Welt-Aids-Tag

Aidshilfe Bottrop berät immer mehr ältere Infizierte

Regelmäßig veranstaltet die Aidshilfe Bottrop auf dem Weihnachtsmarkt eine Tombola. Schirmherrin Renate Palberg, Vorsitznder Helmut Sichtermann und Sabine Eicker, Aidsberaterin beim Gesundheitsamt (v. l.) stellen die diesjährige Aktion vom 21. November bis 1. Dezember vor. 

Regelmäßig veranstaltet die Aidshilfe Bottrop auf dem Weihnachtsmarkt eine Tombola. Schirmherrin Renate Palberg, Vorsitznder Helmut Sichtermann und Sabine Eicker, Aidsberaterin beim Gesundheitsamt (v. l.) stellen die diesjährige Aktion vom 21. November bis 1. Dezember vor. 

Foto: Matthias Düngehoff

Bottrop.  Medikamente und Behandlungen helfen, dass Menschen mit dem Virus immer älter werden. Für die Aidsberatung ergeben sich da neue Anforderungen.

„Wir hatten im vergangenen Jahr sechsmal den Fall, dass der nicht infizierte Partner vor dem infizierten verstorben ist“, sagt Helmut Sichtermann, der Vorsitzender der Aidshilfe in Bottrop. Fälle wie diese kamen in der Vergangenheit längst nicht so häufig vor. Die Behandlung von HIV und Aids mit Medikamenten und Therapien hat große Fortschritte gemacht. Auch wer HIV-positiv ist kann heute alt werden, die Lebenserwartung mit dem Virus ist immer weiter gestiegen. Sichtermann und seine Mitstreiter betreuen in Bottrop sogar über 70-Jährige.

Doch damit tauchen neue Fragen auf, denen sich die Aidsberatung stellen muss und auf die sie Antworten finden muss. Denn wie sieht es aus, wenn jemand alt und möglicherweise pflegebedürftig ist, vielleicht gar einen Platz im Seniorenheim braucht. Da ist möglicherweise auch noch Aufklärungsarbeit gefragt, glaubt Sichtermann. Dabei gelte eigentlich, „dass eine wirksame Therapie die Anzahl der Viren so weit reduzieren kann, dass HIV selbst beim Sex ohne Kondom nicht übertragen wird“, sagt Sabine Eicker, die HIV-Beraterin im Gesundheitsamt. Das heiße aber auch: Im ganz normalen Alltag bestehe nahezu kein Risiko sich anzustecken, sagt sie und wirbt eindrücklich dafür niemanden auszugrenzen.

Aidshilfen in anderen Städten bauen bereits Wohnprojekte auf

Trotzdem, so Sichtermann, sei an vielen Stellen noch Aufklärungsarbeit nötig. Aidshilfen in anderen Städten sind da schon weiter. So hätten sie in Köln, Düsseldorf, aber auch in Essen Wohnprojekte gegründet. So weit sei man in Bottrop noch nicht, sagt der Vorsitzende der hiesigen Gruppe. „Aber wir schauen uns solche Projekte natürlich interessiert an.“ Generell sei das ein Thema, was auch auf der Ebene des Landesverbands verstärkt in den Fokus rückt.

Rund 100 Betroffene betreut die Bottroper Aidshilfe. Sie bietet Beratung, Betreuung und notfalls auch finanzielle Hilfe – abgedeckt durch Spenden oder Einnahmen wie etwa durch den Losverkauf auf dem Weihnachtsmarkt. Dazu kommen Aufklärungs- und Beratungsangebote an den Schulen. Das übernimmt seit einigen Jahren schon eine ehrenamtliche Kraft. „Wir würden das gern wieder professionalisieren“, sagt SPD-Ratsfrau Renate Palberg, die Schirmherrin der Bottroper Aidshilfe. Bis vor einigen Jahren hat das ein Sozialarbeiter übernommen, gern würde die Aidshilfe zumindest stundenweise auch wieder auf einen Sozialarbeiter zurückgreifen. Das Problem sei jedoch: „Sozialarbeiter sind gefragt, der Markt ist leer gefegt.“

Aidshilfe Bottrop will Beratungsangebote stärker professionalisieren

Also setze man weiter auf das ehrenamtliche Engagement, sagt Sichtermann. Das Mitglied zeige da auch vollen Einsatz und mache das sehr gut, aber selbstverständlich sei derjenige auch beruflich eingespannt und stoße zeitlich an Grenzen. „Außerdem haben wir in der Vergangenheit auch mit der Jugendarrestanstalt zusammengearbeitet, das würden wir langfristig auch gern wieder tun. Das geht aber nur mit entsprechend ausgebildeten Kräften“, erklärt Sichtermann die Schwierigkeiten, vor denen auch die Aidshilfe vor Ort steht.

