Arbeitsmarkt

Alle Bottroper Bewerber können eine Lehrstelle finden

Sie haben ihren Ausbildungsplatz gefunden: Mit einem Willkommensfrühstück begrüßt die Seniorenhilfe der Diakonie im Gladbecker Vinzenzheim ihre neuen Altenpflege-Azubis. Zwölf Auszubildende kommen aus sechs verschiedenen Nationen: Deutschland, Georgien, Irak, Polen, Türkei und Brasilien.  

Sie haben ihren Ausbildungsplatz gefunden: Mit einem Willkommensfrühstück begrüßt die Seniorenhilfe der Diakonie im Gladbecker Vinzenzheim ihre neuen Altenpflege-Azubis. Zwölf Auszubildende kommen aus sechs verschiedenen Nationen: Deutschland, Georgien, Irak, Polen, Türkei und Brasilien.  

Foto: Lea Rother

Bottrop.  Uns fehlen Lehrstellen, rechnet die Arbeitsagentur vor. Uns fehlen Lehrlinge, klagt das Handwerk. Gegensätzliche Befunde, die beide stimmen.

1000 Lehrstellen fehlen diesen Sommer in Gelsenkirchen und Bottrop, rechnet die Agentur für Arbeit vor. Gleichzeitig stöhnt die Handwerkskammer: Für fast jede zweite Lehrstelle, die wir anbieten, bekommen wir nicht mal eine Bewerbung. Wie passt das zusammen? Mit ein wenig Flexibilität wird das in Bottrop am Ende passen, sagt Edith Holl, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur.

Zum einen ist die Differenz zwischen gemeldeten Lehrstellen und Bewerbern mit 180 deutlich kleiner als im Agenturbezirk, sagt Edith Holl. Und bei noch 712 unbesetzten Ausbildungsstellen in Gelsenkirchen und Bottrop ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass jeder, der sucht, etwas finden wird. Wenn auch vielleicht nicht den ursprünglich angestrebten Traumberuf.

Ein Kernproblem der Ausbildung: Wunsch und Wirklichkeit

Denn das ist seit vielen Jahren ein Kernproblem auf dem Ausbildungsmarkt, sagt Holl: „Die Top Ten der Wünsche und der Angebote klafft weit auseinander.“ Und sowohl aufseiten der Bewerber als auch der Betriebe fehle es nach wie vor an Flexibilität. „Junge Menschen, die keine Lehrstelle in ihrem Traumberuf finden, gehen lieber weiter zur Schule oder studieren, statt sich nach Alternativen umzuschauen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie vergleichbare Berufsbilder kennen lernen. Und: Die Bewerber müssen bereit sein zu pendeln.“

Außerdem arbeiten Arbeitsagentur wie Handwerkskammern daran, dass immer noch schlechte Image des Handwerks aufzupolieren. „Viele junge Menschen wissen nicht, das ein Handwerksmeister mehr verdienen kann als ein Hochschulabsolvent“. Das gilt allerdings nur bedingt für den Beruf mit den meisten unbesetzten Lehrstellen im Agenturbezirk: Bäckereifachverkäuferin (75 freie Lehrstellen).

„Der Kampf um die Bewerber hat längst begonnen.“

Aber auch die Betriebe müssten über ihre Anforderungsprofile nachdenken, sagt Edith Holl: „Ein Praktikum kann viel aussagekräftiger sein als ein gutes Zeugnis.“ Auf Sicht werden sinkende Schülerzahlen auch in Bottrop für einen Mangel an geeigneten Azubis sorgen. Schon dieses Jahr ist die Zahl der Bottroper Bewerber im Vergleich zum Vorjahr um 50 gesunken. Edith Holl: „Der Kampf um die Bewerber hat längst begonnen. Wir spüren es in unserer Region nur noch nicht.“

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