Kundgebung

Acht Verletzte bei Protest von Kurden und Türken in Bottrop

In Bottrop kam es bei einem Protestzug zwischen Kurden und Türken zu Ausschreitungen.

In Bottrop kam es bei einem Protestzug zwischen Kurden und Türken zu Ausschreitungen.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Eine Kundgebung gegen den türkischen Einmarsch in Syrien endete am Mittwochabend mit Gewalt und Verletzten. Steine flogen auch auf Polizisten.

Hunderte Demonstranten standen sich am Mittwochabend bei der Kundgebung in der Bottroper Innenstadt gegenüber. Auf dem Pferdemarkt demonstrierten um die zweihundert kurdischstämmige Bürger und auch Vertreter Bottroper Parteien gegen den Angriff der Türkei auf die kurdisch kontrollierten Gebiete in Syrien. Auf der anderen Seite der Straße protestierten dagegen lautstark mehr als zweihundert türkischstämmige Demonstranten, um die Kundgebung zu stören. Es kam zu Provokationen und Steinwürfen. Acht Menschen wurden verletzt, darunter fünf Polizisten. Oberbürgermeister Bernd Tischler hat am Tag danach die Ausschreitungen verurteilt.

Da die Stimmung sich immer weiter aufheizte, rückte eine sogenannte Hundertschaft der Polizei an. Ein Hubschrauber der Polizei überflog lange Zeit den Bottroper Stadtkern. Schmähgesänge sowohl auf kurdischstämmiger wie auch auf türkischstämmiger Seite wurden immer lauter. Vereinzelt versuchten Demonstranten auch, Vertreter der Gegenseite zu attackieren. Es flogen Steine. Wie ein Riegel schirmten schließlich auch Polizeifahrzeuge auf beiden Seiten der Osterfelder Straße die Demonstranten voneinander ab.

Die ersten Steine flogen aus dem türkischen Lager, sagt die Polizei

Die Polizei bilanzierte in der Nacht einige durch Steinwürfe beschädigte Einsatzfahrzeuge und zählte insgesamt fünf verletzte Polizisten. Darunter musste ein Beamter im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt wurden fünf Personen festgenommen, denen Körperverletzung vorgeworfen wird. Von weiteren elf Männern seien die Personalien festgestellt worden, darunter auch ein 13-jähriger und ein 17-jähriger Junge, berichtete die Polizei am Donnerstag.

Die ersten Steine seien aus dem türkischen Lager Richtung Kurden-Demo geflogen, danach aber auch zurück, erklärte eine Polizeisprecherin am Morgen. „Unsere Kollegen standen mittendrin und hielten sprichwörtlich ihre Köpfe hin“, so die Sprecherin.

Türkische Demonstranten formten das Zeichen der Grauen Wölfe

Bereits vor Beginn der Kundgebung auf dem Pferdemarkt versammelten sich viele vorwiegend junge Türken auf der anderen Seite der Osterfelder Straße und riefen Schmährufe gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Etliche Autofahrer fuhren hupend und mit Türkeifahren am Pferdemarkt vorbei. Die Zahl der Gegendemonstranten wuchs dann während der Kundgebung immer weiter an.

Viele Demonstranten schwenkten Türkeifahnen und Flaggen mit dem Portrait des türkischen Präsidenten Erdogan, ihre Schmährufe und Parolen wurden immer lauter und aggressiver. Eine ganze Reihe von Demonstranten formte mit den Fingern über den Köpfen demonstrativ das Zeichen der rechtsextremistischen türkischen Grauen Wölfe. Die Polizei berichtet, dass es mehrere Steinwürfe gegeben habe. Auch Schirme flogen über die Straße.

