Bottrop. Der Bottroper Kabarettist Benjamin Eisenberg verteidigt in seiner Kolumne den Kanzler und macht einen Vorschlag zu einer Bestechungsoffensive.

Die Ampel-Gemüter sind alle erhitzt durch den Heizungsstreit, bei dem sich die FDP einmal mehr querstellt und am Ende durchsetzt. Da die Liberalen ständig ihre Positionen in der Regierung durchboxen, könnte man annehmen, unser Bundeskanzler hieße gar nicht Olaf Scholz, sondern Mathias Döpfner. Los, Olaf! Bild dir seine Meinung!

Allerdings muss man den Kanzler auch einmal in Schutz nehmen. Ständig hacken alle auf ihm herum, er sei so emotionslos, er habe keine Empathie, könne keine Gefühle zeigen. Neulich sagte jemand sogar, der Scholz sei eine KI. Aber das kann nicht sein. Denn eine künstliche Intelligenz könnte sich ganz genau an das erinnern, was in den Gesprächen über die Cum-Ex-Geschäfte der Warburg-Bank beschlossen wurde. Außerdem hat eine gewisse Zurückhaltung beim Ausdrucksverhalten auch Vorteile, sodass man behaupten kann: Der Olaf war damals durchaus die bessere Wahl.

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Man stelle sich nur einmal vor, wie ein Bundeskanzler Armin Laschet ins Kriegsgebiet nach Kiew fliegen und auf Pressefotos über irgendwelche Witze lachen würde, während um ihn herum alles in Schutt und Asche läge. Dann doch lieber Scholz, bei dem man sicher sein kann: Der verzieht keine Miene – erst recht nicht im Minengebiet.

Scholz’ von Zurückhaltung geprägte Ukraine-Strategie scheint aufzugehen

Zudem scheint seine von Zurückhaltung geprägte Ukraine-Strategie allmählich aufzugehen. Die Russen schwächeln. Das konnte man ausgerechnet am „Tag des Sieges“ erkennen. Der traditionelle Militär-Aufmarsch in Moskau war dieses Mal ganz schön ausgedünnt. Dabei hätten wir Deutsche doch aushelfen können, damit die Parade nicht so leer wirkt – natürlich nicht mit Panzern, aber wir haben doch noch so viele Motto-Wagen mit Putin-Motiven der letzten Rosenmontagsumzüge, die jetzt in irgendwelchen Garagen im Rheinland verstauben. Das muss doch nicht sein. Die hätten am 9. Mai ein bisschen Farbe auf den Roten Platz gebracht.

Wahrscheinlich hatten die Russen alle verfügbaren Militärfahrzeuge in die Ukraine geschickt nach dieser Wutrede des Anführers der Wagner-Truppe: Prigoschin. Wenn dieser bullige Söldner-Chef das russische Militär wegen mangelnder Unterstützung zusammenstaucht, dann fällt einem auch wieder ein, woher man den Wut-Bolzen kennt. Der hatte doch früher schon Truppen angeführt in der Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ – im „Hobbit“ – als Ober-Ork: Azog der Schänder (einfach mal googeln).

360 Milliarden Euro für russische Soldaten, damit sie die Waffen niederlegen?

Doch genau dieses Söldnertum ist der Schwachpunkt der Russen. Im Gegensatz zu den Ukrainern verteidigen sie nicht ihren Grund und Boden, sondern sie kämpfen großenteils für Geld. Warum also versucht es die Ukraine im Konflikt mit Russland nicht einfach mit ihrer Kernkompetenz: Korruption? Es lässt sich darauf wetten, dass so mancher EU-Politiker dabei gute Ratschläge geben könnte.

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Das ist schnell durchgerechnet: Laut ZDF sind in der Ukraine rund 360.000 russische Soldaten stationiert. Man könnte nun jedem sagen: „Wenn du deine Waffen niederlegst, bekommst du eine Million Euro sowie ein dauerhaftes Visum für die EU und kannst dir einen schönen Lebensabend machen an der Côte d’Azur.“ Das kostet uns dann 360 Milliarden Euro. Diesen Betrag hat man doch schnell zusammengekratzt. Rund 100 Milliarden hat der Westen im letzten Jahr in die Ukraine gesteckt. Wenn man davon ausgeht, dass das in 2023 wieder der Fall ist, könnte man dieses Geld doch direkt für die Bestechungsoffensive verwenden.

Geld statt Blut fließen lassen

Zudem sind in Deutschland die 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr noch nicht ausgegeben. Da hätte man also schon 200 Milliarden zusammen. Die restlichen 160 Milliarden wären nicht einmal mehr nötig, denn man müsste den russischen Soldaten nicht unbedingt sagen, dass auf die eine Million Euro Bestechungsgeld in der EU ja noch eine Einkommensteuer von 50 Prozent fällig wird. Da käme dann halt irgendwann im nächsten Jahr ein Brief vom Finanzamt an die Côte d’Azur. Bis dahin leiht sich das westliche Bündnis die 160 Milliarden von der Warburg-Bank.

Um den Krieg zu beenden, müsste kein Blut mehr vergossen werden, nur auf einen Schlag genügend Geld fließen. Dafür spart man sich dann aber die dauerhaften Transferleistungen und Waffenlieferungen. Warum macht die FDP als Partei des Großkapitals und der Schuldenbremse nicht einfach diesen Vorschlag? Vielleicht könnte man dann sogar Olaf Scholz mit dem unvermienten Gesicht ein verschmitztes Lächeln abgewinnen. Nä.

Termine (Auswahl): 7. Juni 2023: Burladingen-Melchingen (Zungenspitzer-Festival), 27. Juli 2023: Mülheim (Nachgewürzt on Tour), 26. August 2023: Bottrop (Comedybaustelle), 15. September: Lüdenscheid (Solo), 16. September: Darmstadt (Solo), 19. und 20. September 2023: Kirchhellen (Kabarett im Hof), 22. und 23. September 2023: Oberhausen (Nachgewürzt), 24. September 2023: Bottrop (Comedy im Saal). Alle Termine: www.benjamin-eisenberg.de