Corona und Arbeitsmarkt

Arbeitsvermittlung in Corona-Zeiten: Speed-Dating in Bottrop

Die Bewerberin Nurset Mathis spricht beim Job-Speed-Dating der Gafög im Bottroper Berne-Park mit Katja Weijers-Kattentidt (li.) und Irena Glomb von der Caritas. Ein Spuckschutz gehört zu den coronabedingten Hygienemaßnahmen bei der Veranstaltung.

Die Bewerberin Nurset Mathis spricht beim Job-Speed-Dating der Gafög im Bottroper Berne-Park mit Katja Weijers-Kattentidt (li.) und Irena Glomb von der Caritas. Ein Spuckschutz gehört zu den coronabedingten Hygienemaßnahmen bei der Veranstaltung.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Die Gafög hat im Auftrag des Jobcenters eine Veranstaltung im Berne-Park organisiert. Bewerber und Arbeitgeber führten Zehn-Minuten-Gespräche.

Es war eine Premiere unter erschwerten Bedingungen: Corona machte sowieso schon ein ausgeklügeltes Hygiene- und Sicherheitskonzept fürs Job-Speed-Dating unter weißen Zeltdächern im Bottroper Berne-Park erforderlich, zudem erschwerten der Warnstreik im ÖPNV sowie eine Baustelle die Anfahrt, und dann öffnete Petrus auch noch alle Schleusen. Angesichts dessen war Projektleiterin Petra Behling von der Arbeitsförderungsgesellschaft Gafög mehr als zufrieden mit der Teilnehmerzahl: „Es sollten 63 Bewerber kommen – und 50 sind da.“

Arbeitslose Menschen und Arbeitgeber können zueinander finden

Ziel des Job-Speed-Datings war es, (langzeit-)arbeitslose Menschen und Arbeitgeber auf Personalsuche in diesen auch für den Arbeitsmarkt schwierigen Corona-Zeiten zusammenzubringen. „Die Firmen haben keine Möglichkeiten, Leute zu akquirieren“, sagt Gafög-Geschäftsführer Folker Gebe. Sonst übliche Jobmessen fielen flach. Und auf der anderen Seite fehle die konkrete Beratung und Betreuungs durchs Jobcenter, das für den allgemeinen Publikumsverkehr geschlossen ist. „Wir wollen heute ein Zeichen setzen, dass es auch in dieser schwierigen Zeit möglich ist, in Arbeit zu vermitteln“, so Gebe.

Zu den Arbeitgebern, die die Gafög im Auftrag des Jobcenters für die Veranstaltung gewinnen konnte, zählten etwa die Caritas, die Bäckerei Sporkmann, der Car Service Baytemür oder die Gelsenkirchener Stölting-Gruppe. Rund 25 Arbeitgeber waren vorgesehen, einige von ihnen fehlten aber, als die Kurz-Bewerbungsgespräche begannen. Jeweils zehn Minuten hatten Bewerber und Arbeitgeber Zeit, sich gegenseitig kennenzulernen.

Die Gafög hat die Bewerber auf das Speed-Dating vorbereitet

Die Bewerber wurden durch die Gafög auf diesen Termin vorbereitet. Viele sah man mit Unterlagen in großen braunen Umschlägen durch das Zelt-Dorf gehen. Stefanie Sporkmann, Personalleiterin beim gleichnamigen Bäckerei-Betrieb, hatte sieben Bewerber auf ihrer Liste. „Es ist tatsächlich so, dass wir Probleme bei der Mitarbeitersuche haben“, so Sporkmann. Der Betrieb habe mit der Gafög schon zusammengearbeitet und darüber auch gute Mitarbeiterinnen im Verkauf gewonnen. „Ich hoffe, dass wir über diese Veranstaltung Leute erreichen, die sich auf Stellenausschreibungen in der Zeitung nicht so bewerben.“ Zwar erwarte sie bei dieser Jobbörse fast ausschließlich Quereinsteiger in den Beruf, aber das sei kein Problem.

Bewerber zeigen den Arbeitgebern ihr Interesse

Ein paar Zelt-Eingänge weiter suchten die beiden Caritas-Seniorenheimleiterinnen Katja Weijers-Kattentidt und Irena Glomb Mitarbeiter für die Bereiche Betreuung und Hauswirtschaft, vielleicht auch Pflegehilfskräfte und Pflegehelfer. „Die Gespräche sind gut, wir konnten einige Ansprechpartner nennen“, sagt Irena Glomb nach den ersten sechs Begegnungen. „Drei waren ohne Anmeldung da, aber das finden wir gut, daran sieht man ihr Interesse.“

Ihrerseits einen guten Eindruck von dem Gespräch mit den Caritas-Mitarbeiterinnen hatte Nurset Mathis, die zurzeit in einem befristeten Programm für den Second-Hand-Laden im Frauenzentrum Courage zuständig ist und nun etwas Neues sucht. „Zum Beispiel in der Alltagsbegleitung oder in der Küche“, sagt sie. „Ich koche und backe gerne.“ Weshalb sie auch Sporkmann interessiert.

Dort hat sich auch Cindy Pedzus vorgestellt. „Ich bin gelernte Fachkraft für Schutz und Sicherheit, deshalb geht es bei mir vor allem um Firmen in dem Bereich.“ Aber eine Stelle im Verkauf wäre eine Alternative für sie. Zufrieden kann sie nach gut einer Stunde Job-Speed-Dating sagen: „Drei Firmen wollen sich bei mir melden für ein Vorstellungsgespräch.“

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