Er und auch Sabine Eicker loben die gute Zusammenarbeit zwischen Aidshilfe und Gesundheitsamt. Dort werden kostenlose HIV-Tests angeboten. Fallen sie positiv aus, werden die Betroffenen an die Aidshilfe vermittelt und finden hier Hilfe. 59 solcher Tests – oft gekoppelt mit einem auf Syphilis – wurden bisher im Jahr 2019 durchgeführt. Rund die Hälfte weniger als im Jahr zuvor.

Expertin des Gesundheitsamtes warnt vor „trügerischer Sicherheit“ durch Heimtests

Sabine Eicker führt das auf die Zulassung der HIV-Schnelltests zurück, die auch zu Hause angewandt werden. Sie rät aber eindringlich davon ab, sich allein auf diese Tests zu verlassen. Denn bei einem HIV-Test gelte es viel zu beachten. So sei eine Infektion sicher erst rund drei Monate nach einem Risikoereignis nachweisbar. „Beachtet man das nicht, wiegt man sich möglicherweise in trügerischer Sicherheit.“ Sie rät daher auf jeden Fall, auch das Angebot im Gesundheitsamt wahrzunehmen. Einer der Tests sei bisher positiv ausgefallen, auch da habe der Betroffene zunächst einen Test zu Hause durchgeführt.

Auf Ebene des Landesverbands der Aidskoordinatoren gebe es zudem Bestrebungen, künftig auch Tests auf die Geschlechtskrankheiten Gonorrhoe oder Chlamydien durchzuführen. „Wir überlegen derzeit, ob wir das ab kommendem Jahr auch in Bottrop anbieten können.“

Aidshilfe veranstaltet Tombola auf dem Weihnachtsmarkt

Auf dem Weihnachtsmarkt ist die Aidshilfe aktuell wieder mit einem Stand vertreten. Sie verkauft dort Lose für ihre Tombola. Mit dem Erlös aus dem Verkauf finanziert die Aidshilfe ihre Arbeit und vor allem die Unterstützung ihrer Klienten, erläutert Helmut Sichtermann. Der Erlös fließt komplett in diese Arbeit, denn für die Miete ihrer Geschäftsstelle bekommt die Aidshilfe einen Zuschuss von der Stadt.

Seit Donnerstag ist das Büdchen der Aidshilfe auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus zu finden und noch bis zum 1. Dezember – dem Welt-Aids-Tag – werden die Lose verkauft. Was Sichtermann besonders gefreut hat war die Resonanz der Unternehmen aus ganz Deutschland, als die Aidshilfe um Preise gebeten hat. Auch Fußballvereine wie Borussia Dortmund, Schalke oder Bayern München haben auf die Anfrage reagiert und Preise zur Verfügung gestellt. „Wir haben fast 10.000 Preise erhalten“, sagt Sichtermann.

Erstmals gibt es in diesem Jahr Trostpreise für Nieten

Zunächst verkauft die Aidshilfe auch nur 10.000 Lose. Trotzdem sollten sich potenzielle Loskäufer nicht zu früh freuen. Auch wenn Preise und Anzahl der Lose nahezu gleich sind bedeutet es nicht, dass jedes Lose gewinnt. Einige Preise hält die Aidshilfe auch zurück, schließlich veranstaltet sie die Tombola regelmäßig auch zu anderen Gelegenheiten – etwa zum Stadtfest. Und auch da braucht es selbstverständlich Preise. Doch erstmals vergibt die Aidshilfe in diesem Jahr auch Trostpreise. „Bei fünf Nieten bekommt derjenige eine Kleinigkeit und auch bei zehn Nieten haben wir etwas“, verspricht Sichtermann. Ein Los kostet einen Euro, sechs Lose kosten fünf Euro.

Wer die Hilfe der Aidsberatung in Anspruch nehmen will, kann sich an das Büro im Haus der Vielfalt, Gerichtsstraße 3, wenden. Es ist montags bis freitags von acht bis 14 Uhr besetzt, .

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