Arbeiten im Rentenalter

Arbeiten als Rentner? Bottroper Firma hat damit kein Problem

Herbert Matthes (m.) machte bereits 1961 seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Bottroper Familienunternehmen Borgmann. Nach fast 58 Jahren schied er dort nun aus - mit 71. Hier ist der rüstige Rentner im Gespräch mit Firmeninhaber Jan Gerd Borgmann und dessen Mutter Ursula Borgmann-Hovestadt

Herbert Matthes (m.) machte bereits 1961 seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Bottroper Familienunternehmen Borgmann. Nach fast 58 Jahren schied er dort nun aus - mit 71. Hier ist der rüstige Rentner im Gespräch mit Firmeninhaber Jan Gerd Borgmann und dessen Mutter Ursula Borgmann-Hovestadt

Foto: Thomas Gödde

Bottrop.  Herbert Matthes begann 1961 seine Lehre zum Einzelhandelskaufmann im Familienunternehmen Borgmann. Nun schied er dort auch aus - mit 71 Jahren.

Fast 58 Jahre gehörte Herbert Matthes bei Borgmann „zum Inventar“, wie es so schön heißt. Seit er 1961 bei Borgmann, damals noch am Altmarkt in der Innenstadt, die Lehre als Einzelhandelskaufmann absolvierte, gehörte der heute 71-Jährige zur Stammbelegschaft.

Er erlebte alle Veränderungen, Trennungen, Zusammenlegungen, Umzüge und Neuanfänge des Familienunternehmens mit, das immerhin bereits seit 1913 in Bottrop ansässig ist. Beim 50-Jährige Firmenjubiläum 1963 war Herbert Mathes noch Lehrling, wie es damals hieß. Damals war gerade das Haus am Altmarkt aufwändig umgebaut worden. Bei der großen Feier mussten alle mit anpacken. Auch Ursula Borgmann-Hovestadt, die Mutter von Jan Gerd Borgmann, des heutigen Inhabers von „Baupart“, wie das Unternehmen seit einigen Jahren heißt.

Firma war wie ein zweites Zuhause

„Frau Borgmann hat damals sicher Hunderte Stullen geschmiert, ich habe ausgeschenkt und andere Arbeiten übernommen, die an so einem Tag anfallen“, erinnert sich Herbert Mathes. Ursula Borgmann, die einer münsterländer Unternehmerfamilie entstammt, weiß, wann man anpacken muss, obwohl sie selbst nie offiziell in der Firma gearbeitet hat. „Aber um die Mitarbeiter hat sie sich immer gekümmert - und meinem Vater die Geschäftsstrategie vorgegeben“, sagt Jan Gerd Borgmann lächelnd. Bis hin zur Idee für den heutigen Firmennamen „Baupart“.

Immer ein offenes Ohr für die Mitarbeiter

Das mit dem Kümmern kann Herbert Matthes nur bestätigen. „Frau Borgmann, aber auch die Chefs, hatten immer ein Ohr für die Mitarbeiter, man fühlte sich aufgehoben, bis heute, wie in einem zweiten Zuhause.“ Ein echtes Familienunternehmen eben.

Wäre das nicht so gewesen, hätte Matthes, der bis zu seinem offiziellen Ausscheiden vor zwei Tagen im Außendienst bei „Baupart“ arbeitete, es sicher nicht so lange ausgehalten. Und dabei ist er nicht der Einzige. „Zurzeit haben wir noch drei Mitarbeiter, die schon längst offiziell im Rentenalter sind“, sagt Jan Gerd Borgmann. Eine Dame aus der Verwaltung hat die Firma erst im vergangenen Jahr verabschiedet. Mit 80 Jahren.

Gute Mischung aus Jung und Alt

Es gibt Menschen, die können das Rentnerdasein kaum erwarten, warum arbeit man weit darüber hinaus? „Nein, es war nicht das Geld, zum Glück reicht das“, sagt Herbert Matthes. Es hat Spaß gemacht, das Klima stimmt, man wollte uns Alte hier nicht los werden, sondern vom Knowhow und den Kontakten profitieren, die wir über viele Jahre erworben haben.“

Auch der Chef findet eine Mischung aus Jung und Alt bei seinen 240 Mitarbeitern als bereichernd. „Wenn es passt, wenn jemand möchte, warum dann nicht länger arbeiten? Herbert Matthes hat sich eine Frische bewahrt, die Vorbild sein kann.“ Das hören heute sicherlich nicht mehr viele Arbeitnehmer im Rentenalter.

„Wenn Not am Mann ist, bin ich ja in der Nähe...“

Ein Leben ohne „Baupart“ kann sich Herbert Matthes durchaus vorstellen, vor allem, seit seine Frau im Dezember in den Ruhestand ging. Für den körperlichen Ausgleich steht ein 1600 Quadratmeter großer Garten zur Verfügung. Und wenn einmal Not am Mann sein sollte bei Baupart: „Dann bin ich ja in der Nähe...“, so der Neu-Rentner.

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