Bottrop. Der Bottroper Kabarettist Benjamin Eisenberg schaut mit Loriot auf King Charles und Donald Trump und erinnert an Alt-Kanzler Gerhard Schröder.

In Zeiten dieser ganzen schlechten Nachrichten ist es doch schön, wenn es etwas zu feiern gibt. Im letzten Monat wäre der beliebteste deutsche Komiker 100 geworden: Loriot. Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow hatte selbst einen Namen, wie er im Drehbuche zu einem seiner Sketche gestanden haben könnte. Ihm wurde oft vorgeworfen, er sei nicht politisch genug gewesen. Das ist natürlich Quatsch, denn es gibt so schöne Sätze von ihm. Zum Beispiel diesen hier: „Das Schmieren von Politikern ist turnusmäßig durchzuführen, damit eine festgefahrene Politik immer mal wieder ins Rutschen kommt.“

Natürlich hätte man sich einige Glanznummern aber auch politischer vorstellen können. Ein anderer Jubilar dieser Tage, King Charles, der nun 75 geworden ist, hätte etwa ganz wunderbar in „Ödipussi“ spielen können. Bei dem hielt auch die Mutter bis ins hohe Alter das Zepter fest in der Hand; Lady Di fehlte ganz klar das Jodel-Diplom (da hätte sie mal was Eigenes gehabt), und man möchte nicht wissen, wie es abläuft, wenn Charles und Camilla beim Italiener sitzen und Pasta essen: „Sagen Sie jetzt nichts, Camilla!“ Es wäre im Fernsehen sicherlich auch sehr unterhaltsam gewesen, wenn im letzten Mai eine Nudel die Krönungszeremonie zunichtegemacht hätte.

Gerhard Schröder hätte die Gabe, dem Volk die schlechten Zeiten gut zu verkaufen

Mittlerweile dürfte Charles den Antritt seiner neuen Stelle allerdings schon bereut haben – bei dem Regierungschaos im Vereinigten Königreich. Der Premierminister Rishi Sunak hat dort Personalrochaden vollzogen und dabei David Cameron zum Außenminister gemacht. Das heißt, ein Ex-Premier erbarmt sich und bekleidet nun ein geringeres Amt. Wenn das in Großbritannien geht, dann fragt man sich nur: Wann holt Olaf Scholz Gerhard Schröder ins Wirtschaftsministerium?

Der Schröder hätte wenigstens die Gabe, dem Volk die schlechten Zeiten gut zu verkaufen. Das konnte er schon immer, denn wenn er uns was verkaufte, dann gab es immer noch einen Bonus. Auch wenn dieser Bonus ein negatives Vorzeichen hatte und eigentlich ein Malus war. Das fiel aber nie auf.

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Wenn zum Beispiel gefragt wurde: „Herr Schröder, ist es richtig, dass Sie die Steuern senken wollen?“, dann hatte der Schröder ganz kess so etwas geantwortet wie: „Ja, aber natürlich. Wir werden die Steuern senken, und darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass die Eigenbeteiligung an den Kosten im Krankheitsfall steigt.“ Um das einmal in eine mathematische Gleichung zu bringen: Wir dachten, der Schröder verkauft uns a + b. Was er uns eigentlich verkaufte war: a + (-b), wobei b > a. Oder bildlich: Man kommt in ein Eiscafé, und dort ist der Schröder der Kellner. Man bestellt einen Krokant-Becher und fragt: „Ist denn da auch Schokosoße drauf?“ Und der Kellner antwortet: „Ja, aber natürlich. Sie kriegen ganz klar Ihre Schokosoße, und darüber hinaus kriegen Sie keinen Keks.“ Der Abzug muss nur geschickt und vermeintlich positiv formuliert werden. Ein solches Talent fehlt der Ampel-Regierung.

Gute Verbindungen nach Russland

Zudem könnte es nicht schaden, jemanden im Wirtschaftsministerium sitzen zu haben, der gute Connections nach Moskau hat und wieder an billiges Gas von den Russen kommt, wenn uns die Amis womöglich im nächsten Jahr den Mittelfinger zeigen, nachdem Donald Trump wieder Präsident geworden ist. Jener scheint gerade völlig durchzudrehen mit seinen Parolen: „Wir werden die Kommunisten, Marxisten, Faschisten und linksradikalen Gangster ausrotten, die wie Ungeziefer in den Grenzen unseres Landes leben, die lügen, stehlen und bei Wahlen schummeln.“

Dass der letzte Teil eher einer Selbstbeschreibung gleicht, wird dem Narzissten gar nicht aufgefallen sein. Und natürlich ist dies alles offenkundig selbst faschistische Rhetorik. Niemand wird jedenfalls behaupten können, dass Trumps Agenda nicht angekündigt gewesen wäre. Das war früher bei uns genauso. Der Unterschied zum gescheiterten Maler aus Braunau am Inn ist: Hitler war intellektuell immerhin in der Lage, ein Buch zu schreiben. Na gut, er ist dafür auch in Klausur gegangen – zwangsläufig – im Knast. Insofern sollte man Trump in den USA bloß nie zu einer Gefängnisstrafe verurteilen. Sonst heißt das meistverkaufte Buch Amerikas in ein paar Jahren: „My War Reloaded – This Time with Föhnfrisur“.

Zum Glück muss Loriot diesen Unhold nicht mehr erleben. Obwohl – er hätte einen passenden Satz gehabt: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“ Nä.

Termine von Benjamin Eisenberg (Auswahl):

  • 10. Dezember 2023: Bottrop (Comedy im Saal),
  • 15. Dezember 2023: Köln (Solo),
  • 16. und 17. Dezember: Essen (Bottrops Beste),
  • 03. Januar 2024: Köln (Neujahrskabarett),
  • 14. Januar 2024: Dortmund (Neujahrskabarett),
  • 25. Januar 2024: Gladbeck (3erPasch),
  • 26. und 27. Januar 2024: Oberhausen (Nachgewürzt),
  • 28. Januar 2024: Bottrop (Comedy im Saal),
  • 30. und 31. Januar 2024: Kirchhellen (Kabarett im Hof).

Alle Termine: www.benjamin-eisenberg.de