis zu 420 Metern, an dem die Kumpel mit allen möglichen Gefahren rechnen mussten: Wassereinbruch aus nahe gelegenen Rheinbaben-Stollen, Schlammlawinen, Gesteinseinbrüche.

Erst sondierten Experten die etwa 30 Meter breite Problemzone mit Probebohrungen, dann hat die Mannschaft sich in kleinen Schritten durchgegraben, „durchörtert“, sagt Bergwerks-Sprecher Michael Sagenschneider. „Die Fahrt ins fast Unbekannte hat hervorragend funktioniert.“

Aus der Heide in den Rhein 

Die Wasserhaltung gehört zu den Ewigkeitsaufgaben des Bergbaus und damit der RAG-Stiftung. Derzeit gibt es im Ruhrgebiet noch 13 Wasserhaltungsstandorte. Sie sorgen dafür, dass aktive Bergwerke wie Prosper-Haniel nicht absaufen. Außerdem müssen sie auch für die Ewigkeit vermeiden, dass sich das Grubenwasser mit dem Grundwasser vermischt. Um beide Fälle zu verhindern, muss das Grubenwasser ständig abgepumpt werden.

Etwa 72 Millionen Kubikmeter Wasser gelangen über die Wasserhaltungs-Standorte jährlich von unter Tage in die Flüsse Lippe, Emscher, Ruhr und Rhein. Unter dem Weltkulturerbe Zollverein heben gigantische Kreiselpumpen 9000 Liter pro Minute an die Oberfläche. Das schaffen sie nur mit einem Anfangsdruck von 100 Bar (zum Vergleich: ein Autoreifen hat etwa zwei Bar). Prosper-Haniel pumpt sein Grubenwasser noch selbst ab.

Langfristig sollen nur noch sechs Standorte im Ruhrgebiet Grubenwasser fördern, und zwar durch Grubenwasserkanäle direkt in den Rhein, damit die Emscher renaturiert werden kann. Für die Lippe rechnet die RAG mit einer Entlastung auf 38 Kilometern vom Grubenwasser. Gleichzeitig verringert sie im Ruhrgebiet die mittlere Pumphöhe von 800 auf 600 Meter. Das spart Energie bei den Pumpen und damit Kohlendioxid. Zusätzlich zu den sechs geplanten Standorten hält die RAG weitere stillgelegte Bergwerke in Reserve.

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