Kommunalwahl

Analyse: Politikverdruss senkt die Wahlbereitschaft

Kirchhellen.  Neben Gewinnen für SPD, Grüne und AfD hat die Wahl in Bottrop erneut eine Wahlbeteiligung unter 50 Prozent gebracht. Mit Nord-Süd-Gefälle.

Nach der Wahl ist Zeit für Analysen. Politiker aller Parteien beugen sich über die Ergebnislisten. Sie können feststellen: Das Bottroper Kommunalwahlergebnis hat ganz wenig zu tun mit Bundes- und Landestrends. Es spiegelt vor allem die (Un-)Zufriedenheit mit Politik vor Ort. Zum Beispiel in der Wahlbeteiligung.

In Kirchhellen war sie mit mehr als 59 Prozent am höchsten, auch höher als bei der Kommunalwahl 2014. Halbwegs im Stadt-Schnitt liegt sie im Bezirk Mitte mit 49,73 Prozent. Im Süden gingen nur knapp 41 Prozent der Wähler zur Urne. Kaum ein Zufall, dass dort auch die Zustimmung zur AfD bei der Ratswahl mit 10,33 Prozent am höchsten war. Das bestätigt die These: Wer nicht zufrieden ist mit der Bottroper Kommunalpolitik, geht gar nicht erst wählen; wenn doch, wählt er Protest.

Der Norden bleibt schwarz

Das zeigt sich auch beim tieferen Blick in einzelne Ratswahlbezirke. Die Grünen können relativ gelassen hinschauen. Ihr Ergebnis schwankt in den drei Stadtbezirken zwischen 11 (Süd) und und fast 14 Prozent (Mitte). Auf den ersten Blick scheint auch für die CDU beim Blick auf die politische Landkarte die Welt noch halbwegs in Ordnung zu sein, trotz der mehr als drei Prozent Verlust im Vergleich zur Kommunalwahl 2014.

Der Norden bleibt schwarz, trotz des Verlustes der absoluten Mehrheit im Bezirk Kirchhellen. Und die Tatsache, dass die Partei dort bei der Wahl zur Bezirksvertretung fast sieben Prozentpunkte mehr geholt hat als bei der Wahl zum Rat, lässt vermuten, dass die Kirchhellener Wähler ganz zufrieden waren mit der Arbeit von „Kümmerer“ Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder und seinem CDU-Team. Natürlich ist auch ein Umkehrschluss zulässig.

Niedrige Wahlbeteiligung in Welheim

Heftiges Erschrecken ausgelöst haben sollte bei allen Parteien, aber vor allem bei der CDU, das Ergebnis im Ratswahlbezirk Ebel-Welheimer Mark. Wahlbeteiligung: 38,6 Prozent. Die SPD, die 2014 dort noch mehr als 60 Prozent der Stimmen holte, bleibt vorn mit 49,3 Prozent. Die CDU ist dort nur noch die fünfte Kraft mit 8,85 Prozent hinter AfD (13,4), Grünen und DKP (je 8,93). Noch niedriger lag die Wahlbeteiligung in Welheim: 34,79 Prozent, wenig mehr als ein Drittel. Kein Zufall wohl, dass die AfD auch dort mit 12,9 Prozent vor der CDU lag (11,25).

Die tiefen Täler der Wahlbeteiligung passen ziemlich genau zu den Ergebnissen des „Stadtteil-Checks“ der WAZ zu Jahresanfang in Sachen Kommunalpolitik. „Wie bewerten Sie den Einsatz von Kommunalpolitikern und Stadtverwaltung für Ihren Stadtteil?“, lautete die Frage. Die besten Schulnoten, natürlich nicht repräsentativ, vergaben die Kirchhellener (2,64). Die schlechtesten kamen von den Menschen in der Welheimer Mark (4,49), Welheim (4,41) und Ebel (4,36). Der Stadt-Durchschnitt lag bei einer Drei minus (3,45).

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