Vor Gericht

Apotheker gilt als voll schuldfähig

Der angeklagte Apotheker Peter Stadtmann im Kreis seiner Verteidiger vor dem Essener Landgericht.

Foto: Lars Heidrich

Der angeklagte Apotheker Peter Stadtmann im Kreis seiner Verteidiger vor dem Essener Landgericht. Foto: Lars Heidrich

Bottrop / Essen.   Gutachter spricht von Simulationstendenzen. Zuletzt scheiterte der Antrag seiner Verteidiger auf eine dreiwöchige Verhandlungsunterbrechung.

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Im Prozess um gepanschte Krebsmedikamente hat die Verteidigung des angeklagten Bottroper Apothekers Peter Stadtmann vor dem Landgericht Essen keinen Erfolg gehabt. Die von ihnen angeregte Begutachtung durch den Psychologen Boris Schiffer brachte nicht das von ihr erwünschte Ergebnis. Denn Schiffer hält den Apotheker für voll schuldfähig. Außerdem sieht er deutliche Hinweise, dass sich Stadtmann in psychologischen Test bewusst schlechter dargestellt habe, als es seinen tatsächlichen Fähigkeiten entspricht.

Angeklagter zeichnet ein anderes Bild von sich

Gleich zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch weist Schiffer vor der Kammer auf Manipulationsversuche Stadtmanns bei den psychologischen Tests hin. Deren Ergebnisse seien „nicht Ausdruck der wahren Leistungsfähigkeit“ des Angeklagten. Schiffer spricht von Simulationstendenzen, von „verzerrten Antworten“. Der Gutachter fasst zusammen: „Er zeichnet von sich selbst das Bild eines schwer gestörten Menschen.“

Zeugen aus seinem Umfeld hätten dagegen übereinstimmend erzählt, dass sich nach der Kopfverletzung keine wesentliche Änderung im privaten oder beruflichen Verhalten Stadtmanns gezeigt habe. Beobachter hatten diese Einschätzung des Gutachters erwartet. Immerhin hatte Stadtmann ja in den letzten Jahren erfolgreich seine Apotheke geleitet und sie zu einer der umsatzstärksten in Deutschland ausgebaut.

Seit 19 Monaten in Untersuchungshaft

Seit Dezember verhandelt die XXI. Strafkammer in Essen gegen den 47-jährigen Peter Stadtmann, dem früher die angesehene Alte Apotheke in der Innenstadt gehörte. Er galt auch als Wohltäter der Stadt, der viel Geld in soziale Projekte steckte.

Aufgedeckt durch zwei seiner Mitarbeiter entstand aber 2016 der Verdacht, dass er in rund 60 000 Fällen Krebsmedikamente nach individuellem Rezept hergestellt hatte, ohne sich an die hygienischen Vorschriften zu halten. In einigen Fällen soll er aus Geldgier die Chemotherapien ohne die teuren Wirkstoffe gefertigt haben. Seit 19 Monaten sitzt er deshalb schon in Untersuchungshaft. Er schweigt zu den Vorwürfen.

Gericht weist Anträge zurück

Im Frühjahr hatte seine Verteidigung behauptet, Stadtmann leide nach einer schweren Kopfverletzung seit Jahren an einer psychischen Störung. Die Verteidiger beriefen sich dabei auf Untersuchungen des Bochumer Psychiaters Pedro Faustmann. Zusätzlich empfahlen sie dem Gericht, den Psychologen Boris Schiffer als eigenen Sachverständigen zu beauftragen.

Dessen vorläufiges schriftliches Gutachten liegt jetzt vor. Doch das Ergebnis dürfte den Verteidigern nicht gefallen. Vergeblich haben sie deshalb versucht, den Vortrag des Psychologen, immerhin Professor für forensische Psychiatrie, zu verzögern. Doch ihre Anträge auf eine dreiwöchige Unterbrechung der Verhandlung wies das Gericht zurück.

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