Im Chefsessel

„Arbeit hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun“

Karl-Heinz Hagedorn in seinem Büro in der alten Lohnhalle. Er ist Geschäftsführer der G.I.B. – Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH.

Foto: Thomas Gödde

Karl-Heinz Hagedorn in seinem Büro in der alten Lohnhalle. Er ist Geschäftsführer der G.I.B. – Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH. Foto: Thomas Gödde

Bottrop.   Karl-Heinz Hagedorn ist seit Januar Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mit Sitz in Bottrop.

Arbeit und Beschäftigung sind stetem Wandel unterworfen. Das ist ein zentrales Thema für Karl-Heinz Hagedorn, seit Jahresbeginn Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B). Und dafür steht symbolisch auch die alte Lohnhalle der Zeche Arenberg-Fortsetzung, in der sein Chefsessel steht. Hier, wo einst Bergleute beheimatet waren, sind heute gut 70 G.I.B.-Mitarbeiter mit folgendem Auftrag beschäftigt: „Wir unterstützen das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW und die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit bei der Umsetzung ihrer arbeitspolitischen Zielsetzung.“

Scharnier-Funktion

Was zunächst ein wenig abstrakt klingt, sei an einem Beispiel festgemacht: Das Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) ist in Bottrop schon gut bekannt, unter anderem durch Potenzialanalysen und Berufsfelderkundungen soll Schülern der Übergang in den Beruf erleichtert werden. Die Aufgabe der G.I.B. NRW beschreibt Hagedorn hier als Scharnier: „Wir informieren die regionalen Strukturen vor Ort darüber, wie das Ministerium sich die Umsetzung vorstellt. Wir sind auch zuständig, wenn es Rückfragen von den örtlichen Koordinierungsstellen gibt. Außerdem sind wir immer bereit, Schulungen oder Workshops anzubieten.“ Als Moderator lädt die G.I.B die verschiedenen KAoA-Einrichtungen regelmäßig zum Austausch ein.

Über 200 Veranstaltungen pro Jahr

Diese und andere Initiativen und Programme wollen jeweils landesweit gestemmt werden, allein 220 Veranstaltungen führe die Ideen entwickelnde und begleitende G.I.B. pro Jahr durch, „und in diesem Jahr werden es eher mehr“. Im Februar etwa kamen 170 Praktiker aus Wirtschaft, Arbeitsmarktförderung und Ausländerbehörden zu einer Tagung über die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt in der Lohnhalle zusammen. Zu den aktuellen Arbeitspaketen gehören beispielweise auch Initiativen für Frauen und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Auswertung der Wirksamkeit einzelner Förderprogramme. „Dieses Jahr sind Langzeitleistungsbezieher ein großes Thema“, ergänzt Hagedorn. Kürzlich habe er zum Beispiel in Berlin die Position NRWs vertreten, „wie wir uns einen sozialen Arbeitsmarkt vorstellen“.

Regelmäßige Absprachen

Im Arbeitsalltag des 62-Jährigen mischen sich G.I.B.-interne, regionale und landespolitische Themen. Als Geschäftsführer sorgt er dafür, dass die an die Gesellschaft gestellten Aufträge zuverlässig umgesetzt werden. Unabdingbar für den Job sind regelmäßige Absprachen mit den Mitarbeitern – „für jeden Themenschwerpunkt gibt es eine Expertengruppe“ –, dem Landesarbeitsministerium und der Regionaldirektion NRW.

Der Karriereweg, der an die Spitze der G.I.B. führte, begann für Karl-Heinz Hagedorn im nördlichen Münsterland, wo er in einer Bergmannsfamilie aufwuchs. „Ich wollte Berufsschullehrer werden“, erzählt der 62-Jährige. Und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich wollte mittags mit dem Unterricht fertig sein und mir meine Zeit frei gestalten können.“ Doch als er seinerzeit mit der Ausbildung fertig war, habe es keine Anstellungsmöglichkeiten für Berufsschullehrer gegeben. „Für viele bedeutete das damals, dass sie den Weg in die Arbeitsmarktpolitik einschlugen, zum Beispiel als Dozent in der Weiterbildung“, berichtet der Familienvater.

Förderung von Talenten

Womit er zunächst nicht gerechnet hatte: Diese Arbeit hat ihn begeistert. „Es macht Freude, wenn man bei Menschen, die vielleicht zunächst selbst nicht an sich glauben, Stärken entdeckt und weiterentwickelt. Ich habe bislang niemanden kennengelernt, der ohne Potenzial ist.“ Und bis heute möchte Hagedorn daran mitwirken, die Chancen von Menschen zu erhöhen. „Arbeit hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Ich möchte, dass die Chancen für alle gleich verteilt werden. Wenn ich dafür ein Steigbügelhalter sein kann, dann ist das einfach schön.“

Der Förderung von Talenten hat sich Karl-Heinz Hagedorn übrigens auch in seiner Freizeit verschrieben – als ehrenamtlicher Trainer des Tennisvereins in Mettingen.

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