Eine Reihe kurdischer Demonstranten skandierte provozierend „PKK“

Aus Reihen der kurdischstämmigen Demonstranten auf dem Pferdemarkt kamen wiederum Kurdistan-Rufe und Schmährufe gegen Erdogan auf. Die Menschen nannten den türkischen Präsidenten einen Terroristen und Kindermörder. Einige Teilnehmer skandierten auch „PKK“. Kurdische Flaggen und Fahnen der YPG und der YPJ waren zu sehen. Redner forderten den sofortigen Stopp des Krieges in Nordsyrien. Auch nach dem Ende der Kundgebung blieben die kurdischen Demonstranten auf dem Platz stehen und sangen Widerstandslieder. Einige riefen den türkischen Gegendemonstranten Schmähungen zu.

Als die Stimmung auf beiden Seiten der Demonstranten immer aggressiver wurde, stellten sich immer mehr Polizeikräfte auf der Osterfelder Straße zwischen die beiden Lager. Die Polizisten postierten hohe Mannschaftswagen vor der Gruppe der protestierenden türkischstämmigen Männer und schränkten so auch deren Sicht auf die Kundgebungsteilnehmer auf dem Pferdemarkt ein. Polizeiwagen riegelten schließlich die Osterfelder Straße in Höhe des Pferdemarktes komplett ab. „Wir wollten da Ruhe hineinbringen“, erklärte Polizeisprecherin Ramona Hörst. Denn die Aggressivität schaukelte sich durch gegenseitige Provokationen auf beiden Seiten weiter hoch. „Je aufgeheizter die Stimmung wurde, um so mehr Kräfte sind nachgerückt“, erklärte die Polizeisprecherin.

Polizisten postierten sich in der Innenstadt und hielten Wache

Nachdem sich die beiden Demonstrationslager weit nach Ende der Kundgebung schließlich aufgelöst hatten, blieben zahlreiche Polizisten bis in den späten Abend in Bottrop und postierten sich in Gruppen an mehreren Stellen der Innenstadt. Die Beamten blieben wachsam, um sofort eingreifen zu können, falls es doch noch zu Übergriffen und Attacken kommen sollte. Beamte riefen per Megaphon dazu auf, friedlich und ruhig zu bleiben. Der Polizeihubschrauber stand noch lange hoch über der Martinskirche in der Luft.

Gegen 22.30 Uhr hätten die Störer die Bottroper Innenstadt weitgehend verlassen, berichtete die Polizei in der Nacht. Die kurdische Versammlung war bereits um 18.45 Uhr vom Versammlungsleiter als beendet erklärt worden, heißt es im Polizeibericht.

Oberbürgermeister ruft zu friedlichem Umgang auf

Oberbürgermeister Bernd Tischler, derzeit zu Besuch in China, ruft auch mit Blick auf weitere Kundgebungen und die anstehenden Fußballspiele am Sonntag auf zum friedlichem Umgang miteinander. „In Deutschland ist das Demonstrationsrecht ein hohes Gut und ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie. Jede Anwendung von Gewalt und Ausschreitung egal von welcher Seite ist zu verurteilen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Motive dahinter stecken mögen. Ich rufe daher alle Bottroper - ganz gleich welcher Herkunft - dazu auf, friedlich miteinander umzugehen. Diese Stadt steht für ein einvernehmliches Miteinander aller ihrer Bürger unabhängig von ihrer Volkszugehörigkeit. Dies muss auch in Zukunft so bleiben.“

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht nach den Ausschreitungen in Bottrop und Lüdenscheid „die Grenze unserer Toleranz klar überschritten“. Bei allem Verständnis für den Willen der Menschen, wegen der Situation in Nordsyrien zu demonstrieren, könne es nicht sein, dass diese Proteste in Gewalt umschlagen, mahnte er in Düsseldorf. „Diese Eskalationen dienen wohl auch kaum der Sache der Kurden. Ich kann nur in aller Deutlichkeit dazu raten, friedlich zu bleiben, sich nicht provozieren zu lassen und jede Provokation zu vermeiden.“ (Mit dpa)

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